Der internationale Luftfahrtverband IATA (International Air Transport Association) rechnet für das laufende Jahr 2026 mit einer globalen Produktionsmenge von rund 2,4 Millionen Tonnen bei alternativen, synthetischen Flugkraftstoffen. Laut den aktuellen Berechnungen entspricht dieses Volumen lediglich einem Anteil von 0,8 Prozent am gesamten weltweiten Treibstoffverbrauch der zivilen Luftfahrt.
Trotz dieses geringen Marktanteils belasten die enormen Preisdifferenzen zu herkömmlichem Kerosin die Bilanzen der Fluggesellschaften im Jahr 2026 mit prognostizierten Zusatzkosten in Höhe von rund 4,3 Milliarden US-Dollar. IATA-Generaldirektor Willie Walsh kritisierte in diesem Zusammenhang eine ineffektive und unkoordinierte Politik zahlreicher Regierungen sowie ein mangelndes Investitionsinteresse der großen internationalen Ölkonzerne.
Um den Ausbau und die Verfügbarkeit von alternativen Kraftstoffen zu beschleunigen, fordert der Verband eine strategische Neuausrichtung in vier Kernbereichen. Dazu gehören die massive Ausweitung der Produktion erneuerbarer Energien zur Absicherung von Rohstoffen, ein offener und diskriminierungsfreier Zugang zur bestehenden Transport- und Flughafen-Infrastruktur sowie verlässliche staatliche Produktionsanreize. Zudem plädiert die IATA für die Etablierung eines globalen Marktes auf Basis eines einheitlichen Buchungs- und Abrechnungssystems. Dadurch soll es Fluggesellschaften ermöglicht werden, entsprechende Kraftstoffzertifikate unabhängig vom physischen Standort der jeweiligen Produktionsstätten zu erwerben und harmonisierte Standards im internationalen Wettbewerb zu sichern.
Besonders kritisch bewertet der Verband die gesetzlichen Zielvorgaben für strombasiertes Kerosin, sogenanntes e-SAF (Elektro-SAF), das mittels Power-to-Liquid-Verfahren aus Wasserstoff und Kohlendioxid gewonnen wird. Die Europäische Union und Großbritannien haben für das Jahr 2030 eine verbindliche Produktionsquote von rund 0,6 Millionen Tonnen vorgeschrieben. Demgegenüber steht eine aktuell weltweit verfügbare oder im Bau befindliche Kapazität von lediglich 0,02 Millionen Tonnen, wobei global erst eine einzige Großanlage kommerziell arbeitet. Laut Marie Owens Thomsen, Chefökonomin der IATA, sind die europäischen Vorgaben für 2030 realitätsfern, da für die Zielerreichung mindestens 20 Raffinerien im industriellen Maßstab fehlten und im vergangenen Jahr keine neuen Investitionsentscheidungen für solche e-SAF-Anlagen getroffen wurden.
Fluggesellschaften drohen bei einer Nichterfüllung der Quoten drastische Strafzahlungen, was nach Ansicht des Verbandes finanzielle Ressourcen bindet und die Ticketpreise künstlich in die Höhe treibt. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle IATA-Passagierumfrage vom April 2026, dass eine breite Mehrheit der Reisenden den technologischen Wandel im Luftverkehr unterstützt. Rund zwei Drittel der befragten Passagiere gaben an, bereit zu sein, höhere Ticketpreise zu akzeptieren, sofern die zusätzlichen Einnahmen direkt in die Entwicklung neuer Antriebstechnologien oder die Beschaffung alternativer Kraftstoffe fließen. Die Verbraucher bevorzugen dabei primär technologische Lösungen anstelle von staatlichen Lenkungssteuern, die den Flugverkehr lediglich verteuern, ohne die Produktionskapazitäten am Markt real zu erhöhen.