Die isländische Fluggesellschaft Play, ein im Billigflugsegment angesiedelter Anbieter, sieht sich gezwungen, ihre Geschäftsstrategie grundlegend zu überdenken. Das Unternehmen rechnet für das zweite Geschäftsquartal des Jahres 2025 mit einem Verlust von rund 16 Millionen US-Dollar, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet.
Als Hauptgründe für diese negative Entwicklung nennt die Airline ein raues Marktumfeld, ungünstige Wechselkurse und unerwartet schwache Nachfrage im Transatlantikgeschäft. Infolgedessen plant Play, sich von ihrem bisherigen „Atlantikhubmodell“ zu verabschieden und sich zukünftig stärker auf Direktflüge zwischen Island und europäischen Zielen zu konzentrieren. Diese Neuausrichtung soll die Profitabilität der jungen Fluggesellschaft sichern und sie widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks machen.
Herbe Verluste im zweiten Quartal 2025
Für die Fluggesellschaft Play, die sich als Günstigflieger auf dem europäischen und transatlantischen Markt etabliert hat, bringt das zweite Quartal des Jahres 2025 enttäuschende Ergebnisse. Wie die Airline am Montagabend in einer Gewinnwarnung mitteilte, wird ein Verlust von voraussichtlich 16 Millionen US-Dollar erwartet. Dies stellt eine Verschlechterung um 6 Millionen US-Dollar im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres 2024 dar. Solche Zahlen sind für eine junge Fluggesellschaft, die sich noch in der Aufbauphase befindet, besonders schmerzhaft und erfordern schnelle und entschlossene Gegenmaßnahmen. Die endgültigen Zahlen für das zweite Geschäftsquartal werden von Play am 7. August 2025 vorgelegt, doch die Vorabinformation deutet auf eine schwierige Periode hin.
Die Gründe für diese negativen finanziellen Ergebnisse sind vielfältig und spiegeln die Volatilität des Luftfahrtmarktes wider:
- Unerwartet schwache Nachfrage im Transatlantikmarkt: Nach der Erholung der Reisebranche nach der Pandemie hatten viele Fluggesellschaften mit einer starken Nachfrage, insbesondere auf Langstreckenrouten, gerechnet. Die Tatsache, daß Play hier eine „unerwartet schwache Nachfrage“ feststellt, könnte auf einen verschärften Wettbewerb, eine mögliche Sättigung des Marktes oder eine Verschiebung der Präferenzen der Reisenden hindeuten. Große etablierte Fluggesellschaften und Allianzen dominieren traditionell die lukrativen Transatlantikrouten und können Billiganbietern das Leben schwer machen.
- Wechselkurseffekte: Als in Island beheimatetes Unternehmen, das jedoch international operiert und Kosten in verschiedenen Währungen hat (insbesondere US-Dollar für Treibstoff und Flugzeugleasing sowie Euro für europäische Betriebskosten und Einnahmen), ist Play anfällig für Wechselkursschwankungen. Ungünstige Entwicklungen der Wechselkurse können die Betriebskosten erhöhen oder die Einnahmen schmälern, was sich direkt auf die Profitabilität auswirkt. Der isländische Kronenkurs gegenüber dem US-Dollar und Euro kann hierbei eine wesentliche Rolle spielen.
- Verzögerte Wiedereingliederung eines Flugzeugs nach längerer Wartung: Jede Flugzeugverzögerung oder -ausfallzeit, insbesondere wenn sie unerwartet lang ist, kann für eine Fluggesellschaft erhebliche Kosten verursachen. Ein Flugzeug, das nicht fliegt, generiert keine Einnahmen, während die Leasingkosten und andere fixe Ausgaben weiterlaufen. Zudem müssen möglicherweise Ersatzkapazitäten angemietet oder Flüge gestrichen werden, was zu zusätzlichen Kosten und Unzufriedenheit bei den Kunden führt. In einer Branche mit „razor-thin margins“, also äußerst geringen Gewinnspannen, sind solche operativen Belastungen kaum zu kompensieren.
Strategische Neuausrichtung: Abschied vom Atlantikhubmodell
Als direkte Reaktion auf das herausfordernde Marktumfeld strickt Play aktuell ihr Geschäftsmodell um. Die Fluggesellschaft will sich von ihrem bisherigen „Atlantikhubmodell“ lösen. Dieses Modell, das von isländischen Fluggesellschaften wie Icelandair und der ehemaligen Wow Air (deren Erbe Play in gewisser Weise antritt) populär gemacht wurde, nutzt Islands geographische Lage als Brücke zwischen Europa und Nordamerika. Passagiere fliegen von europäischen Städten nach Island, wechseln dort den Flug und fliegen weiter nach Nordamerika. Dieses Hub-Modell ermöglicht es, mit relativ kleiner Flotte viele Destinationen zu verbinden und bietet Reisenden oft günstigere Tarife für transatlantische Verbindungen, da Island als Zwischenstopp genutzt wird.
Der Ausstieg aus diesem Modell deutet darauf hin, daß Play die Rentabilität der transatlantischen Verbindungen als zu gering oder zu risikoreich einschätzt. Die starke Konkurrenz, die saisonale Nachfrage und die Abhängigkeit von der Umsteigebereitschaft der Passagiere könnten Faktoren sein, die gegen das Hub-Modell sprechen.
