In einer dramatischen Wendung der Ereignisse hat der Gläubigerausschuss (CoC) der indischen Fluggesellschaft Go First (GOW, Mumbai International) beschlossen, die insolvente Airline zu liquidieren. Der Antrag auf Liquidation soll am 5. August beim National Company Law Tribunal (NCLT), einem speziellen Konkursgericht, eingereicht werden. Diese Entscheidung fiel, nachdem die eingegangenen Kaufangebote die Erwartungen nicht erfüllten.
Die Entscheidung des CoC markiert das Ende einer turbulenten Phase für Go First, die im Mai 2023 den Flugbetrieb einstellte. Die Fluggesellschaft war zu diesem Zeitpunkt mit erheblichen finanziellen Problemen konfrontiert, die durch technische Schwierigkeiten mit Pratt & Whitney-Triebwerken verschärft wurden. Diese Probleme führten dazu, dass ein großer Teil der Flotte am Boden blieb, was die ohnehin schon prekäre finanzielle Lage weiter verschlimmerte.
Vergebliche Verkaufsbemühungen
Zu Beginn des Jahres 2024 wurde eine Verkaufsstrategie initiiert, die in zwei formelle Angebote mündete: eines von einem Konsortium bestehend aus Ajay Singh, dem Promoter von SpiceJet (SG, Delhi International), und Nishat Pitti von EaseMyTrip, und ein weiteres von Sky One aus Sharjah. Nachdem der CoC Bedenken bezüglich der Struktur und der Vorleistungen der Angebote geäußert hatte, zog das Konsortium von Singh und Pitti im Mai sein Angebot zurück. Dies geschah nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Delhi, die es Leasinggebern erlaubte, ihre an Go First verleasten Flugzeuge abzumelden und zu exportieren. Somit blieb Sky One als einziger potenzieller Käufer übrig.
Die finanzielle Situation von Go First ist desaströs. Der Verwalter der Fluggesellschaft akzeptierte Gläubigerforderungen in Höhe von insgesamt 65,21 Milliarden Rupien (780 Millionen USD). Zu den größten Gläubigern gehören mehrere Banken, darunter die Central Bank of India, die Bank of Baroda, die IDBI Bank und die Deutsche Bank. Diese Banken sind im CoC vertreten und haben Forderungen in Höhe von 19,34 Mrd. Rupien (231 Mio. USD), 17,44 Mrd. Rupien (208 Mio. USD) bzw. 750 Mio. Rupien (9 Mio. USD).
Hoffnung auf Entschädigung
Ein Hoffnungsschimmer für die Gläubiger könnte eine Klage von Go First gegen den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney beim Schiedsgericht in Singapur sein. Die Fluggesellschaft hofft auf eine Entschädigung von rund 1 Milliarde USD. Die CoC ist der Ansicht, dass die Verfolgung dieser Klage der beste Weg ist, um die geschuldeten Gelder zurückzuerhalten.
Das NCLT gewährte dem Verwalter von Go First kürzlich eine zweimonatige Fristverlängerung, um das Schicksal der Fluggesellschaft zu regeln, indem sie entweder verkauft oder liquidiert wird. Diese Frist lief am 3. August ab, und das NCLT hatte erklärt, dass keine weiteren Verlängerungen gewährt werden würden. Die Entscheidung zur Liquidation bedeutet, dass die Gläubiger nun darauf hoffen müssen, einen Teil ihrer Forderungen durch den Verkauf von Vermögenswerten oder durch die angestrebte Entschädigungsklage zurückzubekommen.
Der Wettbewerb und die Branche
Der Zusammenbruch von Go First findet in einem herausfordernden Umfeld für die indische Luftfahrtindustrie statt. Während etablierte Fluggesellschaften wie Air India und IndiGo ihre Marktpositionen festigen, kämpfen kleinere Akteure wie SpiceJet mit finanziellen Schwierigkeiten. Der Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit, in moderne und effiziente Flugzeuge zu investieren, stellen zusätzliche Herausforderungen dar.
Für Go First bedeutete die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Delhi, die es Leasinggebern erlaubte, ihre Flugzeuge abzuziehen, einen schweren Schlag. Die Unsicherheit über die Verfügbarkeit von Flugzeugen und die damit verbundenen operativen Herausforderungen machten es schwierig, potenzielle Käufer zu überzeugen.
Die Entscheidung zur Liquidation von Go First ist ein tragisches Ende für eine Fluggesellschaft, die einst als vielversprechender Akteur in der indischen Luftfahrtindustrie galt. Die Gläubiger hoffen nun, dass die angestrebte Entschädigungsklage gegen Pratt & Whitney einen Teil der Verluste ausgleichen kann. Die Ereignisse rund um Go First werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen und Risiken, denen Fluggesellschaften in einem wettbewerbsintensiven und sich ständig wandelnden Markt ausgesetzt sind.