Airbus A320 (Foto: Steffen Lorenz).
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Internationaler Pilotenverband warnt Lufthansa-Chef vor Sicherheitsrisiken durch Gewerkschaftskonflikt

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In einer ungewöhnlichen Schärfe hat sich die International Federation of Air Line Pilots‘ Associations (IFALPA) in den laufenden Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) eingeschaltet. In einem persönlichen Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa, Carsten Spohr, kritisiert IFALPA-Präsident Ron Hay die Entscheidung des Managements, sämtliche Freistellungstage für VC-Vertreter mit sofortiger Wirkung auszusetzen.

Dieser Schritt, der als Reaktion auf die festgefahrenen Verhandlungen und das verschlechterte Arbeitsverhältnis gewertet wird, betrifft nach Angaben des Weltverbandes auch alle Sicherheitsbeauftragten der Gewerkschaft. Die IFALPA warnt eindringlich davor, dass der willkürliche Entzug dieser Ressourcen das Sicherheitsmanagementsystem (SMS) und die Sicherheitskultur der Fluggesellschaft gefährdet. Während die Lufthansa das Vorgehen offenbar als Teil der kollektiven Auseinandersetzung sieht, betont die Pilotenvertretung, dass die Arbeit im Bereich der Flugsicherheit eine international etablierte Praxis sei, die nicht für tarifpolitische Zwecke instrumentalisiert werden dürfe.

Gefährdung der Sicherheitskultur und internationaler Standards

Die IFALPA betont in ihrem Brief, dass ein funktionierendes Sicherheitsmanagementsystem (SMS) im Kern auf der effektiven Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie auf Respekt und Vertrauen basiert. Durch den gezielten Entzug der Unterstützung für Sicherheitsexperten aus den Reihen der Arbeitnehmervertreter werde dieses System geschwächt.

  • Die Maßnahmen stünden im Widerspruch zu den Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und den EASA-Vorgaben.
  • Ron Hay wirft der Lufthansa-Führung vor, die Sicherheitsressourcen „punitiv“, also zur Bestrafung, entfernt zu haben.
  • Dies stelle eine Missachtung der IATA-Sicherheitscharter dar, die Carsten Spohr im Namen der Lufthansa unterzeichnet hat. Der Verband stellt die rhetorische Frage, ob die Unterstützung von Sicherheitsprofis einer großen Gewerkschaft unter dem SMS-Regelwerk tatsächlich als optional betrachtet werde. In einem System, das nach der Pandemie ohnehin unter erheblichem Druck stehe, könne eine solche Eskalation die Situation nur verschlimmern.

Das Schreiben erinnert den Lufthansa-CEO explizit an seine ultimative Verantwortung für die Sicherheit und den Schutz der gesamten Gruppe. Dabei wird auch auf die Rolle des „Accountable Managers“ Francesco Sciortino verwiesen, der für das SMS bei Lufthansa verantwortlich zeichnet. Die IFALPA fordert die sofortige Wiederherstellung der Freistellungstage, um die Robustheit des Sicherheitssystems zu gewährleisten und den regulatorischen Verpflichtungen nachzukommen. Ohne die Unterstützung und die Stimme der Arbeitnehmergruppen könne eine authentische und positive Sicherheitskultur nicht nachhaltig existieren.

Rolle der Vereinigung Cockpit als Fachverband

Die Tragweite der Entscheidung wird besonders deutlich, wenn man die Doppelrolle der Vereinigung Cockpit betrachtet. Seit ihrer Gründung im Jahr 1969 fungiert sie nicht nur als Gewerkschaft, sondern als fachlicher Berufsverband.

  • Mehr als 100 aktive Pilotinnen und Piloten bringen ihr Fachwissen in zwölf spezialisierte Arbeitsgruppen ein.
  • Ihr Engagement umfasst kritische Themen wie Fatigue Risk Management, Luftraumsicherheit und die Mensch-Maschine-Interaktion.
  • Die Arbeit erfolgt in engen Austausch mit Behörden, Wissenschaft und internationalen Gremien.

Laut VC-Präsident Andreas Pinheiro engagieren sich sechsmal so viele Lufthansa-Piloten im Bereich der Flugsicherheit wie in der reinen Tarifarbeit. Durch die Kündigung der Freistellungsvereinbarung werde somit primär die fachliche Expertise getroffen, die im Interesse aller Beteiligten – inklusive der Passagiere – liegt.

Die IFALPA vertritt als globale Stimme der Piloten über 160.000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern. Dass sich der in Montreal ansässige Dachverband direkt an die Konzernleitung in Frankfurt wendet, unterstreicht die Sorge vor einem Präzedenzfall. International gilt es als Standard, dass Fluggesellschaften die Sicherheitsarbeit von Berufsverbänden unterstützen. Die aktuelle Konfrontation bei der Lufthansa wird daher weltweit als Abkehr von diesem etablierten Verständnis beobachtet. Der Brief wurde zudem in Kopie an den Personalvorstand Dr. Michael Niggemann sowie den Hub-Manager Francesco Sciortino gesendet, um die Dringlichkeit der Forderung innerhalb der gesamten Führungsebene zu verdeutlichen.

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