Airbus A321neo (Foto: Steffen Lorenz).
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Heftiger Widerstand gegen Wizz Airs Pläne in Israel

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Der Billigflieger Wizz Air strebt die Errichtung einer Basis am Tel Aviver Flughafen Ben Gurion (TLV) an, stößt dabei jedoch auf massiven Widerstand. Die israelischen Fluggesellschaften El Al, Arkia und Israir haben sich vehement gegen dieses Vorhaben ausgesprochen.

Sie sehen in dem Plan eine erhebliche Bedrohung für ihre eigene Existenz und für die nationale Sicherheit Israels. Während das israelische Verkehrsministerium das Vorhaben unterstützt, haben sich die nationale zivile Luftfahrtbehörde und die Fluglinien dagegen ausgesprochen. Dieser Konflikt wirft grundlegende Fragen über den Wettbewerb, die Sicherheit und die strategische Ausrichtung des israelischen Luftfahrtsektors auf.

Sicherheitsbedenken und „gefährlicher Präzedenzfall“

Die Argumente der israelischen Fluggesellschaften gegen die geplante Basis von Wizz Air sind vielschichtig. In einem an die Behörden gerichteten Schreiben, über das zuerst die israelische Nachrichtenseite N12 berichtete, äußerte El Al die Sorge, daß die Errichtung einer Basis durch eine ausländische Billigfluglinie die „nationale Widerstandsfähigkeit“ und die allgemeine Sicherheit des Landes beeinträchtigen könnte. El Al argumentiert, daß Flüge von und nach Israel besonderen Sicherheitsbestimmungen unterliegen. Eine ausländische Fluggesellschaft, die nicht dieselben strengen und kostspieligen Sicherheitsvorkehrungen einhalten müsse, könnte zu weniger strengen Standards führen.

El Al verweist auf die Tatsache, daß die israelischen Fluglinien während vergangener Konflikte als einzige ihre Flüge aufrechterhielten, während ausländische Fluggesellschaften ihre Dienste aussetzten. Dies unterstreicht in ihren Augen die entscheidende Rolle der nationalen Fluggesellschaften für die Aufrechterhaltung der Konnektivität des Landes in Krisenzeiten. Die israelischen Fluggesellschaften betonen, daß die Kosten für diese erhöhten Sicherheitsauflagen von ihnen getragen werden müssen, während ausländische Airlines von diesen Lasten befreit seien.

Die nationalen Fluggesellschaften befürchten zudem, daß die Erlaubnis zur Errichtung einer Wizz-Air-Basis einen „gefährlichen Präzedenzfall“ schaffen könnte. Sie sehen darin die Gefahr, daß weitere ausländische Fluggesellschaften ermutigt werden könnten, dasselbe zu tun. Dies würde zu einem noch härteren Wettbewerb führen und die nationalen Anbieter weiter aus dem Markt drängen. Mit einer Basis in Tel Aviv könnte Wizz Air sein Personal über Nacht stationieren und Flüge zu bevorzugten Zeiten durchführen, was dem Billigflieger einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen würde.

Unterschiedliche Modelle für eine Basis

Die Einzelheiten des Deals sind noch nicht final ausgehandelt. Wie die „Jerusalem Post“ berichtete, stünden zwei Modelle zur Debatte: entweder eine rein operative Basis, bei der Wizz Air unter ihrer eigenen Betriebsgenehmigung (AOC) agiert, oder eine unabhängige Basis, die die Gründung einer israelischen Tochtergesellschaft erfordern würde. Ein solches Vorgehen hätte Ähnlichkeit mit dem Vorgehen von Wizz Air in Abu Dhabi, wenngleich diese Tochtergesellschaft mittlerweile aus betrieblichen Gründen wieder geschlossen wurde.

Die Gründung einer israelischen Tochtergesellschaft würde bedeuten, daß Wizz Air die nationalen behördlichen Standards erfüllen und unter einer israelischen Betriebsgenehmigung fliegen müßte. Berichten zufolge ist Wizz Air eher an einer rein operativen Basis interessiert, wäre aber bei den richtigen Konditionen auch zu einem Kompromiss bereit. Eine rein operative Basis würde die Fluggesellschaft jedoch auf Flüge von Israel zu europäischen Zielen beschränken. Eine unabhängige israelische Tochtergesellschaft hingegen hätte die Freiheit, Flüge auch außerhalb Europas anzubieten. Es wird spekuliert, daß Wizz Air den Ben Gurion Terminal 1 als Operationszentrum anstrebt, da dieser niedrigere Gebühren und Steuern bietet, die zum Geschäftsmodell einer Billigfluggesellschaft passen.

Der Kontext der Luftfahrtpolitik und des Wettbewerbs

Der Streit um die Wizz-Air-Basis in Israel ist ein Spiegelbild des globalen Konflikts zwischen traditionellen nationalen Fluggesellschaften und aufstrebenden Billigfluglinien. Traditionelle Airlines wie El Al sehen sich als strategische nationale Infrastruktur, die nicht nur für den Tourismus und die Wirtschaft, sondern auch für die nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist. Billigfluggesellschaften wie Wizz Air argumentieren, daß sie den Wettbewerb fördern, die Ticketpreise für Verbraucher senken und den Tourismus ankurbeln.

In vielen Ländern haben Billigfluggesellschaften erhebliche Marktanteile erobert und die Luftfahrtlandschaft nachhaltig verändert. Ihre Fähigkeit, kostengünstige Flüge anzubieten, hat das Reisen für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht. Für die traditionellen Fluggesellschaften bedeutet dies jedoch einen enormen Druck, ihre eigenen Kosten zu senken und sich neu zu positionieren. Die Haltung des israelischen Verkehrsministeriums, die dem Wizz-Air-Vorhaben positiv gegenübersteht, deutet darauf hin, daß die Regierung die wirtschaftlichen Vorteile einer größeren Konkurrenz im Luftverkehrsmarkt sieht.

Der Besuch von Wizz Airs CEO Josef Varadi in Israel im nächsten Monat wird voraussichtlich entscheidend sein, um die Einzelheiten des Deals auszuhandeln. Die Opposition der zivilen Luftfahrtbehörde und der nationalen Fluggesellschaften bleibt jedoch eine erhebliche Hürde. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlungen intensiv sein werden und der Ausgang dieser Auseinandersetzung die Zukunft der israelischen Luftfahrt nachhaltig prägen wird.

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