Die Europäische Kommission in Brüssel hat am 7. November 2025 grünes Licht für die geplante Verpflichtung zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen (Public Service Obligation, PSO) auf der Flugstrecke Linz–Frankfurt erteilt. Damit ist eine entscheidende Hürde für die Wiederaufnahme dieser für das Bundesland Oberösterreich als essenziell erachteten Verbindung zum globalen Luftverkehrsnetz gefallen.
Die Zustimmung aus Brüssel ermöglicht es dem Land Oberösterreich nun, die europaweite Ausschreibung für den Betrieb der Route offiziell zu starten. Ziel ist es, ein Luftfahrtunternehmen zu finden, das die Strecke wieder regelmäßig und zuverlässig bedient und damit die Anbindung des führenden Industrie- und Exportbundeslandes Österreichs an das internationale Drehkreuz Frankfurt am Main sichert.
Die Wiederherstellung der Flugverbindung nach Frankfurt wird in Oberösterreich parteiübergreifend als ein Akt von höchster wirtschaftspolitischer Priorität betrachtet. Die Unterbrechung dieser Route hatte in den letzten Jahren erhebliche logistische und zeitliche Herausforderungen für die exportorientierte Wirtschaft des Bundeslandes mit sich gebracht. Die Genehmigung der PSO durch die EU-Kommission ist ein formaler, aber fundamental wichtiger Schritt, der es staatlichen Stellen unter klar definierten Auflagen erlaubt, einen Betriebszuschuss zu gewähren, um eine wirtschaftlich nicht ausreichend rentable, aber gesellschaftlich und volkswirtschaftlich notwendige Verkehrsleistung sicherzustellen. Die Fluggesellschaft, die den Zuschlag erhält, muss die Frequenz und Qualität der Verbindung gemäß den Ausschreibungsbestimmungen erbringen.
Frankfurt als Tor zur Welt – Regionale Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Die Bedeutung der Flugverbindung Linz–Frankfurt geht weit über den reinen Personenverkehr hinaus. Frankfurt am Main ist eines der größten und wichtigsten internationalen Luftverkehrsdrehkreuze Europas und dient als essenzieller Knotenpunkt für Geschäftsreisen, den weltweiten Warentransport sowie für interkontinentale Passagierflüge. Landeshauptmann Thomas Stelzer zeigte sich hocherfreut über die Bestätigung aus Brüssel und bezeichnete sie als „starkes Signal für Oberösterreich“. Er betonte, dass der Flughafen Linz eine unverzichtbare Infrastruktur für den Export-, Industrie- und Tourismusstandort des Bundeslandes darstelle. Die direkte Anbindung an ein Drehkreuz wie Frankfurt sei für zahlreiche oberösterreichische Unternehmen von existenzieller Bedeutung, um ihre globalen Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten und auszubauen.
Tatsächlich gehört Oberösterreich zu den wirtschaftsstärksten Regionen Österreichs mit einer überdurchschnittlich hohen Exportquote, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Metallverarbeitung und chemische Industrie. Die schnelle und effiziente Erreichbarkeit internationaler Märkte ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen von zentraler Bedeutung. Die mangelnde Direktverbindung hatte in den vergangenen Monaten zu längeren und komplizierteren Reiseketten geführt, was wiederum Kosten und Zeitaufwand für die Geschäftsreisenden erhöhte. Die PSO-Ausschreibung zielt darauf ab, diese Wettbewerbsnachteile auszugleichen und die regionale Wirtschaft langfristig zu stärken.
Langfristige Verlässlichkeit als oberstes Ziel der Landespolitik
Der breite politische Konsens zur Wiederherstellung der Verbindung unterstreicht die volkswirtschaftliche Relevanz der Route. Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Linz ist, betonte, dass das Ziel eine verlässliche und langfristige Lösung für die Anbindung an das globale Luftverkehrsnetz sei. Er äußerte sich optimistisch, dass Geschäftsreisende und Touristen schon bald wieder direkt von Linz über Frankfurt in die Welt fliegen könnten, vorausgesetzt, die Ausschreibung verläuft nach Plan.
Achleitner richtete jedoch auch einen klaren Appell an die heimische Wirtschaft: „Nun liegt es an der heimischen Wirtschaft, diese Chance aktiv zu nutzen – denn nur bei starker Nachfrage kann die Verbindung langfristig bestehen.“ Diese Aussage verdeutlicht die ökonomische Realität hinter der staatlich gestützten Verpflichtung. Trotz des staatlichen Zuschusses im Rahmen der PSO ist der langfristige Bestand der Verbindung von einer soliden Auslastung abhängig. Sollte die Geschäfts- und Tourismusnachfrage das erwartete Niveau nicht erreichen, könnte die Subventionierung auf Dauer nicht aufrechterhalten werden, was das Ende der Verbindung bedeuten würde. Diese Notwendigkeit der aktiven Nutzung durch die oberösterreichische Wirtschaft wird auch von anderen regionalen Handelskammern und Industrieverbänden regelmäßig betont.
Stärkung des regionalen Tourismus und der Kultur
Auch die Stadt Linz selbst misst der Wiederanbindung höchste Bedeutung bei, insbesondere im Hinblick auf ihre Rolle als Kultur- und Wirtschaftsstandort. Bürgermeister Dietmar Prammer betonte, dass eine direkte internationale Flugverbindung zentral für die Wettbewerbsfähigkeit der Linzer Unternehmen sowie für die Förderung des Tourismus und der kulturellen Vernetzung der Stadt sei. Linz, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einer international ausgerichteten Industrie- und Kulturstadt entwickelt hat, benötigt eine funktionierende Anbindung an den globalen Luftverkehr, um diese Rolle langfristig zu sichern und auszubauen.
Die Anbindung an Frankfurt ermöglicht es kulturellen Institutionen, Geschäftsveranstaltungen und Kongressen in Linz, ein breiteres internationales Publikum zu erreichen. Die Wiederherstellung der Verbindung wird somit nicht nur die Handelsbeziehungen erleichtern, sondern auch den Zustrom von internationalen Besuchern fördern, was wiederum die lokale Dienstleistungsbranche und den Einzelhandel stärkt. Die europäische Metropole Frankfurt, die selbst ein bedeutendes Finanz- und Kulturzentrum ist, dient dabei als Brücke, die sowohl den Geschäftsreiseverkehr als auch den touristischen Austausch zwischen den Regionen belebt.
Beginn der europaweiten Ausschreibung und erwarteter Zeitrahmen
Mit der offiziellen Genehmigung der PSO durch die EU-Kommission kann das Land Oberösterreich nun das europaweite Ausschreibungsverfahren starten. Das Verfahren ist aufgrund der europäischen Regularien komplex und muss transparent und nicht-diskriminierend erfolgen, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Fluggesellschaften aus ganz Europa können sich um den Betrieb der Strecke bewerben, wobei das wirtschaftlichste und technisch überzeugendste Angebot den Zuschlag erhalten wird.
Der gesamte Ausschreibungsprozess, von der Veröffentlichung der Anforderungen bis zur Vertragsunterzeichnung mit dem Bestbieter, kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die politischen Vertreter Oberösterreichs hoffen, dass, wenn alle Schritte planmäßig ablaufen, die Linienflüge zwischen Linz und Frankfurt bereits in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden können. Die erfolgreiche Wiederherstellung dieser Flugverbindung gilt als ein entscheidendes Infrastrukturprojekt für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Bundeslandes.