Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück, das von einer bemerkenswerten operativen Dynamik, aber auch von unvorhergesehenen industriellen Herausforderungen geprägt war. Mit insgesamt 793 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen an 91 Kunden konnte der Hersteller seine Marktführerschaft im Bereich der zivilen Luftfahrt behaupten und das im Dezember revidierte Ziel von 790 Maschinen knapp übertreffen.
Dies entspricht einer Steigerung von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch verlief das Jahresende nicht reibungslos: Qualitätsprobleme bei Rumpfbauteilen eines Zulieferers sowie anhaltende Engpässe in der globalen Lieferkette zwangen das Unternehmen dazu, seine ursprünglichen Ambitionen von etwa 820 Auslieferungen kurz vor dem Zielstrich anzupassen. Während die Auftragsbücher mit einem neuen Rekordstand von 8.754 Flugzeugen gefüllt sind, richtet sich der Blick der Branche nun auf die regulatorische Aufarbeitung technischer Abweichungen, die den Start in das Jahr 2026 bestimmen.
Dominanz der Mittelstrecke und Wachstum im Regionalsegment
Das Rückgrat der Airbus-Produktion bildete auch im vergangenen Jahr die A320-Familie. Von den insgesamt 793 Auslieferungen entfielen 607 Maschinen auf diese Modellreihe, was ihre zentrale Bedeutung für den Konzern unterstreicht. Trotz der hohen Stückzahlen blieb das Wachstum in diesem Segment aufgrund der genannten Zuliefererprobleme moderat. Einen deutlichen Sprung nach vorne machte hingegen das A220-Programm. Mit 93 ausgelieferten Flugzeugen steigerte Airbus den Ausstoß in dieser Kategorie im Vergleich zu 75 Maschinen im Vorjahr signifikant. Dies deutet darauf hin, dass die Bemühungen zur Stabilisierung der Produktion in den Werken in Mirabel und Mobile zunehmend Früchte tragen.
Im Bereich der Großraumflugzeuge zeigte sich die Produktion weitgehend stabil auf hohem Niveau. Airbus übergab 36 Flugzeuge der A330-Familie sowie 57 Maschinen des Typs A350 an seine Kunden. Letztere Zahl entspricht exakt dem Niveau des Vorjahres, was die Herausforderungen verdeutlicht, die Produktion bei komplexen Langstreckenjets trotz hoher Nachfrage kurzfristig zu skalieren. Insbesondere die Kabinenausstattung und komplexe Strukturbauteile gelten hier weiterhin als limitierende Faktoren in der Wertschöpfungskette.
Herausforderungen in der Lieferkette und technische Inspektionen
Das vergangene Jahr war erneut von einem komplexen operativen Umfeld gezeichnet. Airbus-Chef Guillaume Faury betonte mehrfach, dass die Kapazitäten der Zulieferer das Tempo des Produktionshochlaufs bestimmen. Ein kritischer Punkt war die Entdeckung einer Materialabweichung bei vorderen Rumpfbeplankungen der A320-Serie. Ein spanischer Zulieferer hatte Bauteile geliefert, die nicht exakt den Spezifikationen hinsichtlich der Materialdicke entsprachen. Dies führte dazu, dass im Dezember zahlreiche bereits fertiggestellte Flugzeuge vor der Auslieferung erneut geprüft werden mussten, was den Auslieferungsfluss zeitweise erheblich bremste.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat auf diesen Sachverhalt mit dem Entwurf einer Lufttüchtigkeitsanweisung reagiert. Diese sieht vor, dass bei einer betroffenen Flotte von weltweit 177 bereits im Dienst befindlichen Flugzeugen sowie 451 noch in der Produktion befindlichen Maschinen Messungen und Inspektionen durchgeführt werden müssen. Ziel ist es, die strukturelle Integrität langfristig sicherzustellen. Die Konsultationsphase für diese Richtlinie endet am 14. Januar 2026. Für die Betreiber bedeutet dies einen zusätzlichen logistischen Aufwand, da insbesondere Maschinen mit bereits durchgeführten Reparaturen in den betroffenen Bereichen priorisiert untersucht werden müssen.
Rekordauftragsbestand und globale Marktposition
Trotz der industriellen Hürden bleibt die Nachfrage nach neuen Flugzeugen ungebrochen hoch. Airbus verbuchte im Jahr 2025 brutto 1.000 Bestellungen, was nach Abzug von Stornierungen einem Netto-Auftragseingang von 889 Maschinen entspricht. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung im Segment der Widebodys, wo der Auftragsbestand mit 1.124 Flugzeugen ebenfalls einen historischen Höchststand erreichte. Das Book-to-Bill-Verhältnis von über eins zeigt deutlich, dass das Unternehmen weiterhin mehr Aufträge einsammelt, als es Flugzeuge ausliefern kann.
Diese starke Marktposition wird durch den Gewinn neuer Kunden und die Einführung spezialisierter Varianten gestärkt. Im Jahr 2025 konnten unter anderem Erstauslieferungen der A321XLR verzeichnet werden, die als Langstreckenversion des Erfolgsmodells A321neo neue Marktsegmente erschließt. Auch der A350-1000 und die A330neo-Serie fanden bei neuen Betreibern Anklang. Dennoch bleibt die Konkurrenzsituation spannend: Während Airbus bei den Auslieferungen das siebte Jahr in Folge vor seinem US-amerikanischen Rivalen Boeing lag, konnte Boeing bei den Netto-Bestellungen im Jahr 2025 mit über 1.100 Aufträgen vorbeiziehen. Dies unterstreicht den intensiven Wettbewerb um zukünftige Marktanteile, insbesondere bei den großen Netzwerk-Airlines.
Finanzieller Ausblick und strategische Weichenstellungen
Die detaillierten Finanzergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr wird Airbus am 19. Februar 2026 präsentieren. Trotz der kurzfristigen Produktionsanpassungen im Dezember wird erwartet, dass der Konzern seine finanziellen Kernziele erreicht. Die Analysten prognostizieren ein bereinigtes Betriebsergebnis (EBIT) in der Größenordnung von 7,0 Milliarden Euro. Der Fokus der Investoren liegt dabei vor allem auf dem Free Cash Flow, der trotz der hohen Investitionen in den Produktionshochlauf robust bleiben soll.
Für das Jahr 2026 hat Airbus bislang keine konkreten Auslieferungsziele veröffentlicht. Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass das Unternehmen versuchen wird, die Marke von 800 Flugzeugen deutlich zu überschreiten, sofern die Probleme bei den Rumpfpanelen und die Engpässe bei den Triebwerkslieferungen – insbesondere bei den Pratt & Whitney Triebwerken für die A320neo-Familie – überwunden werden können. Das langfristige Ziel bleibt ambitioniert: Bis 2027 soll die monatliche Produktionsrate für die A320-Familie auf 75 Maschinen steigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Airbus das Jahr 2025 als Jahr der industriellen Konsolidierung abschließt. Die Fähigkeit, trotz massiver Störungen in der Lieferkette fast 800 Flugzeuge auszuliefern, beweist die Belastbarkeit des Produktionssystems. Gleichzeitig mahnen die jüngsten Qualitätsprobleme zur Vorsicht. Die kommenden Monate werden zeigen, wie effizient der Konzern die technischen Inspektionen in Zusammenarbeit mit den Behörden und Airlines abwickeln kann, um den geplanten Hochlauf der Produktion nicht zu gefährden. Der Rekordauftragsbestand bietet eine solide Basis, doch die industrielle Umsetzung bleibt die zentrale Herausforderung für das Management in Toulouse.