Die Regierung Ghanas unternimmt einen entschlossenen neuen Versuch, eine eigene nationale Fluggesellschaft zu gründen. Das Vorhaben wird von einem zehnköpfigen Sonderausschuss vorangetrieben, dessen Aufgabe es ist, die notwendigen Schritte zur Etablierung eines neuen Flag-Carriers zu beschleunigen.
Der Verkehrsminister Ghanas, Joseph Bukari Nikpe, bestätigte in einem Gespräch mit der Zeitung Business & Financial Times am Rande einer Transport- und Logistikmesse in Accra, dass das Team an einem wettbewerbsfähigen und auf die langfristigen wirtschaftlichen Ziele des Landes ausgerichteten Geschäfts- und Managementmodell arbeitet. Die Initiative zielt darauf ab, die Position Ghanas als zentrales Luftfahrtdrehkreuz in der westafrikanischen Region signifikant zu stärken.
Die strategische Bedeutung eines Flag-Carriers
Für Ghana ist die Wiederbelebung einer staatlich unterstützten Fluggesellschaft mehr als nur eine Frage des Prestiges. Es handelt sich um ein strategisches Element zur Nutzung der geografischen Vorteile und der bestehenden Infrastruktur. Minister Nikpe hob hervor, dass das Land seine Investitionen in die Infrastruktur des Hauptflughafens in Accra sowie seine vorteilhafte Lage als „Tor zu Afrika“ nutzen müsse. Die Etablierung einer nationalen Fluggesellschaft gilt als entscheidend, um direkte Flugverbindungen zu schaffen, den Handel zu erleichtern und den Tourismussektor zu fördern.
Der internationale Flughafen Kotoka in Accra ist bereits einer der verkehrsreichsten und modernsten Flughäfen Westafrikas. Die Regierung sieht hierin eine ungenutzte Kapazität, die durch eine starke lokale Fluggesellschaft, die sowohl internationale als auch regionale Verbindungen bedient, voll ausgeschöpft werden könnte. Solche Verbindungen sind essenziell für die wirtschaftliche Integration Ghanas in die Region und darüber hinaus. Eine effektive Luftverkehrsanbindung kann die Kosten für Geschäftsreisen senken, die Lieferketten verbessern und ausländische Direktinvestitionen anziehen.
Eine Geschichte gescheiterter Versuche
Der aktuelle Versuch zur Schaffung eines neuen nationalen Carriers ist nicht der erste und folgt auf eine Reihe von Fehlschlägen. Ghana ist bereits seit über einem Jahrzehnt ohne eine funktionierende staatliche Fluggesellschaft. Der ursprüngliche Flag-Carrier, Ghana Airways, stellte den Betrieb im Jahr 2004 aufgrund massiver Schulden und Misswirtschaft ein. Der daraufhin gegründete Nachfolger, Ghana International Airlines (GIA), eine öffentlich-private Partnerschaft, konnte ebenfalls nicht überleben und scheiterte nur sechs Jahre später im Jahr 2010.
In den letzten Jahren wurden mehrere Anläufe unternommen, um diesen Zustand zu beenden:
- Partnerschaft mit Ethiopian Airlines: Vor einigen Jahren gab es fortgeschrittene Gespräche über eine mögliche Partnerschaft mit Ethiopian Airlines, einem der erfolgreichsten Luftfahrtunternehmen Afrikas, um eine neue ghanaische Fluggesellschaft aufzubauen. Diese Pläne, die auf dem bewährten Modell des äthiopischen Carriers basierten, der ähnliche Partnerschaften in mehreren afrikanischen Ländern unterhält, wurden jedoch nicht verwirklicht.
- Kooperation mit EgyptAir: Auch eine Kooperation mit der ägyptischen staatlichen Fluggesellschaft EgyptAir wurde als Option diskutiert, um deren technisches Know-how und Netzwerkerfahrung zu nutzen. Diese Gespräche führten ebenfalls nicht zu einem konkreten Ergebnis.
- Ashanti Airlines: Ein jüngerer Versuch involvierte die lokale Fluggesellschaft Ashanti Airlines, die als potenzieller Partner für die neue staatliche Fluggesellschaft in Betracht gezogen wurde. Die Verhandlungen in diesem Zusammenhang führten jedoch ebenfalls nicht zur endgültigen Etablierung des nationalen Carriers.
Diese wiederholten Rückschläge haben die Dringlichkeit und die Komplexität des Projekts unterstrichen. Die neue Task Force steht daher vor der Herausforderung, nicht nur ein Unternehmen zu gründen, sondern auch die Fehler der Vergangenheit in Bezug auf Management, Schuldenstruktur und strategische Ausrichtung zu vermeiden.
Die Rolle der Task Force und das Mandat des Präsidenten
Die aktuelle Initiative erhielt einen formalen Schub durch eine Richtlinie von Präsident John Mahama Ende April, in der die Ernennung des Sonderausschusses zur Leitung des Gründungsprozesses angeordnet wurde. Dieser zehnköpfige Ausschuss soll nun die detaillierte Planung und die kommerzielle Ausrichtung vorantreiben.
Die zentralen Aufgaben des Teams umfassen:
- Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells: Der Kern des Problems bei den Vorgängergesellschaften lag in der mangelnden Rentabilität. Das neue Modell muss von Beginn an kommerziell wettbewerbsfähig sein und darf sich nicht primär auf staatliche Subventionen stützen.
- Festlegung eines Management- und Governance-Rahmens: Eine transparente und professionelle Unternehmensführung ist entscheidend, um die Misswirtschaft zu verhindern, die zum Untergang von Ghana Airways und GIA führte.
- Flotten- und Streckenplanung: Die Auswahl der Flugzeuge und die Festlegung des anfänglichen Streckennetzes müssen auf einer soliden Marktanalyse beruhen, um die lukrativsten regionalen und internationalen Routen zu identifizieren.
Die Regierung Ghanas beabsichtigt, die Lücke, die durch das Fehlen eines Flag-Carriers entstanden ist, zu schließen, da die heimische Luftfahrtlandschaft derzeit von ausländischen Carriern und regionalen Anbietern dominiert wird. Eine starke nationale Airline wird als Instrument gesehen, um die afrikanische kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) zu unterstützen, deren Sekretariat ebenfalls in Accra angesiedelt ist, indem sie die notwendigen Handels- und Reiseverbindungen innerhalb des Kontinents erleichtert.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Sonderausschuss in der Lage ist, die politischen und wirtschaftlichen Hürden zu überwinden, die frühere Versuche scheitern ließen, und Ghana tatsächlich einen neuen, kommerziell erfolgreichen nationalen Carrier an den Start bringen kann.