Die Verfügbarkeit und vor allem die Sauberkeit öffentlicher Toiletten stellen in vielen europäischen Großstädten eine wachsende Herausforderung dar, die sowohl Touristen als auch Einheimische betrifft. Angesichts der Tatsache, dass Millionen von Reisenden jährlich europäische Metropolen besuchen, wird die Suche nach einer hygienischen öffentlichen Sanitäreinrichtung zunehmend zu einem Problem.
Eine aktuelle Untersuchung hat nun auf Basis von über 19.000 Google-Bewertungen europäische Städte mit den schlechtesten Hygienestandards bei öffentlichen Toiletten identifiziert. Die Ergebnisse zeigen gravierende Mängel in einigen der meistbesuchten Hauptstädte des Kontinents, wobei Brüssel als Spitzenreiter der Negativliste hervorgeht. Die Erkenntnisse werfen ein Schlaglicht auf die kritische Infrastrukturlücke im europäischen Städtetourismus.
Brüssel führt Negativ-Ranking an
Die Untersuchung, die von Showers to You durchgeführt wurde und eine breite Datenbasis an Nutzerrezensionen analysierte, positioniert Brüssel als die europäische Stadt mit den unsaubersten öffentlichen Toiletten. Die Hauptstadt Belgiens erreicht auf dem ermittelten Schmutzigkeitsindex, der anhand der Häufigkeit synonym für „schmutzig“ verwendeter Schlüsselwörter in den Bewertungen normalisiert wurde, einen Wert von 9,71 von 10.
Die Ergebnisse sind alarmierend: Mehr als jeder fünfte Nutzerbericht (22,1 Prozent) enthielt Begriffe, die auf mangelnde Sauberkeit, üble Gerüche oder einen allgemein vernachlässigten Zustand hinwiesen. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von lediglich 3,4 von 5 Punkten liegt Brüssel deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 3,7. Die Situation wird durch die eingeschränkte Zugänglichkeit zusätzlich verschärft. Berichten zufolge verfügt Brüssel über weniger als fünf öffentlich finanzierte Toiletten pro 100.000 Einwohner, was eine der niedrigsten Raten in Europa darstellt. Diese Kombination aus geringer Verfügbarkeit und mangelhafter Instandhaltung stellt die belgische Metropole vor immense infrastrukturelle Probleme.
Die schmutzigsten Toiletten Europas
| Rang | Standort | Prozentsatz der Bewertungen, die das Wort „schmutzig“ enthalten | Normalisierte „schmutzige“ Bewertungen | Durchschnittliche Toilettenbewertung (5/5) | Sauberkeitsbewertung /10 |
| 1. | Brüssel, Belgien | 22.1 | 10.0 | 3.4 | 9,71 |
| 2. | Stockholm, Schweden | 19,5 | 8,7 | 3.0 | 9.41 |
| 3. | Riga, Lettland | 17.1 | 7.6 | 3.6 | 9.12 |
| 4. | Valletta, Malta | 13.6 | 5.9 | 2.7 | 8,82 |
| 5. | Berlin, Deutschland | 14.9 | 6,5 | 3.1 | 8,53 |
| 6. | Paris, Frankreich | 12.7 | 5,5 | 3.2 | 8.24 |
| 7. | Oslo, Norwegen | 12.1 | 5.2 | 3.4 | 7,94 |
| 8. | Amsterdam, Niederlande | 12.4 | 5.3 | 3.6 | 7,65 |
| 9. | Madrid, Spanien | 10.2 | 4.3 | 3.4 | 7,35 |
| 10. | Rom, Italien | 9.4 | 3.9 | 3.2 | 7.06 |
| 15. | London, Vereinigtes Königreich | 9.2 | 3.8 | 3.7 | 5,59 |
Schweden und Lettland mit Hygieneherausforderungen
Auf dem zweiten Platz der Negativliste folgt Stockholm, die Hauptstadt Schwedens, mit einem Schmutzigkeitsgrad von 9,41 von 10. Fast 20 Prozent der Nutzerrezensionen für öffentliche Toiletten in Stockholm enthielten negative Schlüsselwörter. Die Durchschnittsbewertung von 3 von 5 Punkten gehört zu den schlechtesten in der gesamten Analyse. Angesichts der Tatsache, dass Stockholm jährlich fast neun Millionen Touristen empfängt, führt die hohe tägliche Beanspruchung der begrenzten öffentlichen Einrichtungen zu ständigen Hygieneproblemen. Die Praxis, eine geringe Gebühr (etwa 5 bis 10 schwedische Kronen) für die Nutzung zu erheben, ist in Schweden verbreitet, was sich auf die Akzeptanz und damit möglicherweise auf die Verfügbarkeit auswirkt.
