Airbus A330 (Foto: Hifly).
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Hi Fly landet erstmals Airbus A330 in der Antarktis: Ein Meilenstein in der Polarluftfahrt

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Die portugiesische Charterfluggesellschaft Hi Fly hat ein neues Kapitel in ihren Antarktis-Operationen aufgeschlagen und einen weiteren Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte gesetzt: Am 1. Dezember 2025 gelang erstmals die sichere Landung eines Airbus A330 auf der Wolf’s Fang Runway in der Antarktis. Dieser Erfolg folgt nur einen Monat, nachdem die Airline fünf Jahre kontinuierlicher Antarktis-Operationen feierte.

Die erfolgreiche Einführung des zweistrahligen Großraumflugzeugs unterstreicht das Engagement von Hi Fly für operationelle Exzellenz und die Weiterentwicklung der Polarluftfahrt unter extremen Bedingungen. Die Landung wurde von Kapitän Carlos Mirpuri, dem Vize-Vorsitzenden von Hi Fly, persönlich durchgeführt und markiert eine wichtige technologische und logistische Entwicklung, die durch verbesserte Bodenausrüstung vor Ort ermöglicht wurde. Die neue Einsatzfähigkeit des A330 eröffnet in der laufenden Saison 2025/2026 im Rahmen der Partnerschaft mit dem Logistikunternehmen White Desert neue, effizientere Transportmöglichkeiten zum entlegensten Kontinent der Welt.

Die Erstlandung des A330 auf der „Blau-Eis-Landebahn“

Die historische Landung fand am 1. Dezember 2025 um 23:59 Uhr Ortszeit statt. Die eingesetzte Maschine war der Airbus A330-302 mit der Registrierung 9H-HFI, ausgestattet mit General Electric-Triebwerken. Der Flug startete, wie alle Antarktis-Missionen von Hi Fly, in Kapstadt, Südafrika. Als Landepunkt diente die sogenannte Wolf’s Fang Runway, eine Landebahn, die direkt auf einer dicken Schicht aus „blauem Eis“ präpariert wurde. Diese Art von Landebahn, die auf festem Gletschereis liegt, stellt extrem hohe Anforderungen an die Piloten und die Flugzeugsysteme, da die Oberfläche weniger nachgiebig und die Bremsbedingungen unvorhersehbarer sind als auf herkömmlichem Beton oder Asphalt.

Kapitän Carlos Mirpuri, der das Flugzeug auf dem Antarktischen Kontinent sicher zum Stehen brachte, betonte die Einzigartigkeit solcher Flüge: „Die Landung in der Antarktis ist niemals Routine, jeder Flug erfordert sorgfältige Planung, höchste Präzision und Respekt vor den Elementen.“ Der Erfolg des A330 baut auf den Erfahrungen auf, die Hi Fly bereits 2021 gesammelt hatte, als die Airline als erste überhaupt einen Airbus A340 in der Antarktis landete. Dieser vorangegangene Erfolg mit dem vierstrahligen A340, der ebenfalls von Mirpuri gesteuert wurde, legte den Grundstein für die erweiterten Operationen der Fluggesellschaft in der Polarregion.

Technische Machbarkeit und logistische Fortschritte

Die erfolgreiche Einführung des zweistrahligen A330 auf einer Eislandebahn ist ein Indikator für den technologischen Fortschritt und die Verbesserung der Infrastruktur vor Ort. Obwohl der A330 das gleiche Rumpfdesign wie der A340 von Hi Fly aufweist, betreibt er zwei Triebwerke weniger. In der Vergangenheit waren die Fluggesellschaften aufgrund strikter ETOPS-Vorschriften (Extended-range Twin-engine Operational Performance Standards), welche die maximale Flugdauer eines zweistrahligen Flugzeugs von einem geeigneten Ausweichflughafen aus regeln, bei Langstreckenflügen über isolierte Regionen wie die Antarktis zurückhaltend. Die Entscheidung für den A330, der für seine Zuverlässigkeit und Leistung unter extremen Bedingungen bekannt ist, wurde durch eine Reihe logistischer und technischer Entwicklungen ermöglicht.

