Die aktuelle wirtschaftliche Situation der Hotellerie in Oberösterreich ist von einer zunehmenden Diskrepanz zwischen steigenden Betriebskosten und sinkenden Margen geprägt.
Eine Mitgliederbefragung der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) unterstreicht die angespannte Lage: Während die Buchungslage über die Feiertage stabil erscheint, blicken 44 Prozent der Betriebe mit Sorge auf die kommenden Monate und rechnen mit rückläufigen Ergebnissen. Sophie Schick, ÖHV-Landesvorsitzende und Vizepräsidentin, warnt vor einer gefährlichen Kombination aus Kostendruck und einem veränderten Konsumverhalten der Gäste. Demnach sparen rund 50 Prozent der Urlauber bei der Verpflegung vor Ort, verkürzen ihre Aufenthaltsdauer oder weichen auf günstigere Zimmerkategorien aus.
Ein zentraler Kritikpunkt der Branche richtet sich gegen die bürokratischen Hürden und die mangelnde Standortattraktivität. Schick fordert eine umfassende Reform der Genehmigungsverfahren für Betriebsanlagen, um den administrativen Aufwand für die Hotels drastisch zu reduzieren. Zudem wirkt sich die wirtschaftliche Unsicherheit negativ auf die Investitionsbereitschaft aus: Fast die Hälfte der befragten Hotelbetreiber plant, die Investitionen im kommenden Jahr zu senken. Da Hotels laut Wertschöpfungsstudien des Wirtschaftsministeriums einen Großteil ihrer Aufträge im regionalen Umkreis vergeben, droht hier ein negativer Multiplikatoreffekt für die gesamte oberösterreichische Wirtschaft und das lokale Handwerk.
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch die angespannte Lage am Flughafen Linz. Die vorübergehende Streichung der Flugverbindung nach Frankfurt am Main wird von 40 Prozent der Hoteliers als deutliche Belastung wahrgenommen, da insbesondere zahlungskräftige Kongressgäste auf diese Anbindung angewiesen sind. Der aktuelle Bericht des Landesrechnungshofs belegt einen massiven Rückgang der Passagierzahlen von 436.000 im Jahr 2019 auf zuletzt etwa 181.000 Fluggäste. Experten fordern daher eine Neuausrichtung der Flughafenstrategie und eine stärkere Einbindung privater Investoren, um die für die Rentabilität erforderliche Marke von 500.000 Passagieren wieder zu erreichen. Erst mit dem Sommerflugplan 2026 ist eine Wiederaufnahme wichtiger Hub-Verbindungen vorgesehen, was für viele Betriebe zu spät kommt.
Neben der Fluganbindung gerät auch die allgemeine Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs in die Kritik. Nur ein Bruchteil der Hotelbetreiber zeigt sich mit der aktuellen Anbindung zufrieden, während über die Hälfte die Erreichbarkeit als unzureichend einstuft. Für den anstehenden Hotelkongress 2026 in Linz, zu dem rund 700 Teilnehmer erwartet werden, wird eine Qualitäts- und Investitionsoffensive im Transportwesen gefordert. Die Branche appelliert an Bund und Land, den Tourismus als Lebensader der regionalen Wirtschaft durch gezielte Förderungen und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur abzusichern, um Österreich international wettbewerbsfähig zu halten.