Die Metropole New York City, bekannt für ihre pulsierende Energie und schwindelerregenden Wolkenkratzer, offenbart im Sommer eine überraschend grüne Seite. Abseits des städtischen Trubels finden sich in allen fünf Bezirken zahlreiche Parks, botanische Gärten und Uferlandschaften, die als wahre Rückzugsorte zum Durchatmen einladen.
Diese grünen Lungen der Stadt beweisen, daß selbst in einer der größten Ballungsräume der Welt Raum für naturnahe Erlebnisse und kulturelle Bereicherung existiert. Von wissenschaftlich wertvollen Pflanzenparadiesen über historische Parkanlagen bis hin zu innovativ gestalteten urbanen Grünoasen – New York bietet eine vielfältige Palette an Erholungsmöglichkeiten, die das urbane Naturleben auf einzigartige Weise erlebbar machen.
Die Bronx: Botanische Wunder und wilde Flußlandschaften
Der Norden New Yorks beherbergt einige der beeindruckendsten Grünflächen der Stadt. Im Herzen der Bronx erstreckt sich der New York Botanical Garden über mehr als 100 Hektar. Dieses botanische Juwel Amerikas ist nicht nur ein wissenschaftlich bedeutsames Pflanzenparadies mit über einer Million lebender Pflanzen, sondern auch ein Ort der stillen Schönheit. Besucher können durch dichte Wälder wandern, entlang ruhiger Teiche spazieren und kunstvoll angelegte Themengärten erkunden. Zu den Besonderheiten zählen ein prähistorischer Rosengarten, ein Feuchtbiotop und ein jahrhundertealter Wald, der als letzter seiner Art in der Stadt gilt und Zeugnis der ursprünglichen Landschaft vor der Besiedlung ablegt.
Ein besonderes kulturelles Highlight in diesem Sommer ist die noch bis Oktober laufende Ausstellung „Van Gogh’s Flowers“. Hier werden florale Motive aus van Goghs berühmten Werken durch aufwendige Installationen lebendig nachgestellt, wodurch eine eindrucksvolle Verbindung von Natur, Kunst und Farbenlehre entsteht. Ergänzt wird das Erlebnis durch saisonale Führungen, Workshops und ein beeindruckendes Glashaus mit einer vielfältigen Sammlung gepflegter Pflanzen. Die Erreichbarkeit des Gartens ist denkbar einfach, sowohl mit der Metro-North Railroad als auch mit verschiedenen U-Bahn-Linien.
Ebenfalls in der Bronx findet sich der Bronx River Greenway, ein Paradebeispiel für gelungene Renaturierung in der Großstadt. Entlang des einzigen Süßwasserflusses in New York City zieht sich ein Netz aus Rad- und Wanderwegen, das Naturbeobachtung, Sport und Erholung auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Auf besonders beliebten Abschnitten, die durch den Bronx River Forest und das Starlight Park Gelände führen, können Besucher eine überraschende Artenvielfalt entdecken, darunter Reiher, Schildkröten oder sogar Biber. Kajaktouren auf dem Bronx River bieten zudem ein kontemplatives Erlebnis inmitten der urbanen Kulisse. Der Greenway verbindet wichtige Parks und Attraktionen wie den Bronx Zoo und den New York Botanical Garden, was ihn zu einem idealen Ziel für einen aktiven, aber entspannten Tag im Grünen macht.

Manhattan: Historische Höhen und moderne Ikonen
Auch im Herzen Manhattans, wo Wolkenkratzer den Himmel dominieren, finden sich überraschende grüne Zufluchtsorte. Hoch über dem Hudson River im Norden Manhattans thront der Fort Tryon Park, der nicht nur zu den höchsten Punkten der Stadt gehört, sondern auch zu den romantischsten. Entworfen in den 1930er-Jahren von den berühmten Landschaftsarchitekten Olmsted Brothers (die auch den Central Park konzipierten), bietet der Park terrassierte Gärten, verschlungene Wege, Aussichtsplattformen mit atemberaubendem Blick auf die Palisades am gegenüberliegenden Ufer und liebevoll gepflegte Blumen im Heather Garden, einem der ältesten Gärten New Yorks. Der Park ist nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern auch ein beliebter Schauplatz für Hochzeitsfotos und romantische Sonnenuntergänge.
Inmitten des Parks befindet sich ein architektonisches Juwel: The Met Cloisters, eine Zweigstelle des renommierten Metropolitan Museum of Art. Die Cloisters beherbergen eine beeindruckende Sammlung mittelalterlicher Kunst und Architektur, darunter Skulpturen, Edelsteine, Glasmalereien, Textilien und Artefakte. Hier verschmelzen gotische Baukunst und duftende Gärten zu einem einzigartigen Ort der Kontemplation und des Staunens, der Besucher in eine andere Zeit und Welt entführt.
