Green Airlines: Weder Anmeldung noch Flugplan am FKB vorgelegt

Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Foto: Robert Spohr).
Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Foto: Robert Spohr).

Green Airlines: Weder Anmeldung noch Flugplan am FKB vorgelegt

Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Foto: Robert Spohr).
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Eigentlich müssten am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden die Sektkorken knallen, denn mitten in der Corona-Pandemie will mit Green Airlines ein Newcomer die Inlandsstrecke nach Berlin aufnehmen. Auch Hamburg und Sylt sind auf der Homepage des Anbieters bereits angekündigt. Doch auf der Webseite des Airports fehlt jeglicher Hinweis auf das Angebot der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft. Das hat seinen guten Grund, erklärt eine Sprecherin des Baden-Airparks gegenüber Aviation.Direct. Ob mit Air Alsie ein gültiger Chartervertrag unterschrieben wurde oder nicht, beantwortete Green Airlines nicht, sondern bringt selbst Chalair Aviation ins Spiel.

Eine Prognose zum Angebot dieser Flüge können wir aktuell nicht geben. Unter Corona-Bedingungen wird ein solches Flugangebot nach unseren Erfahrungen zu Beginn größere Verluste einfliegen.

Sprecherin der Baden-Airpark GmbH

Über AOC und OL verfügt die „Green Airlines UG (haftungsbeschränkt)“ selbstverständlich nicht. Das Geschäftsmodell besteht darin, dass ein Turbopropflugzeug bei der dänischen Air Alsie gechartert werden soll und die Sitzplätze dann auf eigene Rechnung vermarktet werden. Gelegentlich nennt man solche Konstruktionen auch „virtuelle Airline“. Doch angemeldet hat man das Flugangebot, das am 1. November 2020 aufgenommen werden soll, bislang weder in Karlsruhe/Baden-Baden noch am Berlin-Brandenburg Airport. Auch scheint man in der Slotzuweisung des BER nicht auf.

Eine Sprecherin des Baden-Airparks erklärte auf Anfrage: „Selbstverständlich würden wir uns am Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden (FKB) sehr freuen, wenn wir unseren Fluggästen wieder innerdeutschen Flugverkehr und insbesondere, die für die Region wichtige Linienverbindung zwischen dem FKB und Berlin bieten könnten. Aus diesem Grund sind wir bereits seit Anfang des Jahres immer wieder mit einem Vertreter von Green Airlines im Gespräch. Aus unserer Sicht, wäre es allerdings unter zukünftigen Geschäftspartnern „normal“, dass Green Airlines und die Fluggesellschaft, die für Green Airlines im wet lease fliegen soll, sich gemeinsam mit dem Flughafen, der letztendlich ja nur der Infrastrukturanbieter ist, zusammensetzt und sämtliche Rahmenbedingungen (Technik, Unterstellung, Marketing etc.) bespricht. Dies ist allerdings bisher nicht geschehen und auch die durchführende Airline hat noch keine Anmeldung bei uns vorgelegt und noch keinen offiziellen Flugplan eingereicht.“

Green Airlines selbst nutzt auf der Homepage ein Reservierungssystem des dänischen Anbieters WorldTicket, eine Abteilung von Flexflight. Ansonsten beschreibt man die Gründe warum die Inlandsflüge besonders grün sein sollen sehr umfangreich und das unter anderem auch mittels fast täglicher Postings auf Instagram. Zum Unternehmen selbst schriebt man auf der eigenen Homepage nur wenig, das für fachkundige Leser relevant wäre. Auch ist auf der Website lediglich eine Handynummer als Rufnummer angegeben, was für eine Airline durchaus ungewöhnlich ist.

