Eine gemeinsame Marktstudie des Luftfahrtverbands IATA, des Flugzeugbauers Airbus und der Unternehmensberatung Accenture bescheinigt dem Markt für Zertifikate über verfahrenstechnische Attribute im Flugverkehr ein deutliches Wachstumspotenzial bis zum Jahr 2030.
Dem am 14. Oktober 2026 beim IATA World Sustainability Symposium in Brüssel vorgelegten Bericht zufolge könnten Unternehmenskäufe im Bereich der Geschäftstätigkeit und Frachtlogistik ein Nachfragevolumen von 1,0 bis 1,9 Millionen Tonnen alternativer Treibstoffe stützen. Im Vergleich zu den für das Jahr 2024 geschätzten 323.000 Tonnen entspräche dies nahezu einer Versechsfachung der Abnahmemengen durch Drittunternehmen.
Derzeit bremsten unklare Bilanzierungsregeln, hohe Einstandspreise sowie komplexe Beschaffungswege die Breitenanwendung bei Unternehmen außerhalb des unmittelbaren Flugbetriebs. Weltweit wird die Jahresproduktion alternativer Treibstoffe für 2026 auf rund 2,4 Millionen Tonnen geschätzt, was einem Anteil von etwa 0,8 Prozent am gesamten Kerosinverbrauch der Luftfahrt entspricht. Die Einstandskosten liegen weiterhin um das Zweifache bis Dreifache über dem Niveau konventioneller fossiler Treibstoffe. Durch die finanzielle Beteiligung von Unternehmen beim Erwerb von Emissionsminderungszertifikaten soll die Kostenlast der Fluggesellschaften auf breitere Schultern in der Wertschöpfungskette verteilt werden.
Für eine Verankerung im Markt empfiehlt die Studie den Aufbau verlässlicher Erfassungssysteme nach dem Book-and-Claim-Prinzip. Dieses Verfahren ermöglicht es Unternehmenskunden, bilanzielle Emissionsreduktionen für ihre Reise- und Transportbilanzen geltend zu machen, unabhängig vom physischen Betankungsort des Flugzeugs. Als vordringliche Aufgaben nennen die Verfasser die Harmonisierung internationaler Rechnungslegungsstandards, die Einführung fälschungssicherer Register zur Vermeidung von Doppelzählungen sowie die Vereinfachung von Einkaufsverträgen durch niedrigere Mindestabnahmemengen und transparente Preisstrukturen.
Luftfahrtanalysten weisen darauf hin, dass die rein freiwillige Nachfrage von Unternehmenskunden den erforderlichen Kapazitätsaufbau bei der Produktion nicht allein finanzieren kann. Um die angestrebten Mengenausweitungen zu erreichen, bleiben verbindliche Quotevorgaben der Gesetzgeber, gezielte Investitionsanreize für Raffineriestandorte sowie ein massiver Ausbau der Rohstoffinfrastruktur unverzichtbare Voraussetzungen für den gesamten Sektor.