Punsch und Glühwein sind Heißgetränke, die fast untrennbar mit Winter und Weihnachten verbunden sind. So ist es naheliegend, dass ein regionaler Gastronomiebetrieb am vergangenen Wochenende zu einem Glühweinfest eingeladen hat. Doch so ganz rund ist die Sache in Weinstadt bei Stuttgart nicht gelaufen.
An hohe Preise haben sich viele Konsumenten wohl oder übel schon gewöhnen müssen, jedoch ist die Kombination aus kostenpflichtigem Eintritt bei gleichzeitig hohen Preisen für Speisen und Getränke, die vom Veranstalter selbst und nicht etwa von selbstständigen „Standlern“ zum Kauf angeboten werden, durchaus fragwürdig. Noch dazu hinterlässt der Umstand, dass Kartenzahlungen bei der Abendkassa gern gesehen sind, aber beim Erwerb von Glühwein, Würsten und Co gar nicht erwünscht sind und auch auf Nachfrage kein Kassabon ausgegeben wurde, einen denkwürdigen Eindruck.
Hohe Preise für Speisen und Getränke
Doch beim Tassen- und Tellerpfand, das mit zwei Euro pro Stück vergleichsweise niedrig angesetzt war, nahm es der Veranstalter mit der Bürokratie sehr genau. Mit jedem Stück wurde auch eine Pfandmarke ausgegeben. Teller und/oder Tasse konnten nur gemeinsam mit der jeweiligen Marke bei einer zentralen Stelle zurückgegeben werden, andernfalls gab es den Einsatz nicht retour. Verwunderlich, dass man es hier so genau genommen hat, aber beim Kauf von Speisen und Getränken nur Bargeld akzeptiert hat und mit Geldkassetten anstatt Registrierkassen gearbeitet hat.
Für eine Rote Wurst bzw. Thüringer Wurst im Brötchen waren fünf Euro zu berappen. Fürs Schmalzbrot mussten vier Euro auf den Tresen gelegt werden und Gulasch mit einem Semmerl schlugen gar mit neun Euro pro Portion zu Buche. Die Qualität war verbesserungsbedürftig, denn serviert wurde eher lieblos, viel mehr wurden die Würste in ein kleines Semmerl gesteckt, auf Wunsch bisschen Senf oder Ketchup drauf, in eine Serviette und dem Kunden in die Hand gedrückt. Ähnlich verhielt es sich auch bei den Waffeln, die mit fünf Euro zu Buche geschlagen haben. Mangels ausreichender Stehtische war die Konsumation von Speisen und Getränken nicht gerade gemütlich möglich. Sitzgelegenheiten gab es überhaupt keine.
Irgendeine Limitierung der Anzahl der Eintrittskarten scheint es nicht gegeben zu haben, denn zum Besuchszeitpunkt war der Innenhof der Firma Berner bereits vollständig überfüllt, so dass es eine Herausforderung wurde mit Speisen und Getränken vom einen zum anderen Punkt zu kommen. Überhaupt war viel Geduld gefragt, um überhaupt an die teuren Waren zu kommen, denn mitunter musste man 20 Minuten und länger in Warteschlangen verbringen. An der Abendkassa wartete, trotz bereits vollständig überfüllter Veranstaltungslocation, eine enorm lange Personenschlange, die auf den Erwerb und Tickets und damit auf Einlass wartete.
Zu wenige „stille Örtchen“ für zu viele Menschen
Der Rote Faden der Unterdimensionierung setze sich auch bei den WC-Anlagen fort. Jene im eigentlichen Gebäude der Firma Berner waren versperrt. Man nutze die Räumlichkeiten davor um eine Art Weihnachtsmarkt, auf der Güter aller Art, die irgendwie mit Winter und Weihnachten in Einklang gebracht werden konnten, zum Kauf anbieten zu können. Die Beschilderung „Toiletten“ führte schnurstracks auf eine Absperrung zu. Durch so genannte Mund-zu-Mund-Propaganda sprach sich dann herum, dass im Außenbereich ein WC-Container aufgestellt wurde.
Dieser bot bei den Herren drei Pissoirs und eine Schüssel, wobei das Waschbecken nur genutzt werden konnte, wenn die erste Stehpinkler-Einrichtung ungenutzt war. Bei den Damen gab es gar nur zwei Toiletten. Berücksichtigt man die hohe Anzahl an Menschen, die bereits auf dem Areal waren und noch mehr kamen in langen Warteschlangen nach, ist das viel zu wenig und in Kombination mit Eintrittspreis und hohen Kosten für Speisen und Getränke einfach nicht akzeptabel. Immerhin ist der Veranstalter ein regionaler Betrieb, der im gehobenen Bereich angesiedelt ist und kein Anbieter von Jugend-Veranstaltungen.
Viel Verbesserungsbedarf für das kommende Jahr
Die Idee der Firma Berner ein Glühweinfest nach Weinstadt bei Stuttgart zu bringen und dieses selbst zu veranstalten ist lobenswert. Der Umstand, dass man für das Catering gleich selbst sorgt, ist auch naheliegend, denn immerhin ist man erfolgreich im Groß- und Detailhandel von Gourmetwaren tätig sowie betreibt ein Lokal der gehobenen Mittelklasse. Doch genau deswegen sind die Erwartungen auch hoch.
Der Umstand, dass im Eintrittspreis von 12 Euro pro Person eine Tasse Glühwein oder Punsch im Wert von vier Euro – exklusive Einsatz – inkludiert ist, macht es angesichts der hohen Preise für Speisen und Getränke in mittelmäßiger Qualität nicht gerade einfach davon überzeugt zu sein, dass diese Erwartungen erfüllt werden können. Bedingt durch die starke Überfüllung der Location war es doch kompliziert zu verweilen und die Beschallung mit alter Schlagermusik hat nicht unbedingt ihren positiven Beitrag geleistet. Es bleibt zu hoffen, dass der Veranstalter aus den Mängeln lernt und es im kommenden Jahr besser machen wird.