Die russische Luftfahrtindustrie hat die ersten beiden serienmäßig gefertigten PD-8-Triebwerke für den Passagierjet SJ-100 ausgeliefert. Die von der United Engine Corporation entwickelte Antriebseinheit hat nach offiziellen Angaben die staatliche Musterzulassung erhalten.
Ein erstes Serienflugzeug des Herstellers Yakovlev wurde am Produktionsstandort Komsomolsk am Amur bereits mit den neuen Aggregaten ausgerüstet, während ein weiteres Triebwerkspaar für die Montage vorbereitet wird. Bis Ende 2026 sind in der Region Chabarowsk umfassende Testflüge geplant, um die Funktionsfähigkeit des neu ausgestatteten Regionalflugzeugs unter praktischen Bedingungen zu erproben.
Die Entwicklung des PD-8-Triebwerks ist Teil des staatlichen Programms zur Substitution westlicher Komponenten in der zivilen Luftfahrt Russlands. Der Superjet 100 nutzte in seiner ursprünglichen Bauweise SaM146-Triebwerke, die von PowerJet – einem Gemeinschaftsunternehmen des französischen Herstellers Safran und des russischen Unternehmens NPO Saturn – gefertigt wurden. Infolge der internationalen Sanktionen und des Rückzugs westlicher Lieferanten kam die Versorgung mit Ersatzteilen und Wartungsdienstleistungen für das franko-russische Triebwerk weitgehend zum Erliegen. Die Serienfertigung des Jets musste daher auf eine vollständig eigenständige russische Baureihe umgestellt werden.
Trotz der gemeldeten Fortschritte steht das Programm vor erheblichen zeitlichen und technischen Herausforderungen. Luftfahrtexperten verweisen darauf, dass die Erprobung und Zertifizierung neuer Triebwerke unter regulären Bedingungen mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Verzögerungen bei der Serienfertigung des PD-8 sowie Lieferengpässe bei elektronischen Steuerungskomponenten hatten den Zeitplan für den SJ-100 in der Vergangenheit mehrfach nach hinten verschoben. Ursprünglich sollte die Auslieferung serienreifer Flugzeuge an russische Fluggesellschaften wie Aeroflot deutlich früher anlaufen.
Die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit des PD-8-Triebwerks im regulären Passagierbetrieb muss sich in den kommenden Jahren erst noch erweisen. Der Erfolg des SJ-100 ist für die russische Zivilluftfahrt von zentraler Bedeutung, da die heimischen Fluggesellschaften aufgrund fehlender Importe von Boeing- und Airbus-Maschinen dringend auf regionale Muster angewiesen sind, um den Inlandsflugverkehr aufrechterhalten zu können.