Boeing 757-200 (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
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Icelandair zieht den Abschied von der Boeing 757 überraschend auf diesen Winter vor

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Die isländische Fluggesellschaft Icelandair leitet das vorzeitige Ende eines der prägendsten Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte ein. Wie das Management des nordatlantischen Carriers überraschend bekannt gab, wird die traditionsreiche Flotte von Verkehrsflugzeugen des Typs Boeing 757 deutlich früher als ursprünglich geplant vollständig außer Dienst gestellt. War bislang ein Weiterbetrieb bis zum Ende des Sommerflugplans 2027 vorgesehen, sollen die verbleibenden Maschinen nun bereits im Laufe des kommenden Winters die Flotte verlassen.

Als Hauptgrund für diese drastische Beschleunigung des Ausflottungsprozesses nennt die Fluggesellschaft den anhaltend hohen Druck durch die volatilen Kerosinpreise auf dem Weltmarkt, welche die variablen Betriebskosten der alternden Triebwerksgenerationen in unwirtschaftliche Höhen treiben. Mit diesem Schritt verliert das Drehkreuz am internationalen Flughafen Keflavík jenen Flugzeugtyp, der über Jahrzehnte hinweg das strategische Fundament für das connectsbasierte Geschäftsmodell zwischen kleineren europäischen und nordamerikanischen Märkten bildete. Der beschleunigte Übergang zu moderneren Flugzeugfamilien von Boeing und Airbus soll die Wirtschaftlichkeit des Streckennetzes sichern und den operativen Betrieb auf den anspruchsvollen Langstrecken stabilisieren.

Wirtschaftlicher Druck durch variable Betriebskosten im aktuellen Marktumfeld

Die Entscheidung zur sofortigen Anpassung des Flottenplans wurde auf der Branchenkonferenz Routes Europe in Rimini öffentlich gemacht. Snorri Tómasson, Direktor für Netzwerkplanung und Flugplangestaltung bei Icelandair, legte dort dar, dass die ökonomischen Rahmenbedingungen zu Beginn des Jahres noch einen längeren Betrieb der Maschinen zugelassen hätten, die veränderte Kostenstruktur im Treibstoffsektor nun jedoch ein schnelles Handeln erfordere. Die Boeing 757 zeichnet sich zwar nach wie vor durch ihre hervorragende Leistungsfähigkeit und Reichweite aus, verbraucht jedoch im Vergleich zu modernen Konstruktionen deutlich mehr Kraftstoff pro angebotenem Sitzplatzkilometer.

Neben den reinen Kerosinkosten spielen auch die eskalierenden Aufwendungen für die technische Instandhaltung eine entscheidende Rolle. Die verbleibenden acht Flugzeuge in der Flotte von Icelandair weisen ein durchschnittliches Alter von 26,5 Jahren auf. In dieser Phase des Lebenszyklus eines Verkehrsflugzeugs steigen die Intervalle für umfassende Strukturüberprüfungen rapide an. Zudem gestaltet sich die Beschaffung von spezifischen Ersatzteilen auf dem globalen Markt zunehmend komplex und teuer, da die Produktion des Typs bereits vor über zwei Jahrzehnten vom Hersteller eingestellt wurde. Die Reduzierung der Flottenkomplexität durch den Verzicht auf dieses reife Muster soll die operationelle Zuverlässigkeit im Winterbetrieb stärken.

Die historische Bedeutung der Boeing 757 für das isländische Drehkreuzmodell

Über die vergangenen Jahrzehnte hinweg betrieb Icelandair insgesamt 36 Flugzeuge dieses Typs, aufgeteilt in 34 Maschinen der Standardversion 757-200 und zwei der verlängerten Variante 757-300. Die Boeing 757 war das ideale Werkzeug, um das geografische Privileg Islands als natürlicher Zwischenstopp im Nordatlantik optimal zu nutzen. Dank ihrer Reichweite und ihrer moderaten Passagierkapazität erlaubte sie es der Fluggesellschaft, Routen zu Zielen in den Vereinigten Staaten und Kanada wirtschaftlich zu bedienen, deren Passagieraufkommen für den Einsatz von großen Großraumflugzeugen wie der Boeing 747 oder der McDonnell Douglas DC-10 nicht ausgereicht hätte.

Dieses flexible Konzept ermöglichte es Icelandair, Passagierströme aus europäischen Hauptstädten in Keflavík zu bündeln und auf sekundäre nordamerikanische Märkte zu verteilen. Das Flugzeug fungierte somit als Brücke zwischen den Kontinenten und bot eine Nischenlösung, die von den großen Netzwerk-Carrieren mit ihren riesigen Drehkreuzen lange Zeit übersehen wurde. Der Erfolg dieses Modells inspirierte später zahlreiche andere Fluggesellschaften, blieb jedoch in seiner konsequenten Umsetzung eng mit der Corporate Identity der Isländer verknüpft.

