Die isländische Fluggesellschaft Icelandair hat ihre Flugzeugflotte um ein neues Mustermodell ergänzt. Wie das Branchenportal CH-Aviation berichtet, wurde erstmals ein Flugzeug des Typs Airbus A320-200 in den aktiven Dienst übernommen.
Die elf Jahre alte Maschine mit dem Luftfahrzeugkennzeichen TF-IAT stand zuvor im Dienst der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air und wurde von der Eigentümergesellschaft IAT Leasing angemietet. Nach Abschluss notwendiger Wartungsarbeiten im tschechischen Ostrava erfolgte am 7. Juni 2026 die Überführung zum Heimatflughafen Keflavík bei Reykjavík. Der erste kommerzielle Linieneinsatz des Flugzeugs fand am 12. Juni 2026 auf der Flugverbindung nach Frankfurt am Main statt.
Die kurzfristige Einflottung dieses Flugzeugtyps wirft in der Fachwelt Fragen auf, da Icelandair im Kurz- und Mittelstreckenbereich traditionell eine reine Boeing-Flotte betreibt. Das Unternehmen hat sich auf eine entsprechende Anfrage zu den betrieblichen Hintergründen bislang nicht offiziell geäußert. Der aktuelle Flugzeugpark des isländischen Anbieters umfasst neben den älteren Modellen der Typen Boeing 757-200 und 767-300ER vor allem 17 Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 sowie vier Einheiten der größeren Variante 737 Max 9. Branchenexperten vermuten, dass das Airbus-Leasinggeschäft als kurzfristige Kapazitätsabsicherung (ACMI) für die laufende Sommerreisesaison dient, um potenzielle Ausfälle oder Lieferverzögerungen bei anderen Flottenptrodukten abzufedern.
Der parallele Betrieb von Boeing- und Airbus-Mustern auf der Kurzstrecke gilt in der Luftfahrtindustrie aufgrund der doppelten Vorhaltung bei der Wartung, Ersatzteillogistik und den getrennten Pilotenlizenzen als kostenintensiv. Icelandair befindet sich jedoch in einer längerfristigen Übergangsphase. Bereits im Jahr 2023 unterzeichnete die Fluggesellschaft Verträge über die Beschaffung von Airbus-Neugeräten der moderneren A321neo-Familie, um die alternden Boeing-757-Modelle schrittweise zu ersetzen. Durch den jetzigen, vorgezogenen Einsatz des älteren A320-Modells muss das Unternehmen die Schulung des Kabinenpersonals und die Anpassung der Bodenabfertigungsprozesse an die Airbus-Spezifikationen unter erheblichem Zeitdruck im laufenden Betrieb realisieren.
Wirtschaftsbeobachter betrachten das Vorgehen daher als Beleg für den anhaltenden Druck auf dem nordatlantischen Luftverkehrsmarkt. Das Geschäftsmodell von Icelandair basiert auf der logistischen Verknüpfung von Umsteigeverbindungen zwischen Europa und Nordamerika über das Drehkreuz Keflavík. In der nachfragestarken Sommerperiode führen Flugzeugengpässe sofort zu erheblichen Einnahmeverlusten und Buchungsumleitungen an die Konkurrenz. Die Anmietung eines elf Jahre alten, marktverfügbaren Airbus-Flugzeugs zeigt, dass die Airline betriebliche Ineffizienzen und höhere Betriebskosten in Kauf nimmt, um das angekündigte Flugprogramm im europäischen Netz stabil zu halten.