Der internationale Flughafen Istanbul nimmt am 18. September 2026 seine vierte Start- und Landebahn offiziell in Betrieb. Die neue Betonschneise ergänzt das bestehende Pistensystem des Großflughafens und stellt die erste Landebahn des Standorts dar, die in Ost-West-Richtung verläuft.
Durch die veränderte geometrische Ausrichtung strebt der Betreiber eine höhere Flexibilität bei schwierigen Wetterlagen und ungünstigen Seitenwindbedingungen an. Gleichzeitig sollen sich die Rollzeiten am Boden sowie die Flugzeiten auf Inlandsstrecken und Verbindungen in östlicher Richtung verringern, was zu Einsparungen beim Treibstoffverbrauch führt. Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund eines kontinuierlichen Anstiegs der Passagierzahlen, durch den sich der Flughafen Istanbul im weltweiten Wettbewerb der Drehkreuze etabliert hat.
Technische Dimensionen und Ausrichtung der neuen Flugbetriebsfläche
Die am 18. September 2026 freigegebene Start- und Landebahn weist eine Länge von 2.820 Metern sowie eine Breite von 45 Metern auf. Sie unterscheidet sich baulich und betrieblich grundlegend von den bisher vorhandenen Bahnen des Standorts. Die drei bereits genutzten Hauptpisten sowie zwei Hilfsbahnen sind in Nord-Süd-Ausrichtung angelegt. Istanbul verfügt damit als einziger europäischer Flughafen über die Möglichkeit, drei parallele Pisten gleichzeitig zu betreiben.
Mit der Implementierung der Ost-West-Piste begegnet die Flughafenführung den meteorologischen Gegebenheiten an der Schwarzmeerküste. Starkwinde aus östlichen oder westlichen Richtungen führten in der Vergangenheit phasenweise zu Kapazitätseinschränkungen bei Starts und Landungen auf den Nord-Süd-Bahnen. Durch die neue Bahnausrichtung können Landeanflüge und Abflüge flexibler an die jeweilige Windsituation angepasst werden. Dies verringert Warteschleifen in der Luft sowie Verzögerungen auf den Rollwegen. Zudem verkürzen sich die Wege für Flugzeuge, die Ziele im östlichen Luftraum oder innerhalb der Türkei ansteuern.
Konzeption von Haupt- und Hilfspisten im internationalen Vergleich
Ein wesentliches Merkmal des Flughafens Istanbul ist die bauliche Auslegung seiner Flugbetriebsflächen. An vielen traditionellen Großflughäfen wurden Hilfspisten nachträglich aus bestehenden Rollwegen entwickelt. Solche Behelfspisten weisen häufig Einschränkungen hinsichtlich ihrer Länge, Breite und Tragfähigkeit auf, weshalb sie für schwere Großraumflugzeuge meist ungeeignet sind. Als Beispiel dafür gilt der Flughafen London-Gatwick, dessen Ausweichbahn nur eingeschränkt nutzbar ist.
Am Flughafen Istanbul wurden die Hilfspisten von Beginn der Planungen an mit derselben Tragfähigkeit und Bauweise wie die Hauptstartbahnen ausgeführt. Dadurch können auch Großraumflugzeuge ohne Einschränkungen bei Wartungsarbeiten oder unvorhergesehenen Zwischenfällen auf den Hilfspisten abgefertigt werden. Diese Redundanz im Bahnsystem erhöht die betriebliche Verlässlichkeit und sichert hohe Abfertigungskapazitäten auch bei betrieblichen Störungen.
Flächenbedarf und Passagierentwicklung im europäischen Spitzenfeld
Seit der vollständigen Übernahme des Passagierverkehrs vom ehemaligen Hauptflughafen Istanbul-Atatürk im April 2019 hat der neue Großflughafen seine Position im europäischen Luftverkehr ausgebaut. Im Kalenderjahr 2025 verzeichnete der Flughafen Istanbul nach offiziellen Angaben der türkischen Luftfahrtbehörden ein Aufkommen von 84.513.937 Passagieren. Damit bewegt sich der Standort auf einem ähnlichen Niveau wie der britische Flughafen London-Heathrow, für den für das Jahr 2025 offiziell 83.882.140 Fluggäste ausgewiesen wurden. Je nach statistischer Erhebungsmethode und Abgrenzung der Transitpassagiere rangieren beide Drehkreuze wechselweise an der Spitze der europäischen Passagierstatistik.
Deutliche Unterschiede bestehen hinsichtlich des Flächenangebots der internationalen Drehkreuze. Mit einer Gesamtfläche von 76,5 Quadratkilometern ist das Areal des Flughafens Istanbul mehr als doppelt so groß wie das des zweitgrößten europäischen Flughafens Paris-Charles-de-Gaulle, der sich über 32,4 Quadratkilometer erstreckt. Demgegenüber wickelt der Flughafen London-Heathrow sein Passagieraufkommen auf einer Fläche von lediglich 12,27 Quadratkilometern ab. Der Flughafen Wien nimmt zum Vergleich eine Fläche von etwa 10 Quadratkilometern ein. Die umfangreichen Flächenreserven in Istanbul ermöglichen eine schrittweise Erweiterung der Terminal- und Pisteninfrastruktur ohne die räumlichen Engpässe älterer Standorte.
Operative Herausforderungen und künftige Marktentwicklung
Die Vergrößerung der Pistenkapazität stellt auch die Luftverkehrssteuerung vor veränderte Aufgaben. Die Koordinierung von Flugbewegungen auf kreuzenden und parallelen Bahnen erfordert angepasste Verfahren in der Flugsicherung, um Sicherheitsabstände einzuhalten und Konflikte im Luftraum zu vermeiden. Die Integration der vierten Bahn wird schrittweise erfolgen, um die Steuerungsprozesse im Tower und bei den Anflugkontrollen an die neuen Abflug- und Anflugrouten anzupassen.
Das Wachstum des Flughafens Istanbul steht im Zusammenhang mit der Expansion der nationalen Fluggesellschaft Turkish Airlines, die den Standort als zentrales Drehkreuz für Umsteigeverbindungen zwischen Europa, Asien und Afrika nutzt. Die Bereitstellung zusätzlicher Pistenkapazitäten sichert das weitere Wachstum der Fluggesellschaft und stärkt die Position Istanbuls als Knotenpunkt im internationalen Luftverkehr. Ob die angestrebte Erhöhung der Pistenkapazität auch bei steigendem Gesamtverkehr zu den erhofften Zeiteinsparungen führt, wird sich im regulären Betrieb der kommenden Flugplanperioden zeigen.