Embraer 195-E2 (Foto: David Bohmann).
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Internationale Luftfahrtmesse in Farnborough: Neue Aufträge für Embraer-Regionalflugzeuge

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Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer hat auf der Farnborough International Airshow am 21. Juli 2026 die Erteilung neuer Aufträge für seine E-Jet- sowie E-Jet-E2-Familie bekannt gegeben. Die Vereinbarungen umfassen insgesamt 30 Festbestellungen über die Flugzeugtypen E175, E190-E2 und E195-E2, verteilt auf vier Fluggesellschaften aus Nord- und Südamerika, Europa und Asien.

Ergänzt wird die aktuelle Auftragslage durch eine Absichtserklärung mit dem US-amerikanischen Leasingunternehmen Azorra über die Umrüstung von bis zu 30 Passagiermaschinen in Frachtflugzeuge. Während der Hersteller diese Abschlüsse als Nachweis für die Nachfrage nach Regionalflugzeugen wertet, zeigen Marktanalysen, dass das Segment der Regionaljets weiterhin unter Druck steht und sich im direkten Konkurrenzkampf mit größeren Passagiermaschinen behaupten muss.

Markttransaktionen auf der Luftfahrtmesse in Farnborough

Die Farnborough International Airshow im Vereinigten Königreich dient der Luftfahrtbranche alle zwei Jahre als zentrales Forum für den Nachweis von Marktaktivitäten und die Präsentation neuer Verträge. Im Rahmen der diesjährigen Messe präsentierte die Zivilluftfahrtsparte des brasilianischen Konzerns Embraer mehrere Vereinbarungen mit internationalen Kunden. Die Vorstellungen wurden von Unternehmensvertretern während einer Informationsveranstaltung am 21. Juli 2026 erläutert.

Zu den Auftraggebern gehören die lateinamerikanische Airline-Gruppe Abra, die spanische Regionalgesellschaft Binter Canarias, die luxemburgische Fluggesellschaft Luxair sowie die japanische Fuji Dream Airlines. Neben den fest vereinbarten 30 Maschinen wurden Optionen für weitere 30 Flugzeuge ausgehandelt, was das Gesamtvolumen der Vereinbarungen im Passagierbereich auf theoretisch bis zu 60 Maschinen erhöhen könnte.

Struktur der Neuaufträge im Passagiersegment

Das volumenseitig umfangreichste Einzelsegment entfällt auf die Holding Abra Group, zu der unter anderem die Fluggesellschaften Avianca und GOL gehören. Die Gruppe unterzeichnete einen Vertrag über 20 Einheiten des Musters E195-E2 und sicherte sich zudem Optionen für weitere 30 Maschinen. Die Auslieferungen an die Abra-Gruppe sollen im vierten Quartal 2027 beginnen. Mit dieser Bestellung setzt die lateinamerikanische Unternehmensgruppe erstmals auf Jets des brasilianischen Herstellers in ihrer Flotte.

Die spanische Fluggesellschaft Binter Canarias, die auf der Kanaren-Archipel ansässig ist und Regionalverbindungen sowie Routen nach Westafrika bedient, erwarb fünf zusätzliche Flugzeuge vom Typ E195-E2. Die Fluggesellschaft nutzt dieses Muster bereits seit dem Jahr 2019 im Streckennetz.

Aus Europa liegt zudem eine Bestellung der Luxair vor. Die Fluggesellschaft aus Luxemburg wandelte bestehende Optionen in eine Festbestellung von drei Maschinen des Typs E190-E2 um. Während Luxair im November 2025 erstmals eine größere E195-E2 in Betrieb nahm, stellt die E190-E2 eine Abweichung in der Flottengröße dar und soll künftig auf Strecken mit geringerem Passagieraufkommen eingesetzt werden.

Ergänzt werden die Verkäufe durch eine Order der japanischen Fuji Dream Airlines über zwei Flugzeuge des Typs E175 der bisherigen E-Jet-Generation. Diese Bestellung war in den Auftragsbüchern des Herstellers bislang als ungenannter Kunde geführt worden und wurde nun offiziell zugeordnet. Die beiden Maschinen sollen mit einer Kabine in Eingleicher-Konfiguration für 84 Passagiere ausgestattet und in den Jahren 2027 sowie 2028 ausgeliefert werden. Fuji Dream Airlines betreibt seit der Gründung im Jahr 2009 ausschließlich Flugzeuge des Herstellers Embraer und verfügt aktuell über eine Flotte von zwei E170 und 13 E175.