Stattdessen will sich Play zukünftig auf Direktflüge zwischen Island und Zielen in Europa konzentrieren. Dieser Schritt ist strategisch nachvollziehbar. Island hat sich in den letzten Jahren zu einem äußerst populären Reiseziel entwickelt, das eine stetig wachsende Zahl von Touristen anzieht. Durch die Konzentration auf Direktflüge kann Play von diesem stabilen Tourismusmarkt profitieren und sich als primäre Fluggesellschaft für Islandreisen positionieren. Dies könnte zu höheren Auslastungen auf diesen Routen und einer besseren Planbarkeit der Geschäfte führen. Es ermöglicht Play auch, sich stärker als lokale Marke für den isländischen Markt zu etablieren.
Neue Geschäftsbereiche: Eintritt in den Wetlease-Markt
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Neuausrichtung ist die Entscheidung von Play, einen Teil ihrer Flotte in eine maltesische Plattform auszulagern. Über diese Plattform will das Management aktiv im Wetlease-Markt mitmischen. Wetlease ist ein Abkommen, bei dem eine Fluggesellschaft (der Leasinggeber) ein Flugzeug mitsamt Besatzung, Wartung und Versicherung (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance – ACMI) an eine andere Fluggesellschaft (den Leasingnehmer) vermietet. Dies unterscheidet sich vom Drylease, bei dem nur das Flugzeug vermietet wird.
Der Wetlease-Markt ist oft saisonal oder kurzfristig getrieben, wenn andere Fluggesellschaften zusätzliche Kapazitäten benötigen, beispielsweise während Spitzenzeiten, bei Flugzeugausfällen oder bei der Einführung neuer Routen. Durch den Eintritt in diesen Markt kann Play die Auslastung ihrer Flugzeuge optimieren, insbesondere in Zeiten geringerer Nachfrage auf den eigenen Linienflügen. Es bietet eine zusätzliche Einnahmequelle und kann dazu beitragen, die Fixkosten für die Flugzeuge zu decken. Die Auslagerung auf eine maltesische Plattform könnte zudem steuerliche oder regulatorische Vorteile bieten, da Malta innerhalb der Europäischen Union als attraktiver Standort für Fluggesellschaften gilt.
Dieser Schritt signalisiert eine Diversifizierung des Geschäftsmodells von Play und eine Anpassung an die Realitäten eines hart umkämpften Marktes. Es zeigt, daß das Management bereit ist, neue Wege zu gehen, um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu sichern.
Herausforderungen und Ausblick für die Billigflugbranche
Plays Erfahrungen spiegeln die anhaltenden Herausforderungen wider, denen sich insbesondere Billigfluggesellschaften im Post-Pandemie-Zeitalter gegenübersehen. Obwohl die Reiselust zurückgekehrt ist, sind die Margen im Fluggeschäft weiterhin gering. Treibstoffpreise, Personalkosten, Gebühren und die starke Konkurrenz setzen die Airlines unter Druck. Zudem erweisen sich die etablierten Luftfahrtdrehkreuze oft als schwer zu knacken für neue Billiganbieter.
Das transatlantische Geschäft war in den letzten Jahren für viele Billigflieger eine Herausforderung. Mehrere Versuche, das transatlantische Low-Cost-Segment zu besetzen, sind gescheitert oder haben zu erheblichen Verlusten geführt. Beispiele wie Norwegian Air Shuttle, die nach massiven Verlusten ihre Langstreckenaktivitäten einstellen mußte, oder die bereits erwähnte Wow Air, die 2019 den Betrieb einstellte, zeigen, wie tückisch dieser Markt sein kann. Große Netzwerkanbieter können hier oft durch ihre Größe, ihr Streckennetz und ihre Loyalitätsprogramme Vorteile ausspielen.
Für Play wird die Umstellung des Geschäftsmodells entscheidend sein. Die Konzentration auf den europäischen Markt und den Wetlease-Sektor könnte dem Unternehmen eine stabilere Grundlage verschaffen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell Play die Umstrukturierung umsetzen kann und welche Akzeptanz die neuen Angebote finden werden. Der isländische Tourismusmarkt bietet zwar Wachstumspotenzial, ist aber auch saisonalen Schwankungen unterworfen. Eine erfolgreiche Positionierung im Wetlease-Markt erfordert zudem eine effiziente Nutzung der Flotte und eine hohe Zuverlässigkeit. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Plays neue Strategie die gewünschten Ergebnisse liefern kann und die Fluggesellschaft auf einen profitableren Kurs bringt.
Die isländische Fluggesellschaft Play sieht sich mit erheblichen Verlusten im zweiten Quartal 2025 konfrontiert, getrieben von einem schwierigen Transatlantikmarkt und ungünstigen Wechselkursen. Als Reaktion darauf leitet das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung ein, die einen Abschied vom Atlantikhubmodell zugunsten einer Konzentration auf Direktflüge zwischen Island und Europa sowie den Einstieg in den Wetlease-Markt vorsieht. Diese Anpassungen sind entscheidend für die zukünftige Profitabilität und Widerstandsfähigkeit des Günstigfliegers in einem äußerst dynamischen und wettbewerbsintensiven Luftfahrtumfeld. Die kommenden Quartalszahlen und die Umsetzung der neuen Strategie werden Aufschluß darüber geben, ob Play den Kurswechsel erfolgreich meistern kann.