“Als junges Unternehmen sind wir mit vielen Partnern und Charter-Anbietern in Gesprächen. Um unseren Anspruch gerecht zu werden, nachhaltigen und grünen Flugverkehr anbieten zu können, setzen wir auf agile Anpassungsmöglichkeiten unseres Flugangebots mit geeigneten Partnern. So wollen wir unser Angebotsportfolio zukünftig mit der französischen Regionalfluggesellschaft Chalair Aviation erweitern, um unser Flugangebot flexibel auf die Buchungszahlen anpassen zu können. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details nennen können. Zum Abschluss der Gespräche werden wir Sie hierüber natürlich offiziell informieren”, erklärt die mit der Öffentlichkeitsarbeit von Green Airlines beauftragte PR-Agentur.

Gestellt wurden Green Airlines die nachstehenden aufgelisteten Fragen, die jedoch sehr ausweichend beantwortet wurden. Stattdessen schickte man über eine Agentur das obige Statement sowie jenes, das sich unter den Fragen befindet:

  • Wer wird die Flüge für Green Airlines durchführen?
  • Wie entgegnen Sie der Äußerung des FKB, dass die Flüge noch nicht angemeldet wurden?
  • Warum finden sich Ihre Flüge nicht in der Slot-Liste des BER?
  • Wie hoch ist das Stammkapital Ihrer Gesellschaft?
  • Gibt es eine Absicherung gegen Insolvenz?
  • Wurde mit Air Alsie ein gültiger Charter-Vertrag unterschrieben?

“Bitte haben Sie auch Verständnis, dass wir uns zu finanziellen Themen keine Stellung nehmen. Eine Insolvenz ist zwar kein Thema für uns, wir sind jedoch selbstverständlich für den Fall der Fälle abgesichert”, so die Agentur von Green Airlines weiters.

Der Baden-Airpark will sich nicht darauf festnageln lassen, ob die von Green Airlines angekündigten Flüge nach Berlin-Brandenburg abheben werden oder nicht. Dazu die Medienreferentin: „Eine Prognose zum Angebot dieser Flüge können wir aktuell nicht geben. Unter Corona-Bedingungen wird ein solches Flugangebot nach unseren Erfahrungen zu Beginn größere Verluste einfliegen.“ Unter Hinweis auf den Umstand, dass es bislang keine offizielle Flugplananmeldung gab und man sich diesbezüglich mit dem FKB noch nicht „zusammengesetzt“ hat: „Daher kommunizieren wir die Flugverbindung noch nicht auf unserer Homepage sowie in der Flugplanvorschau, auch wenn Green Airlines die Flüge bereits auf der eigenen Homepage zur Buchung freigeschalten hat.“

Es bleibt daher abzuwarten, ob die Charterflüge von Green Airlines am 1. November 2020 abheben werden oder nicht. Die Nachfrage ist momentan auf dem gesamten Markt sehr schwierig, so dass aus diesem Aspekt eine Verzögerung überhaupt nicht überraschend wäre. Aufgrund des Statements des Baden-Airparks und der ausweichenden Beantwortung der Anfrage durch den Anbieter, ergeben sich allerdings mehr offene Fragen als solide Zuversicht.

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4 Comments

  • Propellix , 9. Oktober 2020 @ 10:33

    Steht hinter der Green Air wieder einmal der Herr Pommer? Ob das wieder so eine Erfolgsgeschichte wie die Fairline wird, dürfte sich bald zeigen.

    • Jan Gruber , 9. Oktober 2020 @ 11:42

      Nein, er hat nichts damit zum tun. Hinter Green Airlines steht ein Deutscher.

      • propellix , 9. Oktober 2020 @ 11:46

        Na, dann kann man nur Alles Gute wünschen! Daumen hoch! 😉

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4 Comments

  • Propellix , 9. Oktober 2020 @ 10:33

    Steht hinter der Green Air wieder einmal der Herr Pommer? Ob das wieder so eine Erfolgsgeschichte wie die Fairline wird, dürfte sich bald zeigen.

    • Jan Gruber , 9. Oktober 2020 @ 11:42

      Nein, er hat nichts damit zum tun. Hinter Green Airlines steht ein Deutscher.

      • propellix , 9. Oktober 2020 @ 11:46

        Na, dann kann man nur Alles Gute wünschen! Daumen hoch! 😉

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