Erweiterung des Frachtbereichs durch Flugzeugkonvertierungen

Neben den Passagierflugzeugen nimmt die Umrüstung gebrauchter Passagiermaschinen in Frachtflugzeuge einen breiteren Raum in der Geschäftsaufstellung des brasilianischen Herstellers ein. In Farnborough unterzeichneten Embraer und das in Florida ansässige Leasingunternehmen Azorra eine Absichtserklärung über bis zu 30 Frachtflugzeug-Konvertierungen. Diese Vereinbarung umfasst 20 Festbestellungen für Umrüstungen sowie Optionen für zehn weitere Flugzeuge.

Das Angebot betrifft die Modelle E190F und E195F, bei denen bestehende Passagierkabinen zu Frachträumen mit Hauptdeck-Ladetoren umgebaut werden. Die Umrüstungen zielen auf das Marktsegment zwischen großen Turboprop-Frachtern und den etablierten Schmalrumpffrachtern der Muster Boeing 737 ab. Nach Angaben des Herstellers bietet die Umbauvariante E190F eine Nutzlast von bis zu 13,5 Tonnen und ein Frachtvolumen von mehr als 100 Kubikmetern.

Der erste konvertierte Frachter dieses Typs ging im März 2026 beim Erstkunden Bridges Air Cargo in den kommerziellen Betrieb. Mit dem neuen Abkommen steigt Azorra in den Frachter-Leasingmarkt ein. Azorra hatte bereits im Juni 2026 mit einer Nachbestellung von 15 E195-E2-Passagiermaschinen das Engagement im Passagiersegment erhöht.

Wirtschaftliche Hintergründe und Auslieferungsziele

In der ersten Hälfte des Jahres 2026 lieferte Embraer insgesamt 30 kommerzielle Flugzeuge aus. Diese gliederten sich auf in 16 Einheiten der älteren Baureihe E175, fünf E190-E2 sowie neun E195-E2. Für das Gesamtjahr 2026 strebt der Hersteller ein Ziel von 80 bis 85 Auslieferungen im Zivilbereich an. Der Auftragsbestand der E2-Familie überschritt im Rahmen der aktuellen Messeabschlüsse die Marke von insgesamt 500 kumulierten Bestellungen.

Das Programm steht im Wettbewerb mit dem Konkurrenzmodell Airbus A220, das das untere Ende des Schmalrumpfsegments abdeckt. Um Marktanteile zu sichern, konnte Embraer zuletzt auch Aufträge von Fluggesellschaften wie Finnair über 18 Einheiten der E195-E2 sowie eine Großvereinbarung mit Avelo Airlines verbuchen.

Allerdings verweisen Branchenkenner darauf, dass die Erreichung der Jahresziele stark von der Stabilität der globalen Lieferketten abhängt. Wie andere Luftfahrthersteller kämpft auch das brasilianische Unternehmen mit Verzögerungen bei Zulieferern von Motoren, Bauteilen und Rohstoffen, was in der Vergangenheit wiederholt zu Verzögerungen bei der Auslieferung führte.

Herausforderungen im Wettbewerb und Marktumfeld

Trotz der in Farnborough verkündeten Abschlüsse steht das Segment der Regionalflugzeuge vor grundlegenden Herausforderungen. Zum einen wachsen an vielen internationalen Flughäfen die Kapazitätsengpässe bei den Start- und Landerechten. Fluggesellschaften neigen unter solchen Bedingungen dazu, größere Flugzeugmuster einzusetzen, um pro Flugbewegung eine höhere Passagieranzahl zu befördern. Dieser Trend hin zu größeren Schmalrumpfflugzeugen setzt kleinere Regionaljets unter Druck.

Zum anderen stehen Frachtkonvertierungen wie die E-Freighter-Reihe in Konkurrenz zu etablierten Frachtflugzeugen des Typs Boeing 737-800BCF oder Airbus A321P2F. Zwar bieten die kleineren Umbaufrachter Vorteile bei geringeren Frachtaufkommen auf kürzeren Strecken, doch müssen die Betreiber die betrieblichen Fixkosten gegen die im Vergleich geringere Nutzlast abwägen. Ob die Nachfrage im Express- und Regionalfrachtmarkt ausreicht, um hohe Stückzahlen der konvertierten E-Jets auf Dauer wirtschaftlich zu tragen, bleibt in der Fachwelt umstritten.

Die Entwicklung der kommenden Jahre wird zeigen, ob die nun getroffenen Vereinbarungen und die geplanten Auslieferungen von 2027 an ausreichen, um die Marktposition des Herstellers im Passagier- und Frachtsegment nachhaltig zu festigen.

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