Die Fluggesellschaft Eurowings hat ihre Position als profitabler Pfeiler im Lufthansa-Konzern gefestigt. Seit zwei Jahren in Folge erzielt das Unternehmen Betriebsgewinne im dreistelligen Millionenbereich und blickt auch für 2025 optimistisch auf die Sommerbilanz.
Trotz der saisonüblichen Verluste im ersten Halbjahr, die auf gestiegene Gebühren und teure Flugzeuganmietungen zurückgeführt wurden, erwartet Eurowings für das Gesamtjahr ein starkes Ergebnis. Die positive Entwicklung, die nach Jahren der Sanierung erfolgt, soll nun in die Zukunft investiert werden. Im Fokus stehen der Ausbau des Streckennetzes in Deutschland, insbesondere von Berlin aus, sowie eine grundlegende Flottenerneuerung mit der Boeing 737 Max. Diese strategischen Schritte sollen die Marktposition von Eurowings weiter ausbauen und die Rentabilität langfristig sichern.
Vom Sorgenkind zum Gewinnbringer
Noch vor wenigen Jahren galt Eurowings als eines der Sorgenkinder im Lufthansa-Konzern. Die Umstrukturierung und Neuausrichtung des Unternehmens gestalteten sich schwierig und waren mit erheblichen Verlusten verbunden. Doch die jüngsten Zahlen belegen einen beeindruckenden Wandel. Im Jahr 2023 und 2024 erwirtschaftete Eurowings jeweils einen Betriebsgewinn von über 200 Millionen Euro. Dieser Erfolg katapultierte die Fluggesellschaft in die Top-Liga der profitabelsten Airlines des Konzerns. Eurowings-Chef Jens Bischof bestätigte gegenüber der „Kölnischen Rundschau“, daß das Unternehmen auch für das laufende Geschäftsjahr auf Kurs sei, um ein Ergebnis im „dreistelligen Millionenbereich“ zu erzielen.
Die positive Entwicklung ist besonders bemerkenswert, da Eurowings im ersten Halbjahr 2025 noch saisonbedingte Verluste von 137 Millionen Euro verzeichnete, eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als der Verlust 87 Millionen Euro betrug. Diese Verluste resultierten laut Lufthansa aus gestiegenen Gebühren an deutschen Flughäfen sowie den Kosten für Wet-Lease-Einsätze – das Anmieten von Flugzeugen samt Besatzung. Der erwartete Gewinn für das Gesamtjahr deutet darauf hin, daß die Sommerbilanz diese Verluste mehr als ausgleichen wird.
Mit einer operativen Marge von rund sieben Prozent im Jahr 2024 war Eurowings eine der rentabelsten Töchter der Lufthansa-Gruppe, nur übertroffen von der Schweizer Fluggesellschaft Swiss. Dieser Erfolg stärkt nicht nur das Selbstbewußtsein der Geschäftsführung, sondern ermöglicht auch die notwendigen Investitionen, um die strategische Position der Fluggesellschaft weiter auszubauen. „Der Sprung in die Gewinnzone erlaubt uns Investitionen, mit denen wir unsere Positionierung jetzt ausbauen können“, so Bischof.
Strategische Flottenerneuerung mit der Boeing 737 Max
Ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie von Eurowings ist die Modernisierung ihrer Flotte. Die Fluggesellschaft wird ab Ende 2027 die ersten 40 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 in Empfang nehmen. Die Boeing 737 Max 8 soll primär ältere Modelle der Flotte, insbesondere die Airbus A319, ablösen. Die 737 Max ist bekannt für ihre höhere Treibstoffeffizienz und bietet eine verbesserte Reichweite im Vergleich zu den älteren Flugzeugtypen.
Der strategische Schritt zur Vereinheitlichung der Flotte ist für die Airline von großer Bedeutung. Derzeit betreibt Eurowings eine heterogene Flotte, die aus verschiedenen Airbus-Modellen besteht. Die Vereinheitlichung auf ein Modell in den kommenden Jahren wird die Komplexität der Wartung und des Betriebs verringern, was zu weiteren Kosteneinsparungen und einer höheren Effizienz führen wird. Eurowings hat das klare Ziel, wieder eine einheitliche Flotte aufzubauen.
Zusätzlich zu den 40 fest bestellten Flugzeugen gibt es Optionen für die Beschaffung von bis zu 60 weiteren Boeing 737 Max, die die Gesamtflotte auf bis zu 100 Maschinen erhöhen könnten. Bischof äußerte bereits Anfang 2025 den Wunsch, „daß wir nicht nur die ersten 40 bekommen, sondern auch Flugzeuge aus dem Optionsraum“. Die Optionen beinhalten zudem das Topmodell der Serie, die Boeing 737 Max 10, die als möglicher Ersatz für die größeren Airbus A321neo-Modelle in Frage kommt. Dies würde die Flexibilität der Fluggesellschaft weiter erhöhen und ihr Wachstumspotenzial auf stark frequentierten Strecken maximieren.
Ausbaupläne im Streckennetz und der Fokus auf Berlin
Neben der Flottenerneuerung setzt Eurowings auf den strategischen Ausbau ihres Streckennetzes in Deutschland. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Hauptstadt Berlin. Trotz des anhaltenden Wettbewerbs im deutschen Flugverkehr sieht Eurowings dort noch erhebliches Wachstumspotenzial. Nach dem Rückzug von Fluggesellschaften wie Air Berlin und dem anhaltenden Chaos bei anderen Low-Cost-Carriern möchte Eurowings diese Lücke füllen und ihre Position in der Hauptstadt stärken.
Die Entscheidung, in Berlin zu investieren, ist ein strategischer Schachzug. Die Stadt ist nicht nur ein großes touristisches Ziel, sondern auch ein wichtiger Geschäftsstandort. Eine stärkere Präsenz in Berlin würde Eurowings ermöglichen, sowohl Geschäfts- als auch Freizeitreisende anzusprechen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um das Wachstum der Fluggesellschaft weiter voranzutreiben und die Abhängigkeit von den traditionellen Kernmärkten wie dem Tourismus zu verringern.
Mit den geplanten Investitionen und der strategischen Neuausrichtung strebt Eurowings an, ihre Rolle als führende Punkt-zu-Punkt-Fluggesellschaft in Europa zu festigen. Der anhaltende Fokus auf Effizienz, gepaart mit den Investitionen in neue Flugzeuge und Schlüsselmärkte, signalisiert das Vertrauen des Unternehmens in seine zukünftige Rentabilität. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre hat die notwendigen Mittel freigesetzt, um diese ehrgeizigen Pläne in die Tat umzusetzen und die Position der Fluggesellschaft im hart umkämpften europäischen Luftverkehrsmarkt zu sichern.