Die indische Zivilluftfahrtbehörde DGCA hat gegen die nationale Fluggesellschaft Air India eine Geldstrafe in Höhe von 110.350 US-Dollar verhängt. Grund für die Sanktion ist der Einsatz eines Airbus A320, der Ende November 2025 insgesamt acht Linienflüge ohne ein gültiges Lufttüchtigkeitszeugnis absolviert hat.
Die Maschine beförderte dabei Passagiere auf den hochfrequentierten Routen zwischen Neu-Delhi, Mumbai, Bengaluru und Hyderabad, obwohl das gesetzlich vorgeschriebene Airworthiness Review Certificate (ARC) bereits abgelaufen war. Die Behörde wertet den Vorfall als schwerwiegenden Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften, der das Vertrauen der Öffentlichkeit in die zweitgrößte Fluggesellschaft des Landes erheblich beschädigt habe.
In einer vertraulichen Anordnung, die dem Management der Fluggesellschaft zugestellt wurde, übt die Aufsichtsbehörde deutliche Kritik an der internen Organisationsstruktur des Unternehmens. Der stellvertretende Generaldirektor Maneesh Kumar machte Air-India-Chef Campbell Wilson direkt für die Versäumnisse verantwortlich und stellte systemische Mängel in der Überwachung der Compliance-Prozesse fest. Laut indischen Medienberichten ist dies nicht der erste Vorfall dieser Art; die Fluggesellschaft stand bereits in der Vergangenheit aufgrund mangelhafter Wartungsprotokolle und Verstößen gegen Ruhezeitregelungen für das Personal unter Beobachtung. Das jährliche Zertifikat, welches erst nach bestandenen Sicherheits- und Konformitätsprüfungen ausgestellt wird, gilt als fundamentale Voraussetzung für den kommerziellen Flugbetrieb.
Die Fluggesellschaft räumte die Fehler nach Abschluss einer internen Untersuchung ein und bestätigte das Bestehen erheblicher Defizite in der Unternehmenskultur bezüglich der Einhaltung gesetzlicher Standards. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass Air India unter der Führung der Tata-Gruppe derzeit eine umfassende Modernisierung durchläuft, bei der hunderte neue Flugzeuge bestellt wurden. Solche sicherheitstechnischen Fehltritte könnten jedoch die ehrgeizigen Expansionspläne bremsen, da die internationale Wahrnehmung der indischen Luftsicherheit direkt von der Zuverlässigkeit ihrer größten Betreiber abhängt. Die Behörde forderte die Airline auf, umgehend Maßnahmen zur Verbesserung der Kontrollmechanismen zu ergreifen, um eine Wiederholung solcher Vorfälle auszuschließen.
Zusätzlich zur Geldstrafe muss das Unternehmen detaillierte Berichte über die Neuausrichtung seiner Wartungsplanung vorlegen. Der Druck auf das Management wächst, da die DGCA angekündigt hat, die Sicherheitsüberprüfungen bei Air India zu intensivieren. Experten betonen, dass das Fliegen ohne gültiges ARC nicht nur ein administratives Versäumnis darstellt, sondern im Falle eines Unfalls auch massive versicherungsrechtliche Konsequenzen für die Fluggesellschaft hätte. Die aktuelle Strafe wird daher als deutliches Signal an die gesamte indische Luftfahrtbranche gewertet, die Einhaltung globaler Sicherheitsstandards über kommerzielle Wachstumsziele zu stellen.