Aktueller Flugplan und die letzten Schwerpunkte im Streckennetz

Trotz des nahenden Abschieds nimmt die Boeing 757 im aktuellen Flugplan bis zum Beginn des Winters noch eine bedeutende Rolle ein. Daten von Luftfahrtanalysten zeigen, dass das Muster insbesondere auf Routen mit hoher Reichweitenanforderung oder starker saisonaler Nachfrage eingesetzt wird. Spitzenreiter im verbleibenden Streckennetz ist der internationale Flughafen Denver in den Vereinigten Staaten, für den im Zeitraum bis März insgesamt 432 Flüge mit der Boeing 757 eingeplant sind. Diese Verbindung fordert dem Flugzeug aufgrund der heißen und hochgelegenen Topografie des Flughafens in Colorado erhebliche Leistungsreserven ab.

An zweiter Stelle folgt der Flughafen Oslo-Gardermoen mit 310 geplanten Flügen, dicht gefolgt von den europäischen Großflughäfen London-Heathrow und Kopenhagen. Auch südeuropäische Metropolen wie Rom, Barcelona und Mailand sowie wichtige Knotenpunkte wie Zürich, Dublin und Amsterdam werden in den kommenden Monaten noch vereinzelt mit der Boeing 757 bedient. Diese Verteilung veranschaulicht das breite Spektrum des Flugzeugs, das am selben Tag eine transatlantische Langstrecke und einen kürzeren europäischen Umlauf absolvieren kann, was der Fluggesellschaft eine hohe Flexibilität bei der täglichen Flugzeugrotation einräumte.

Generationswechsel durch Boeing 737 Max und Airbus A321LR

Der Ersatz der alternden Flotte ist bereits in vollem Gange und stützt sich auf eine zweigleisige Strategie. Für die kürzeren Routen und Märkte mit mittlerer Reichweite setzt Icelandair verstärkt auf die Boeing 737 Max. Aktuell befinden sich bereits 17 Maschinen der Version Max 8 und vier der größeren Version Max 9 im aktiven Dienst. Diese Flugzeuge bieten im Vergleich zur Boeing 757 eine signifikante Reduzierung des Treibstoffverbrauchs, stoßen jedoch bei extremen transatlantischen Distanzen an ihre physikalischen Reichweitengrenzen.

Um diese Lücke auf den Langstrecken zu schließen, hat Icelandair eine strategische Partnerschaft mit Airbus initiiert. Derzeit operieren bereits sechs Flugzeuge des Typs Airbus A321LR im Netz, drei weitere Einheiten sollen in Kürze ausgeliefert werden. Diese Maschinen übernehmen bereits erfolgreich anspruchsvolle Routen an die amerikanische Westküste, wie beispielsweise nach Portland im Bundesstaat Oregon. Snorri Tómasson wies darauf hin, dass die deutlich besseren Stückkosten des A321LR es der Fluggesellschaft ermöglichen, Strecken auch in den nachfrageschwächeren Wintermonaten rentabel durchzufliegen, die mit der Boeing 757 aus Kostengründen temporär eingestellt hätten werden müssen. Gegen Ende des Jahrzehnts soll die Flotte zudem durch die noch leistungsfähigere Variante Airbus A321XLR ergänzt werden, für die bereits 13 Festbestellungen vorliegen.

Der weltweite Rückzug der Passagierversionen der Boeing 757

Die beschleunigte Ausflottung bei Icelandair ist Teil eines globalen Trends, der das Ende der Boeing 757 im zivilen Passagierverkehr einläutet. Während das Muster im Bereich der weltweiten Expressfracht- und Paketdienste aufgrund seiner robusten Struktur und der großen Frachttür-Umbauten weiterhin sehr geschätzt wird, schrumpft die Zahl der Betreiber im Linienverkehr kontinuierlich. Der weltweite Markt konzentriert sich mittlerweile fast ausschließlich auf die Vereinigten Staaten, wo die beiden Großfluggesellschaften Delta Air Lines und United Airlines mit 90 beziehungsweise 61 Maschinen die mit Abstand größten Flotten betreiben.

Delta Air Lines nutzt die Boeing 757 weiterhin auf hochfrequentierten Inlandsrouten und im Urlaubsverkehr in die Karibik, ersetzt jedoch sukzessive ältere Einheiten durch den Airbus A321neo. United Airlines plant den direkten Übergang zum Airbus A321XLR, um ihre traditionsreichen Routen von den Drehkreuzen an der Ostküste nach Westeuropa nahtlos weiterzuführen. Außerhalb der USA verbleiben neben Icelandair nur noch wenige Betreiber wie die russische Azur Air mit zehn Maschinen oder die ukrainische Skyline Express mit fünf Flugzeugen, die den Typ primär im Charter- und Gelegenheitsverkehr einsetzen. Kleinere Fluggesellschaften in Zentralasien und der Mongolei betreiben oft nur noch Einzelstücke. Wenn der letzte Passagierflug der Icelandair-Maschinen in diesem Winter landet, schließt sich somit ein bedeutendes Kapitel der modernen Luftfahrtgeschichte im Nordatlantik.

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