Die Kabinengewerkschaft Ufo hat nach der jüngsten Personalversammlung die Arbeitsbedingungen bei der deutschen Ferienfluggesellschaft Condor scharf verurteilt. Im Zentrum der Kritik stehen die neuen Zubringerverbindungen, die das Kabinenpersonal durch lange Dienstzeiten, sogenannte Turnarounds, und knappe Abläufe stark beanspruchen. Ufo beanstandet, dass die positiven Darstellungen der Unternehmensleitung in Bezug auf Wachstum und Geschäftserfolg in deutlichem Kontrast zu den direkten Rückmeldungen der Mitarbeiter stehen.
Zudem sei die Personalvertretung selbst am Limit ihrer Belastbarkeit angelangt, da die personelle Ausstattung zur Bewältigung der gestiegenen Aufgaben infolge des Geschäftsausbaus unzureichend sei. Condor hingegen verweist auf einen erfolgreichen Wachstumskurs und die enge, vertrauensvolle Abstimmung mit den Sozialpartnern zur Anpassung der Prozesse.
Das neue Zubringersystem als Belastungsfaktor
Die schärfste Kritik der Gewerkschaft Ufo entzündet sich an den Zubringerverbindungen von und nach Frankfurt. Diese Flüge dienen dazu, Passagiere von regionalen und kleineren europäischen Flughäfen zum Hauptdrehkreuz des Unternehmens zu befördern. Ufo erklärt, dass die Organisation dieser Zubringerflüge zu langen Turnarounds und engen Abläufen führe, was die Arbeitstage der Kabinenmitarbeiter extrem verlängere und die gesetzlich vorgeschriebenen Erholungsphasen verkürze.
Für den Sommer kündigte Condor an, bis zu 13 innerdeutsche und europäische Zubringerziele bis zu dreimal täglich anzufliegen, wofür entsprechend 13 Flugzeuge im Einsatz sein werden. Die Notwendigkeit dieser operativen Ausweitung, um das Geschäftsmodell zu optimieren, kollidiert nach Darstellung der Gewerkschaft unmittelbar mit der physischen und psychischen Belastung des Personals. Ein ähnliches Problem tritt in der Luftfahrtbranche regelmäßig bei raschen Kapazitätsausweitungen auf, da die Dienstpläne oft bis an die Grenzen der rechtlichen und zumutbaren Belastungsgrenzen ausgeschöpft werden.
Kontrast zwischen Management und Mitarbeiterwahrnehmung
Die Geschäftsführung von Condor stellte auf der Personalversammlung in Neu-Isenburg ein positives Bild der Unternehmensentwicklung dar. Das Unternehmen befinde sich auf einem erfolgreichen Wachstumskurs und in einem Wandel des Geschäftsmodells, der organisatorische Anpassungen notwendig mache. Condor verwies auf gute Nachfrage auf der Kurz- und Mittelstrecke sowie auf verbesserte Geschäftskennzahlen, darunter eine Pünktlichkeit (On-Time-Performance) von rund 80 Prozent und einen Net Promoter Score (nps) von über 43. Eine Sprecherin der Airline bekräftigte auf Anfrage, dass die Nachfrage auf allen Strecken den Erwartungen entspreche und man Rückmeldungen aus dem operativen Bereich in die Weiterentwicklung der Prozesse einfließen lasse.
Ufo kritisierte diesen optimistischen Erfolgsbericht als nicht deckungsgleich mit der Realität der Kabinenmitarbeiter. Eine zuvor durchgeführte Umfrage unter über 300 Mitarbeitern habe klar gezeigt, dass viele Kollegen sich mit ihren Anliegen nicht gehört fühlen und das Gefühl haben, dass „der Schuh drückt“. Die Gewerkschaft wirft dem Management vor, die Produktivitätssteigerung und den Ausbau des Streckennetzes auf Kosten des Wohlbefindens der Belegschaft voranzutreiben.
Um die Spannungen abzubauen, hat die Condor-Geschäftsführung angekündigt, sich zur Entlastung der Zubringer mit den Gewerkschaften zu „unterhalten“ und bereits Gespräche mit Ufo und der Pilotenvereinigung vc (Vereinigung Cockpit) zu führen.
Die Überlastung der Personalvertretung
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt von Ufo betrifft die Personalvertretung selbst, die laut Gewerkschaft mit ihren Aufgaben überlastet sei. Die Personalvertretung, die über ihre Arbeit im vergangenen Geschäftsjahr berichtete, sieht sich durch die organisatorischen Anpassungen und den Wachstumskurs des Unternehmens stark gefordert.
Die Gewerkschaft Ufo fordert daher dringend Gespräche zur Erhöhung der Anzahl der Personalvertreter. Nach dem aktuell gültigen Tarifvertrag für die Personalvertretung (TPV) verfügt Condor lediglich über zwölf Personalvertreter. Ufo verweist auf das Betriebsverfassungsgesetz (betrvg), das in Ermangelung eines TPV anzuwenden wäre. Demnach stünde dem Unternehmen mit seiner aktuellen Mitarbeiterzahl eine Besetzung von 33 Personalvertretern zu, was die Diskrepanz zwischen den Aufgaben und der personellen Ausstattung deutlich macht.
Ufo wirft Condor vor, kein gesteigertes Interesse an der Entlastung der Personalvertretung gezeigt zu haben, da der Tarifvertrag Personalvertretung bereits mehrfach zur Neuverhandlung anstand. Ufo kündigte an, gemeinsam mit der Personalvertretung weiterhin Druck auf das Management auszuüben, um aus den Rückmeldungen der Mitarbeiter konkrete Veränderungen in den Arbeitsbedingungen und in der Personalstruktur der Vertretung zu erzwingen. Die laufenden Tarifverhandlungen (MTV-Verhandlungen) sollen dabei als weiteres Druckmittel dienen.