Boeing 787-8 (Foto: Adrian Pingstone).
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Heftiger Tail Strike bei China Southern Airlines: Sicherheitsfragen zur manuellen Landung

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Am 21. Oktober 2024 erlebte ein China Southern Airlines-Flugzeug, eine Boeing 787-9, beim Landeanflug auf den Guangzhou Baiyun International Airport einen erheblichen Tail Strike. Dieser Vorfall wirft Fragen zur Sicherheit und Genauigkeit manueller Landemanöver auf.

Laut Passagierberichten setzte die Maschine zunächst hart auf, hob wieder kurz ab und schlug dann erneut auf der Landebahn auf. Glücklicherweise blieben Passagiere und Besatzung unverletzt, doch das Flugzeug, mit der Registrierungsnummer B-1243, erlitt deutliche Schäden am unteren Rumpf und an der Struktur des Frachtraums.

Ablauf des Vorfalls: Ein gewagtes Landeexperiment endet dramatisch

Wie lokale Berichte und Informationen des Luftfahrtdatenportals Flightradar24 zeigen, entschied der Copilot des Flugs CZ3534, eine manuelle Landeübung „ohne Führung“ und Navigationshilfen durchzuführen.

Der erfahrene Fluglehrer, der ebenfalls im Cockpit war, genehmigte diesen Versuch angesichts der stabilen Wetterverhältnisse. Während des Anflugs, nachdem der Autopilot deaktiviert worden war, blieb das Flugzeug zunächst stabil. Doch in kritischer Nähe zur Landebahn erhöhte sich die Sinkgeschwindigkeit unerwartet, und trotz kurzfristiger Eingriffe des Fluglehrers konnte ein zu starker Aufprall nicht mehr verhindert werden. Diese Sequenz führte letztlich zum gefährlichen Heckaufprall.

Schäden und ihre Konsequenzen

Nach der Landung meldete das interne Warnsystem des Flugzeugs einen Heckschlag, und die Bodentechniker bestätigten nach Inspektionen Beschädigungen an der unteren Rumpfhaut, darunter Kratzer und einen Riß.

Auch die innere Struktur des Frachtraums wies durch den Aufprall Brüche und Deformationen auf. Diese Schäden, die besonders die Stabilität des Flugzeugs betreffen, sind so umfassend, daß das betroffene Flugzeug bis auf Weiteres außer Betrieb bleibt. Da der Vorfall am Heimatflughafen von China Southern Airlines stattfand, konnte die Wartung jedoch schneller eingeleitet werden, was eine baldige Reparatur ermöglichen dürfte.

Sicherheitstechnische Hintergründe und der seltene, aber riskante Heckaufprall

Tail Strikes  sind eine seltene, aber riskante Art von Flugzeugzwischenfall, die besonders bei großen, langgestreckten Maschinen wie der Boeing 787 auftreten können. Sie ereignen sich, wenn der hintere Teil des Flugzeugs bei Start oder Landung auf den Boden trifft, was zu erheblichen strukturellen Schäden führen kann. Ursachen hierfür sind oft ein übermäßiger Anstellwinkel des Flugzeugs oder eine falsche Trimmung, die zu einer fehlerhaften Neigungssteuerung führen kann. Piloten sind in ihrer Ausbildung und durch kontinuierliche Simulationen darauf vorbereitet, solche Zwischenfälle zu vermeiden. Fortgeschrittene Bordsysteme und Sensoren warnen zusätzlich vor einer zu steilen Rotation und helfen, das Risiko von Heckschlägen zu minimieren.

Allerdings hängt die Sicherheit stark vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik ab. Das manuelle Landemanöver, welches der Copilot in diesem Fall durchgeführt hatte, erforderte äußerste Präzision und Feinsteuerung. Ein automatischer Landeanflug reduziert viele dieser Risiken und wird deshalb für solche Maschinen oft bevorzugt. Dennoch ist das Training manueller Landungen Teil der Pilotenausbildung, um Piloten im Fall technischer Ausfälle auf die alleinige Steuerung vorzubereiten.

Vergleichbare Zwischenfälle und Reaktionen von Behörden

Der Vorfall bei China Southern Airlines ist kein Einzelfall in der chinesischen Luftfahrt: Bereits im Jahr 2020 kam es bei einer Boeing 737-800 von Shanghai Airlines zu einem ähnlichen Zwischenfall. Auch hier wurde das Flugzeugheck stark beschädigt, was eine aufwendige Reparatur und längere Ausfallzeit nach sich zog. Die chinesische Zivilluftfahrtbehörde (CAAC) bestätigte den aktuellen Fall und leitete eine Untersuchung ein, um mögliche Ursachen und präventive Maßnahmen zu ermitteln. Im Rahmen der internationalen Luftfahrtsicherheit wird bei Zwischenfällen dieser Art sorgfältig geprüft, ob Richtlinien zu automatisierten Landungen oder zum Training in manuellen Landeübungen verbessert werden müssen.

Auch international setzen Fluggesellschaften zunehmend auf ausgeklügelte Sicherheitstechnologien und Training, um Risiken beim Starten und Landen zu minimieren. Die Technologie fortgeschrittener Lande- und Stabilisierungssysteme ist besonders in großen und internationalen Maschinen wie der Boeing 787 von Bedeutung, da die potenziellen Kosten eines Heckaufpralls durch die Schadenshöhe, lange Ausfallzeiten und erhöhte Wartungskosten das gesamte Betriebsbudget belasten.

Passagierberichte und Reaktionen der Fluggesellschaft

Die Passagiere an Bord beschrieben die Landung als „ungewöhnlich hart“; einige berichteten, daß sie sich durch den starken Aufprall kurzzeitig schwerelos fühlten, bevor das Flugzeug stabil am Boden aufsetzte. China Southern Airlines hat sich zum Vorfall noch nicht detailliert geäußert, doch die Fluggesellschaft ist bemüht, durch umfassende Inspektionen und gegebenenfalls strukturelle Anpassungen an betroffenen Modellen solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Dies ist auch Teil des hohen Sicherheitsstandards der globalen Luftfahrt, wo Zwischenfälle wie Heckaufpralle durch Modernisierungen und technische Weiterentwicklungen weitgehend vermieden werden.

Der Landevorfall unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Schulungen für Piloten, insbesondere bei risikobehafteten Manövern wie manuellen Landungen ohne Assistenzsysteme. Auch bleibt die Diskussion offen, ob die Anforderungen für manuelle Landemanöver insbesondere bei großen Modellen wie der Boeing 787 verschärft oder standardisierte Assistenzverfahren in diesen Flugphasen weiter forciert werden sollten.

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