Ein entscheidender Faktor war die Verfügbarkeit von zusätzlicher Bodenausrüstung an der Wolf’s Fang Runway, die in den Anfangsjahren der Hi Fly-Operationen noch fehlte. Diese erweiterte Unterstützung am Boden ermöglicht es nun, zweistrahlige Flugzeuge sicher und effizient zu betreiben. Darüber hinaus betonte die Fluggesellschaft, dass der A330 eine ausgezeichnete Leistung unter extremen polaren Bedingungen zeigt, was für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Flüge von größter Bedeutung ist. Die kürzere Vorlaufzeit und die schnellere Durchführung der Missionen mit dem A330 führen zu einer effizienteren Nutzung der kurzen arktischen Flugfenster, die durch die Witterungsverhältnisse begrenzt sind. Die Fähigkeit, einen A330 anstelle eines A340 einzusetzen, deutet auf eine Optimierung der Betriebsabläufe hin, da der A330 trotz ähnlicher Kapazität potenziell geringere Betriebskosten aufweist.

Hi Flys Rolle in der Polarluftfahrt und Partnerschaft mit White Desert

Der Flug in die Antarktis ist Teil der laufenden Zusammenarbeit von Hi Fly mit White Desert, einem spezialisierten Logistik- und Tourismusunternehmen, das Touren und Unterstützungsflüge in die Antarktis anbietet. Diese Partnerschaft erstreckt sich über die gesamte Saison 2025/2026. Hi Fly hat sich durch ihre Antarktis-Einsätze als Pionier in der Polarluftfahrt etabliert. Der Fokus auf Großraumflugzeuge ermöglicht den Transport von umfangreichem Material, Personal, Ausrüstung für wissenschaftliche Expeditionen und einer begrenzten Anzahl von Touristen, die bereit sind, die hohen Kosten für dieses exklusive Reiseziel zu tragen.

Der Betrieb in der Antarktis stellt die Luftfahrtindustrie vor einzigartige Herausforderungen. Die Navigation erfordert spezielle Kenntnisse aufgrund der Nähe zu den magnetischen Polen, die Wetterbedingungen sind extrem unvorhersehbar und ändern sich schnell, und es gibt kaum bis keine konventionelle Infrastruktur zur Unterstützung der Operationen. Diese Bedingungen erfordern einen akribischen und vorsichtigen Ansatz, was die Aussage von Kapitän Mirpuri unterstreicht, dass jeder Flug „sorgfältige Planung, höchste Präzision und Respekt“ erfordert. Die erfolgreiche und kontinuierliche Durchführung dieser Operationen seit nunmehr fünf Jahren demonstriert die hohe Expertise und das Vertrauen, das die Airline in die Leistungsfähigkeit ihrer Flugzeuge und die Ausbildung ihrer Besatzungen setzt. Die Nutzung des A330 bedeutet eine Weiterentwicklung dieser operationellen Fähigkeiten, indem eine größere Vielfalt an Flugzeugtypen für diese anspruchsvollen Routen zugelassen wird.

Zukünftige Implikationen und die Entwicklung der Großraumflugzeuge

Der erfolgreiche Einsatz des A330 in der Antarktis hat weitreichende Implikationen für die Zukunft der Langstrecken-Charterflüge in entlegene Gebiete. Es bestätigt, dass moderne zweistrahlige Flugzeuge, unterstützt durch adäquate Bodenausrüstung und strenge ETOPS-Protokolle, zunehmend die Rolle von vierstrahligen Flugzeugen auf anspruchsvollen Routen übernehmen können.

Der A330, der seit seiner Indienststellung in den 1990er Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wurde, gilt als ein Arbeitstier im internationalen Luftverkehr. Die Fähigkeit, den Jet auf dem blauen Eis einzusetzen, erweitert das Einsatzspektrum des Flugzeugs auf globaler Ebene. Hi Fly demonstriert damit nicht nur operative Stärke, sondern setzt auch einen Standard für die Verwendung von Großraumflugzeugen auf unkonventionellen Landebahnen. Der Erfolg mit dem A330 ist ein Beleg für die technologische Reife und die Sicherheit moderner zweistrahliger Großraumflugzeuge und wird voraussichtlich die Diskussion über die Zukunft der Langstreckenflüge in extrem isolierten Regionen weiter beeinflussen.

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