Dicht dahinter auf Platz drei rangiert Riga, die Hauptstadt Lettlands, mit einem Schmutzigkeitswert von 9,12 von 10. Rund 17 Prozent der Bewertungen beschreiben die öffentlichen Toiletten als „schmutzig“ oder „verkommen“. Obwohl die lettische Hauptstadt im vergangenen Jahr über 1,1 Millionen internationale Touristen begrüßte – eine deutlich geringere Zahl als in westeuropäischen Metropolen –, wird die Belastung der begrenzten und oft vernachlässigten öffentlichen Sanitäreinrichtungen offensichtlich.
Metropolen kämpfen mit Masse an Bewertungen und Nutzungsfrequenz
Auch global bekannte Großstädte wie Paris, Berlin und Rom sind von dem Problem betroffen und belegen Plätze im oberen Bereich des Schmutzigkeits-Rankings. Paris, das mit 2.497 analysierten Bewertungen die höchste absolute Anzahl an Nutzerfeedback generierte, belegt Platz sechs. 12,7 Prozent dieser Bewertungen enthielten negative Hygienehinweise.
Die hohe Frequentierung dieser Einrichtungen ist ein Schlüsselfaktor für die rapide Ausbreitung von Bakterien und die schnelle Verschlechterung des Zustands. In Paris nutzen jährlich rund 15 Millionen Menschen bestimmte stark frequentierte öffentliche Einrichtungen, was die Instandhaltung zu einer logistischen und finanziellen Mammutaufgabe macht. Die Nutzergewohnheiten spiegeln diese Sorgen wider: Über 75 Prozent der Menschen nutzen öffentliche Toiletten nur im äußersten Notfall, wobei Hygienebedenken die Hauptursache sind.
Rom, das mit einem historischen Touristenrekord von 51,4 Millionen Besuchern im Jahr 2024 eine enorme Belastung seiner Infrastruktur erlebte, findet sich auf Platz zehn des Rankings (Schmutzigkeitsgrad 7,06/10). Obwohl nur 9,4 Prozent der Bewertungen auf Mängel hinwiesen, verdeutlicht die durchschnittliche Bewertung von 3,2 von 5 Punkten die anhaltenden Probleme mit der Instandhaltung. Rom versucht, die Situation über ein System offizieller „p-stop“-Toiletten, für die eine geringe Gebühr erhoben wird, zu steuern.
Die Kosten der Instandhaltung und der Wert des Zugangs
Die Studie unterstreicht ein grundlegendes Problem im urbanen Management. Die Bereitstellung und Instandhaltung von öffentlichen Toiletten ist kostspielig und wird in vielen Kommunen oft als nachrangig betrachtet. Die Berichte, wonach einige europäische Länder insgesamt nur über eine Handvoll öffentlich finanzierter Toiletten verfügen, verdeutlichen das Ausmaß der Unterinvestition. In Großbritannien beispielsweise, wo allein im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Briten einen Kurzurlaub während der Feiertage planten, wird der Mangel an öffentlichen Sanitäreinrichtungen von Reisenden häufig beklagt.
Der Mangel und die mangelhafte Hygiene wirken sich direkt auf die Reiseerfahrung und die öffentliche Gesundheit aus. Die zunehmende Digitalisierung des Feedbacks über Plattformen wie Google ermöglicht es nun, diese Mängel transparent zu quantifizieren. Die Erkenntnisse dienen den Stadtverwaltungen als dringlicher Hinweis, die Investitionen in die sanitäre Infrastruktur zu erhöhen.
Interessanterweise belegt Vilnius in Litauen den Titel für die saubersten öffentlichen Toiletten, mit einer Sauberkeitsbewertung von 9,71/10. Dies beweist, dass eine effektive Verwaltung und Instandhaltung auch in städtischen Umgebungen möglich ist. Experten sehen die Lösung in einer Kombination aus besserer kommunaler Finanzierung, möglicherweise über Gebührenmodelle wie das „p-stop“-System, und dem Einsatz moderner, vandalismusresistenter Einrichtungen, um die notwendige Hygiene für die wöchentlich Tausenden von Nutzern aufrechtzuerhalten.