Ein weiteres architektonisches Wunderwerk und zugleich eine der bekanntesten modernen Grünflächen ist die High Line. Einst eine stillgelegte Hochbahntrasse für Güterzüge, wurde sie in den 2000er-Jahren in einen spektakulären, linearen Park umgewandelt. Auf über 2,3 Kilometern Länge durchquert sie das West Side-Viertel Chelsea und bietet dabei nicht nur atemberaubende Stadtansichten und Einblicke in die Architektur, sondern auch eine abwechslungsreiche Bepflanzung, die oft von der wilden Vegetation inspiriert ist, die sich hier einst ansiedelte. Zwischen Gehwegen, Holzdecks und Liegeflächen wachsen Gräser, Stauden und Bäume. Kunstwerke, Performances und saisonale Märkte machen den Spaziergang zu einem vielseitigen Erlebnis. Am südlichen Ende der High Line befindet sich Little Island, eine künstlerische, auf Stelzen errichtete Parkinsel im Hudson River. Diese architektonische Meisterleistung, eröffnet im Jahr 2021, bietet ein Amphitheater, Themengärten und Aussichtspunkte sowie eine vielfältige Palette an Veranstaltungen von Tanz bis Jazz, was sie zu einem naturnahen und kulturell reichen Ausflugsziel macht.

Brooklyn: Grüne Herzen und japanische Gärten
Brooklyn, New Yorks bevölkerungsreichster Bezirk, bietet ebenfalls herausragende Grünflächen, die als zentrale Erholungsorte dienen. Der Prospect Park ist das grüne Herz Brooklyns und dient den Stadtbewohnern seit über 150 Jahren als Erholungsgebiet. Konzipiert von den gleichen Landschaftsarchitekten wie der Central Park, Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux, bietet der Park einen großen See, ein ausgedehntes Waldstück, weite Wiesen und zahlreiche Picknickplätze – eine perfekte Mischung aus Natur und urbanem Leben. Familien schätzen den Prospect Park Zoo, Jogger nutzen den autofreien Rundweg, und im Sommer verwandelt sich das historische Open-Air-Band Shell in eine beliebte Konzertbühne, die kostenlose Veranstaltungen anbietet.
Direkt angrenzend lädt der Brooklyn Botanic Garden zu einer botanischen Weltreise ein. Dieser preisgekrönte Garten ist berühmt für seinen japanischen Garten mit Pavillon und Teich, der besonders im Frühjahr zur Kirschblütenzeit ein spektakuläres rosa Blütenmeer bietet. Weitere Highlights sind der Shakespeare Garden mit Pflanzen, die in Shakespeares Werken erwähnt werden, ein Wüstengarten mit Kakteen und Sukkulenten, sowie tropische Gewächshäuser und wechselnde saisonale Ausstellungen. Wer den Park durch das historische Viertel Park Slope betritt, kann den Besuch mit einem Café-Stop in einer der charmanten Brownstone-Straßen verbinden, die für ihre Architektur und gemütliche Atmosphäre bekannt sind.
Weiter südlich entlang des East River entfaltet sich der Brooklyn Bridge Park, einer der dynamischsten und visuell beeindruckendsten Parks New Yorks. Auf 34 Hektar Fläche bietet er nicht nur grandiose Ausblicke auf die Skyline von Manhattan, sondern auch eine Vielzahl an Erholungsmöglichkeiten. Das Gelände besteht aus mehreren Piers, die jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllen: Pier 1 mit weiten Liegewiesen und Spazierwegen, Pier 2 mit Sportfeldern für Basketball, Handball und Boccia, Pier 5 mit Grillplätzen und weiteren Sportfeldern sowie Pier 6 mit einem Abenteuerspielplatz für Kinder. Dazwischen laden gepflegte Gehwege, Cafés und schattige Plätze zum Verweilen ein. Ein besonderes Highlight ist Jane’s Carousel, ein liebevoll restauriertes Karussell aus dem Jahr 1922, das in einem modernen Glaspavillon direkt am Wasser steht und besonders bei Familien und Fotografen beliebt ist. Der Park ist besonders stimmungsvoll in den Abendstunden, wenn die Skyline Manhattans im Licht der untergehenden Sonne glitzert.

