Der von den Vereinigten Staaten initiierte Handelskrieg hinterläßt offenbar Spuren in der globalen Luftfahrtindustrie. Obwohl der Weltluftfahrtverband IATA (International Air Transport Association) auf seiner Generalversammlung in Neu-Delhi am Montag einen branchenweiten Gewinn von 36 Milliarden US-Dollar (31,7 Milliarden Euro) für das laufende Jahr 2025 prognostizierte, was einem Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, musste die Erwartung für das Passagierwachstum nach unten korrigiert werden.
Laut IATA-Chef Willie Walsh ist es vor allem dem gesunkenen Ölpreis zu verdanken, daß die Auswirkungen des Handelskriegs auf die Profitabilität der Fluggesellschaften begrenzt bleiben. Die Zahl der Fluggäste wird voraussichtlich zwar auf den Rekordwert von 4,99 Milliarden steigen, doch im Dezember hatte der Verband noch mit einem Anstieg auf 5,22 Milliarden Passagiere gerechnet. Diese Reduzierung der Wachstumsprognose um rund 230 Millionen Passagiere deutet auf eine spürbare Verlangsamung des globalen Reiseverkehrs hin.
Unsicherheiten belasten das Verbrauchervertrauen
„Die erste Hälfte des Jahres 2025 hat den Weltmärkten erhebliche Unsicherheiten beschert“, erklärte Walsh. Er führte dies insbesondere auf den von den USA angezettelten Handelskrieg zurück, der das Verbrauchervertrauen weltweit beeinträchtigt habe. Diese Entwicklung dämpft die Reiselust vieler Menschen und schlägt sich somit in einer geringeren Nachfrage nach Flugreisen nieder als ursprünglich erwartet.
Trotz der gedämpften Wachstumserwartungen im Passagierverkehr zeigt sich die IATA hinsichtlich der finanziellen Performance der Branche zuversichtlich. Der prognostizierte Gewinn von 36 Milliarden US-Dollar liegt nur geringfügig unter der Dezember-Schätzung von 36,6 Milliarden US-Dollar. Die Gewinnspanne der Fluggesellschaften dürfte sogar leicht wachsen. Dies ist primär auf die gesunkenen Treibstoffkosten zurückzuführen, da Kerosin einen erheblichen Kostenfaktor für die Airlines darstellt. Der durchschnittliche Preis pro Barrel Rohöl ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken und entlastet somit die Budgets der Fluggesellschaften.
Auswirkungen des Handelskriegs auf die globale Wirtschaft
Der von den USA initiierte Handelskrieg, der durch Zölle und Handelsbeschränkungen gekennzeichnet ist, hat nicht nur Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie. Zahlreiche Wirtschaftsexperten warnen vor negativen Folgen für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum insgesamt. Steigende Zölle können zu höheren Preisen für Konsumgüter führen und die internationale Lieferketten stören. Dies wiederum kann das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen schwächen und somit auch die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Flugreisen beeinträchtigen.
Die IATA betont, daß die Widerstandsfähigkeit der Luftfahrtindustrie angesichts dieser globalen Unsicherheiten bemerkenswert sei. Die gesunkenen Ölpreise wirken als Puffer und gleichen die negativen Auswirkungen des Handelskriegs teilweise aus. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die geopolitische Lage und die Handelskonflikte in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 entwickeln werden und welche weiteren Konsequenzen dies für die Luftfahrt haben könnte. Die IATA wird die Entwicklungen weiterhin genau beobachten und gegebenenfalls ihre Prognosen anpassen.