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Höhere Steuern und Gebühren: Deutschland verteuert Flugtickets künstlich

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Die deutsche Luftverkehrsbranche steht angesichts wachsender staatlicher Belastungen vor neuen Herausforderungen. Der Branchenverband BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft) warnt vor den negativen Auswirkungen zusätzlicher Steuern und Gebühren, die im laufenden Jahr auf die Fluggesellschaften zukommen könnten. Diese neuen finanziellen Belastungen erhöhen nicht nur die Betriebskosten der Airlines, sondern könnten auch zu höheren Ticketpreisen für die Passagiere führen. Laut den Berechnungen des BDL kommen 2025 rund 1,2 Milliarden Euro an neuen staatlich verursachten Kosten auf die Branche zu, was die bereits bestehende Abgabenlast von 3,3 Milliarden Euro weiter steigert.

Im Detail setzt sich die neue Belastung aus verschiedenen Quellen zusammen. Bereits jetzt müssen Fluggesellschaften und Flughäfen in Deutschland für eine Vielzahl an Steuern und Gebühren aufkommen. Dazu gehören unter anderem die Luftverkehrsteuer, die Flugsicherungsgebühren, Kosten für Sicherheitskontrollen sowie Gebühren für die Nutzung der Infrastruktur an den Flughäfen. 2025 kommen nun zusätzlich durch die Erhöhung der Luftverkehrssteuer, steigende Flugsicherungsgebühren aufgrund von Corona-Altlasten und die verpflichtende Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe 1,2 Milliarden Euro an neuen Kosten hinzu.

„Bei jedem Start von einem deutschen Flughafen kommen rund 30 Euro an staatlich verursachten Kosten pro Ticket hinzu. Diese müssen selbstverständlich an die Passagiere weitergegeben werden“, erklärt Jens Bischof, Präsident des BDL und CEO der Fluggesellschaft Eurowings. Die hohen staatlichen Lasten auf die Luftfahrtbranche in Deutschland könnten nicht nur den Flugpreis steigen lassen, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland beeinträchtigen.

Kritik an der Politik: Dringender Handlungsbedarf

Die deutsche Luftverkehrsbranche fordert von der künftigen Bundesregierung dringend Maßnahmen zur Senkung der Standortkosten. Insbesondere eine Rücknahme der im vergangenen Jahr erhöhten Luftverkehrsteuer sowie ein Verzicht auf die ab 2026 geplante nationale Beimischungsquote für E-Kerosin werden als entscheidende Schritte angesehen, um den Standort Deutschland international wettbewerbsfähig zu halten. „Wenn wir neues Wachstum im Luftverkehr erzielen wollen, müssen die politischen Rahmenbedingungen dringend angepasst werden“, betont Bischof.

Der Verband weist darauf hin, dass der hohe Steuerdruck ein wesentlicher Grund dafür sei, dass die Erholung des Luftverkehrs in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern langsamer verläuft. So liegt das gesamte Luftverkehrsangebot an deutschen Flughäfen derzeit bei etwa 86 Prozent des Vor-Corona-Niveaus, während der europäische Markt insgesamt bereits auf 104 Prozent des Vorkrisenniveaus gestiegen ist. Auch für den Sommer 2025 wird in Deutschland nur eine Erholung von 91 Prozent erwartet, während die europäischen Flughäfen ein Plus von 109 Prozent erzielen könnten.

Die Auswirkungen auf die Konnektivität: Inlandsflüge und Direktverbindungen betroffen

Ein besonders besorgniserregender Trend ist die sinkende Zahl an Inlandsflügen und Direktverbindungen. Gerade die sogenannten Billigflieger haben sich in Deutschland nach dem Ende der Corona-Krise nicht so schnell erholt wie in vielen anderen Ländern. Die Fluggesellschaften reagieren auf die steigenden Kosten mit einer Reduktion des Angebots. Besonders auffällig ist dies bei Lufthansa, der größten deutschen Airline, die am Flughafen Frankfurt operiert. Der Flughafenbetreiber Fraport gab bekannt, dass die Zahl der abgefertigten Passagiere im Januar 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent gesenkt wurde. Der Rückgang wird auf das reduzierte Angebot von Lufthansa zurückgeführt, die durch die hohen Kosten gezwungen ist, ihre Kapazitäten zu drosseln.

Ein weiteres Problem ist, dass ausländische Airlines zunehmend den deutschen Markt meiden. In den letzten Jahren haben viele europäische Fluggesellschaften ihre Verbindungen zu deutschen Flughäfen verringert oder sogar ganz gestrichen, da die Kosten für den Betrieb in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu hoch erscheinen.

Luftverkehr in Europa boomt – aber nicht in Deutschland

Der Luftverkehr in Europa hat sich nach der Corona-Pandemie weitgehend erholt. Im Jahr 2024 wurden in Europa so viele Flüge wie nie zuvor durchgeführt, während die Zahl der Passagiere in Deutschland noch immer hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der BDL macht die hohe Steuerbelastung für diese schwache Erholung verantwortlich. Auch wenn sich die Zahlen im Sommer 2025 auf 91 Prozent des Vor-Corona-Niveaus steigern sollen, wird der Abstand zu anderen europäischen Ländern weiterhin bestehen bleiben.

Die Situation wird zunehmend kritisch, da das Wachstumspotential des deutschen Marktes durch die hohen Belastungen und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zunehmend eingeschränkt wird. In anderen europäischen Ländern setzen die Regierungen auf günstigere Bedingungen für den Luftverkehr, um das Wachstum der Branche zu fördern, während in Deutschland die Politik weiterhin auf eine starke steuerliche Belastung setzt.

Ein schwieriger Ausblick für die Luftverkehrsbranche

Die Luftverkehrsbranche in Deutschland steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Die steigenden staatlichen Lasten und die hohe Steuerbelastung stellen erhebliche Hindernisse für eine schnelle Erholung und weiteres Wachstum dar. Besonders problematisch ist, dass deutsche Flughäfen im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und immer mehr Airlines den deutschen Markt meiden.

Um die Luftfahrt in Deutschland zu retten und neue Wachstumsimpulse zu setzen, ist es daher dringend notwendig, die politischen Rahmenbedingungen zu überdenken und die hohen staatlichen Lasten für den Luftverkehr zu senken.

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