Der in Genf ansässige IT- und Kommunikationsdienstleister SITA übernimmt die Softwaresparte Flightscape vom kanadischen Luftfahrttechnologie- und Simulatorkonzern CAE Inc.. Wie beide Unternehmen am 26. Oktober 2026 mitteilten, beläuft sich der Unternehmenswert der Transaktion auf 500 Millionen US-Dollar (rund 447 Millionen Euro).
Die Software von Flightscape wird weltweit von mehr als 90 Fluggesellschaften zur Flugplanung, zum Besatzungsmanagement, zur operativen Steuerung sowie zur Koordination von Bodenprozessen eingesetzt. Der Vollzug der Übernahme steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Für den Verkäufer CAE ordnet sich die Veräußerung in das laufende Effizienz- und Umstrukturierungsprogramm unter Konzernchef Matthew Bromberg ein. Der kanadische Konzern beabsichtigt, sich nach einer vorherigen Überprüfung der Geschäftsfelder wieder verstärkt auf das Kerngeschäft mit Flugsimulatoren sowie Ausbildungsdienstleistungen für die Zivil- und Militärluftfahrt zu konzentrieren. SITA wiederum setzt mit dem Kauf die Konsolidierung im Segment der operativen Airline-Software fort. Das Unternehmen hatte zuvor bereits die Spezialisten Safety Line (2021) und Big Blue Analytics (Juni 2026) erworben, um Algorithmen zur Umplanung nach Flugbetriebsstörungen und zur Effizienzsteigerung zu integrieren.
Durch die Zusammenführung der Flightscape-Lösungen mit den bestehenden SITA-Netzwerken soll die Informationsübermittlung zwischen Fluggesellschaften, Flughafenbetreibern und der Flugsicherung bei unvorhergesehenen Ereignissen wie Wetterextremen oder Kapazitätsengpässen beschleunigt werden. SITA-Geschäftsführer David Lavorel und Yann Cabaret, Leiter der Sparte SITA for Aircraft, begründen den Zukauf mit der Notwendigkeit, operative Entscheidungswege in Echtzeit zu synchronisieren. Bis zum formalen Abschluss der Übernahme soll die Software für bestehende Kunden modular und ohne funktionale Einschränkungen weitergeführt werden.
Branchenbeobachter sehen in der Akquisition einen Schritt zur weiteren Marktkonzentration bei Spezialsoftware für den Luftverkehr. Während die Integration unterschiedlicher Datenplattformen das Störungsmanagement an überlasteten Drehkreuzen verbessern soll, steigt für Fluggesellschaften die Abhängigkeit von wenigen großen IT-Anbietern. Das Gelingen des Zusammenschlusses wird maßgeblich davon abhängen, ob die Zusammenführung der unterschiedlichen Softwaresysteme ohne Schnittstellenprobleme im laufenden Flugbetrieb umgesetzt werden kann.