Hongkong International Airport (Foto: Wylkie Chan).
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Hongkong: Neue Luftverkehrsabkommen mit sieben Staaten sollen Kapazitäten des Drei-Pistensystems nutzen

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Die Sonderverwaltungszone Hongkong treibt ihre strategische Positionierung als internationales Luftfahrtzentrum voran. Durch die Unterzeichnung neuer Luftverkehrsabkommen mit sieben Ländern, mehrheitlich aus Lateinamerika, erweitert die Regierung gezielt ihr globales Netzwerk. Ziel ist es, die erhöhten Kapazitäten des kürzlich fertiggestellten Drei-Start- und Landebahnsystems des Hong Kong International Airport (HKIA) optimal auszunutzen und die Wirtschaft, den Handel sowie den Tourismus zu stärken.

Mable Chan, Hongkongs Staatssekretärin für Transport und Logistik, gab am Dienstag auf der Eröffnung der Fachkonferenz Airspace Asia-Pacific 2025 bekannt, dass in den letzten zwei Monaten Abkommen mit Chile, Argentinien, Ecuador, Peru und Kuba in Lateinamerika sowie mit Polen in Europa und Togo in Westafrika geschlossen wurden. Diese neuen Vereinbarungen ergänzen die über zehn bereits in den letzten zwei Jahren gesicherten Abkommen.

Chan betonte, dass viele dieser neuen Destinationen eine strategische Bedeutung im Rahmen der chinesischen „Belt and Road Initiative“ (Neue Seidenstraße) besäßen. „Nachdem wir unser Doppel- in ein Drei-Start- und Landebahnsystem umgewandelt haben, beschleunigen wir den Ausbau des Luftverkehrsnetzes“, erklärte Chan. „Wir hoffen, unsere Fluganbindung auszuweiten, um unsere Wirtschafts- und Tourismussparten im Umgang mit all diesen Ländern zu unterstützen.“

Strategische Investitionen als Schlüssel zur Risikominderung

Vivian Cheung Kar-fay, CEO der Hong Kong Airport Authority, hob auf dem International Business Summit 2025 der Hong Kong General Chamber of Commerce die Bedeutung kontinuierlicher Investitionen zur Risikominderung in einem unsicheren Geschäftsumfeld hervor. Cheung identifizierte drei Hauptschwierigkeiten, die die rasche Erholung Hongkongs als Luftverkehrsdrehkreuz nach der Covid-Pandemie behindern: geopolitische Spannungen, Störungen in den globalen Lieferketten und die zunehmende Konkurrenz durch regionale Rivalen.

Als Antwort auf diese Herausforderungen setzt die Flughafenbehörde auf umfangreiche Entwicklungsprojekte. Cheung verwies auf das bereits abgeschlossene Drei-Start- und Landebahnsystem, in das die Behörde kürzlich 141,5 Milliarden Hongkong-Dollar (umgerechnet etwa 18,2 Milliarden US-Dollar) investierte, und betonte, dass man „dort nicht aufhören“ werde. Man treibe das Entwicklungszentrum „Skytopia“ voran, ein Projekt im Wert von 100 Milliarden Hongkong-Dollar (etwa 12,9 Milliarden US-Dollar). „Ein wichtiger Aspekt ist die Fortsetzung der Investitionen, besonders bei einem Flughafen wie diesem“, so Cheung.

Das 100-Milliarden-Dollar-Projekt „Skytopia“

Das ambitionierte „Skytopia“-Projekt soll den Flughafen weit über seine primäre Funktion als Verkehrsknotenpunkt hinaus erweitern und Hongkong als umfassendes Geschäftszentrum und Reiseziel aufwerten. Die Airport Authority plant, 30 Milliarden Hongkong-Dollar des Projekts selbst zu finanzieren, während die restlichen 70 Milliarden Hongkong-Dollar durch den privaten Sektor aufgebracht werden sollen.

Skytopia sieht eine Reihe von Freizeiteinrichtungen und kommerziellen Entwicklungen vor:

  • Ein Kunstzentrum (Arts Hub).
  • Eine Marina mit 600 Liegeplätzen für Yachten.
  • Die größte Wassererholungszone der Stadt.
  • Ein sogenannter „Jet Fresh Market“, der in Anlehnung an den legendären Tsukiji-Fischmarkt in Tokio als Umschlagplatz für frische und schnell gelieferte Waren dienen soll.
  • Die Entwicklung Skycity, die Hotels, Büroflächen und umfangreiche kommerzielle Räumlichkeiten umfassen wird.

Diese Erweiterungen sind darauf ausgerichtet, die Attraktivität des Flughafens für internationale Besucher und Unternehmen zu steigern und somit die Einnahmebasis des Hubs zu diversifizieren.

Geopolitische Spannungen und regionale Konkurrenz

Die Erholung und zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Hongkongs werden laut Cheung massiv von externen Faktoren beeinflusst. Zu den geopolitischen Spannungen zählte sie den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, welche die globale Geschäftsdynamik empfindlich stören.

Ein weiterer kritischer Punkt sind die Störungen in den globalen Lieferketten, die zu Verzögerungen bei Flugzeuglieferungen führen. Dies behindert die Fluggesellschaften bei der geplanten Flottenerweiterung und erschwert die volle Ausnutzung der neuen Kapazitäten des HKIA.

Die dritte große Herausforderung ist die Zunahme der regionalen Konkurrenz. Cheung verwies explizit auf Rivalen wie Singapur (Changi Airport), Taipeh, Tokio und Seoul, die ihre jeweiligen Luftverkehrszentren ebenfalls aggressiv ausbauen und modernisieren. Im Kampf um Marktanteile und internationale Flugverbindungen muss Hongkong seine traditionellen Vorteile neu beweisen und ausspielen.

Der Ruf nach Deregulierung und Offenheit

Um diesen Risiken zu begegnen und die Erholung zu beschleunigen, forderte Cheung von der Regierung eine Lockerung der politischen Beschränkungen und eine aktivere Kommunikation der „wahren aktuellen Situation“ der Stadt an die internationale Gemeinschaft.

Cheung argumentierte, dass Hongkong in den vergangenen 30 bis 40 Jahren in einer „sehr komfortablen“ Position gewesen sei und sich auf „alte Richtlinien“ verlassen habe, die gut funktionierten. Angesichts der aktuellen Herausforderungen sei es jedoch notwendig, „sich zu öffnen“. Dies impliziert die Notwendigkeit einer Anpassung der regulatorischen und administrativen Rahmenbedingungen, um internationale Unternehmen und Talente effektiver anzuziehen.

Trotz der genannten Herausforderungen sieht Cheung weiterhin große Chancen für Hongkong. Sie nannte den Status der Stadt als Freihandelshafen als entscheidenden Vorteil, den die Airport Authority gezielt bewirbt, um Fluggesellschaften und Geschäftspartner anzuziehen. Die Kombination aus massiven Infrastrukturinvestitionen und einer strategischen Ausweitung der Luftverkehrsrechte soll die Grundlage für die langfristige Führungsposition Hongkongs in der Region legen.

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