Die Sicherheit im weltweiten Flugverkehr bleibt trotz steigender Passagierzahlen auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Dies belegen die am 13. Januar 2026 veröffentlichten Ergebnisse des renommierten Portals AirlineRatings.com. In einer umfassenden Analyse von 320 Fluggesellschaften wurden die 25 sichersten Full-Service-Airlines sowie die 25 führenden Low-Cost-Carrier für das Jahr 2026 ermittelt.
Ein historisches Ergebnis markiert dabei die Spitzenposition in der Kategorie der klassischen Linienfluggesellschaften: Erstmals konnte sich mit Etihad Airways eine Fluggesellschaft aus der Golfregion den ersten Platz sichern. Im Bereich der Billigfluggesellschaften verteidigte die in Hongkong ansässige HK Express erfolgreich ihren Titel und führt das Ranking zum zweiten Mal in Folge an. Die diesjährige Bewertung zeichnet sich durch eine besonders detaillierte Untersuchung präventiver Maßnahmen gegen Turbulenzen aus, die nach wie vor als Hauptursache für Verletzungen an Bord gelten.
Analyse der Sicherheitskriterien und methodische Schwerpunkte
Die Experten von AirlineRatings.com stützten ihre Bewertung auf eine Vielzahl objektiver Datenpunkte. Neben der Häufigkeit von Zwischenfällen im Verhältnis zur Gesamtzahl der Flüge flossen das Alter der Flotte, die Ergebnisse internationaler Sicherheitsaudits sowie die Qualität der Pilotenausbildung in die Bewertung ein. Sharon Petersen, CEO von AirlineRatings.com, betonte bei der Vorstellung des Berichts, dass die Abstände zwischen den bestplatzierten Unternehmen marginal seien. In der Spitzengruppe der Full-Service-Anbieter trennten die Plätze eins bis sechs lediglich 1,3 Punkte. Dies verdeutlicht, dass die gesamte Top-25-Liste als Elite der globalen Luftfahrt anzusehen ist, deren operative Standards sich auf einem nahezu identischen, exzellenten Niveau bewegen.
Ein signifikanter Fokus lag im aktuellen Berichtsjahr auf dem Management von Turbulenzen. Angesichts klimatischer Veränderungen und einer Zunahme unvorhersehbarer Luftbewegungen gewinnt die technologische Ausstattung im Cockpit sowie die Ausbildung des Kabinenpersonals an Bedeutung. Airlines, die aktiv an Programmen wie „Turbulence Aware“ der IATA teilnehmen oder fortschrittliche Radarsysteme zur Früherkennung einsetzen, konnten in diesem Jahr entscheidende Punkte sammeln. Etihad Airways stach hierbei besonders hervor und demonstrierte eine strikte Einhaltung von Protokollen zur Sicherung der Kabine bei unruhiger Fluglage.
Etihad Airways setzt neue Maßstäbe für die Golfregion
Der Aufstieg von Etihad Airways an die Weltspitze wird von Analysten als Beleg für die massiven Investitionen in moderne Flugzeuggenerationen und innovative Sicherheitssysteme gewertet. Mit einer vergleichsweise jungen Flotte, die vorwiegend aus effizienten Modellen wie der Boeing 787 und dem Airbus A350 besteht, profitiert die Airline aus Abu Dhabi von modernster Cockpit-Technologie. Sharon Petersen hob zudem hervor, dass Etihad die niedrigste Rate an relevanten Zwischenfällen pro Flug im gesamten untersuchten Feld aufwies. Die Fluggesellschaft selbst reagierte mit Stolz auf die Auszeichnung und bezeichnete Sicherheit als ihren „Kernwert“, der jede operative Entscheidung leite.
Hinter Etihad folgen im Ranking der Full-Service-Carrier namenhafte Schwergewichte wie Cathay Pacific auf Rang zwei und die australische Qantas auf dem dritten Platz. Auch Qatar Airways und Emirates sicherten sich Positionen in den Top 5, was die wachsende Dominanz und das hohe Sicherheitsvertrauen in die großen Drehkreuze des Nahen Ostens unterstreicht. Air New Zealand, die in den vergangenen zwei Jahren die Liste anführte, belegt im Jahr 2026 den sechsten Platz, was vor allem auf die extrem geringen Punkteabstände in der Spitzengruppe zurückzuführen ist.
Dominanz und Disziplin im Billigflugsegment
In der Kategorie der Low-Cost-Airlines konnte HK Express ihre Führungsposition festigen. Die Tochtergesellschaft von Cathay Pacific überzeugte die Prüfer durch eine nahezu makellose Historie und eine moderne Airbus-A320-Flotte mit einem Durchschnittsalter von unter acht Jahren. Trotz des Geschäftsmodells, das auf Kosteneffizienz setzt, zeigt HK Express laut AirlineRatings.com eine Sicherheitskultur, die keinen Vergleich mit Premium-Anbietern scheuen muss. Auf den weiteren Plätzen folgen Jetstar Airways aus Australien und die Singapurer Scoot.
Interessante Verschiebungen zeigten sich im Mittelfeld der Low-Cost-Liste. Flydubai belegte den vierten Platz, wird jedoch aufgrund der zunehmenden Annäherung an das Service-Modell klassischer Airlines künftig in der Kategorie der Full-Service-Anbieter geführt werden. Erstmals schaffte es mit Spring Airlines auch eine chinesische Fluggesellschaft in die Top-Rankings. Ebenfalls bemerkenswert ist der Sprung von airBaltic in die Top 10, was die positiven Auswirkungen der Flottenumstellung auf moderne Maschinen des Typs Airbus A220 widerspiegelt.
Realistische Einordnung statistischer Zwischenfälle
Trotz der herausragenden Platzierungen wies Petersen darauf hin, dass jede Airline in der Liste innerhalb der letzten zwei Jahre kleinere Zwischenfälle verzeichnet hat. Von Vogelschlag über Triebwerksabschaltungen bis hin zu technischen Defekten am Boden – operative Unregelmäßigkeiten sind in einem komplexen System wie dem globalen Flugverkehr nie gänzlich auszuschließen. Entscheidend sei jedoch die äußerst niedrige Quote: Bei den Top-Airlines liegt die Rate der Vorfälle pro Flug zwischen 0,002 und 0,09. Dies beweist die Wirksamkeit von Risikomanagementsystemen und die hohe Kompetenz der Besatzungen im Umgang mit unvorhergesehenen Situationen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Jahr 2026 eine Konsolidierung der Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau zeigt. Während technologische Innovationen im Cockpit und modernere Flugzeuge die Basis bilden, bleibt der Faktor Mensch – insbesondere durch intensives Training zur Vermeidung von Verletzungen durch Turbulenzen – der entscheidende Differenzierungspunkt in einem ansonsten fast fehlerfreien Wettbewerb.