Staten Island: Wilde Natur und kulturelle Schatzkisten
Staten Island, oft als der „vergessene Bezirk“ bezeichnet, überrascht mit seinen weitläufigen Grünflächen und kulturellen Angeboten. Der Grüngürtel von Staten Island (Greenbelt) ist ein riesiges Waldgebiet mitten in New York City, das über 1.100 Hektar naturbelassener Landschaft umfaßt, darunter Wälder, Feuchtgebiete, Seen und Moore. Mehr als 50 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege durchziehen das Gelände, darunter der berühmte Blue Trail, der bis zum Staten Island Lighthouse führt. Für viele New Yorker ist der Greenbelt ein Ort zum Auftanken, wo man Vögel statt Verkehr hört, Rehe statt Touristen trifft und die Skyline nur auf Infotafeln sieht. Das Greenbelt Nature Center informiert über Flora und Fauna, bietet Mitmachprogramme für Familien, geführte Touren und saisonale Veranstaltungen. Besonders schön im Spätsommer sind die Wildblumenwiesen voller Schmetterlinge.
Eine weitere grüne und kulturelle Schatzkiste ist das Snug Harbor Cultural Centre & Botanical Garden. Auf einem historischen Gelände gelegen, das einst als Heim für pensionierte Seeleute diente, ist es heute ein Ort der Vielfalt mit Museen, Kunstgalerien, Bildungseinrichtungen und einzigartigen Gartenanlagen. Zu den botanischen Highlights zählen der Chinesische Gelehrtengarten, der nach den Prinzipien der Ming-Dynastie angelegt wurde, ein Rosengarten, Irrgärten, Teiche, Alleen und wechselnde Pflanzenausstellungen. Kulturinteressierte können das Staten Islan Museum, das Noble Maritime Collection Museum oder das Newhouse Center for Contemporary Art besuchen. Im Sommer finden hier Konzerte, Märkte, Kunstworkshops und Familienveranstaltungen statt, was Snug Harbor zu einem idealen Ziel für einen Tagesausflug mit Mehrwert macht.

Queens: Weltausstellungserbe und moderne Stadtgärten
Queens, der flächenmäßig größte Bezirk New Yorks, bietet ebenfalls beeindruckende Grünanlagen, die oft eine reiche Geschichte aufweisen. Der Queens Botanical Garden, einst Teil der Weltausstellung von 1939, ist heute ein Paradebeispiel für moderne, durchdachte Stadtgestaltung. Mit Themengärten zu Rosen, Heilpflanzen, Bienen- und Schmetterlingspflanzen sowie einem innovativen Besucherzentrum mit Gründach und Regenwassersystem ist der Garten auch ein ökologisches Vorbild. Er demonstriert, wie urbane Grünflächen nicht nur der Erholung dienen, sondern auch wichtige Funktionen im Wassermanagement und bei der Förderung der Artenvielfalt übernehmen können.
Gleich nebenan erstreckt sich der Flushing Meadows Corona Park, eine riesige Freifläche, die ebenfalls ein Erbe der Weltausstellungen von 1939 und 1964 ist. Der Park bietet Sportfelder, Seen, Radwege und eine Fülle von Sehenswürdigkeiten wie die ikonische Unisphere, ein gigantischer Globus, der das Weltbild der Weltausstellung symbolisiert, das Queens Museum und die New York Hall of Science. Wer Lust auf Abwechslung hat, kann hier Natur und Kultur perfekt verbinden – oder einfach ein Picknick mit Blick auf das ikonische Weltkugel-Denkmal genießen. Im Sommer finden im Park regelmäßig Open-Air-Festivals, Food-Truck-Märkte und Community-Events statt, die das vielfältige Leben in Queens widerspiegeln.
New York City im Sommer ist weitaus mehr als nur eine Ansammlung von Beton und Glas. Die hier vorgestellten grünen Rückzugsorte in allen fünf Bezirken – von den botanischen Gärten der Bronx bis zu den innovativen Parkanlagen Manhattans, den historischen Grünoasen Brooklyns, den weiten Naturlandschaften Staten Islands und den vielfältigen Parks in Queens – beweisen die erstaunliche Fähigkeit der Stadt, urbane Entwicklung mit natürlichen Lebensräumen zu verbinden. Diese Orte bieten nicht nur Erholung und Ruhe inmitten der Metropole, sondern auch überraschende kulturelle und historische Einblicke. Ob allein, mit Freunden oder der Familie – wer New York City im Sommer besucht, sollte sich die Zeit nehmen, diese stillen und inspirierenden Seiten der Stadt zu entdecken. Sie sind ein Zeugnis dafür, wie urbanes Leben und Naturerleben in Harmonie koexistieren können.
