Airbus A330 (Foto: Mark Bess).
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Ita Airways beschleunigt Langstreckenwachstum bis 2027

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Die italienische Fluggesellschaft Ita Airways hat eine signifikante Beschleunigung ihrer Expansionspläne angekündigt, um ihre Position im hart umkämpften internationalen Luftverkehrsmarkt zu festigen. Wie Konzernchef Jörg Eberhart in einem aktuellen Interview bestätigte, arbeitet das Management derzeit an der Finalisierung eines neuen, ambitionierten Flottenplans.

Dieser sieht vor, die Indienststellung von vier zusätzlichen Großraumflugzeugen deutlich vorzuziehen. Statt der ursprünglich geplanten schrittweisen Erweiterung um lediglich eine Langstreckenmaschine pro Jahr sollen nun bereits in den Jahren 2026 und 2027 jeweils zwei neue Widebodies die Flotte verstärken. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 eine Kapazität von insgesamt 30 Langstreckenflugzeugen zu erreichen. Diese Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund intensiver Verhandlungen mit Gewerkschaften und einer strategischen Neuausrichtung auf transatlantische Routen, während operative Herausforderungen durch Triebwerksprobleme und geopolitische Blockaden das Geschäft in Richtung Asien erschweren. Gleichzeitig strebt das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 erstmals ein positives operatives Ergebnis an, wenngleich hohe Finanzierungskosten das Gesamtergebnis weiterhin belasten.

Technische Modernisierung und Fokus auf den Nordatlantik

Die aktuelle Flottenstruktur von Ita Airways befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Derzeit verfügt die Gesellschaft über 25 Langstreckenmaschinen, darunter Airbus A330-200, die modernere Variante A330-900neo sowie den hocheffizienten A350-900. Die angekündigte Beschleunigung soll die Lücke zu den großen europäischen Wettbewerbern schließen und die Kapazitäten ab dem Drehkreuz Rom-Fiumicino massiv erhöhen. Eberhart unterstrich, dass die Langstrecke das Rückgrat der Unternehmensstrategie bilde. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem nordamerikanischen Markt.

Ita Airways evaluiert derzeit neue Direktverbindungen, unter anderem von Rom zum Flughafen New York Newark. Der Erfolg dieser Expansion hängt maßgeblich von der behördlichen Genehmigung der geplanten A++ Allianz mit Schwergewichten wie United Airlines, Air Canada und der Lufthansa ab. Das Management zeigt sich zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörden bis November 2026 grünes Licht für diese vertiefte Kooperation geben werden. Im Gegensatz dazu betrachtet Eberhart den asiatischen Markt derzeit als schwierig. Der andauernde Konflikt in der Ukraine und die daraus resultierende Sperrung des russischen Luftraums führen zu erheblichen Umwegen, was die Betriebskosten für Flüge nach Fernost in die Höhe treibt. Die Konsequenz ist eine strategische Schwerpunktverlagerung auf Nord- und Lateinamerika.

Operative Hürden durch Triebwerksinspektionen

Trotz der Wachstumspläne kämpft Ita Airways mit erheblichen technischen Beeinträchtigungen. Ein Großteil der Kurz- und Mittelstreckenflotte, die vorwiegend aus Maschinen der Airbus A320neo-Familie und der A220-Serie besteht, ist von den weltweiten Inspektionen der Pratt & Whitney Getriebefan-Triebwerke betroffen. Eberhart bezifferte den daraus resultierenden Schaden auf rund 150 Millionen Euro. Im Durchschnitt mussten 18 Flugzeuge am Boden bleiben; für das Jahr 2026 wird damit gerechnet, dass noch immer 15 Maschinen aufgrund der langwierigen Wartungsprozesse nicht einsatzfähig sind.

Diese Situation belastet nicht nur die Flugplangestaltung, sondern erfordert auch ein geschicktes Kapazitätsmanagement, um die Ausfälle zu kompensieren. Die Flotte der Kurzstrecke umfasst derzeit ein breites Spektrum vom kleinen A220-100 bis zum reichweitenstarken A321neo LR, wobei weitere Auslieferungen in den kommenden Monaten erwartet werden, um die Lücken der gegroundeten Maschinen teilweise zu schließen.

Personalaufbau und Stabilisierung der Arbeitsbeziehungen

Parallel zur technischen Expansion reagiert Ita Airways auf den wachsenden Druck der Arbeitnehmervertreter. Nach zwei Streiks innerhalb von drei Monaten hat die Fluggesellschaft angekündigt, rund 500 neue Mitarbeiter einzustellen, darunter 100 Piloten und 400 Flugbegleiter. Dieser Schritt wird als Versuch gewertet, die angespannten Beziehungen zu den Gewerkschaften zu stabilisieren und die operative Zuverlässigkeit während der Wachstumsphase zu garantieren. Eberhart betonte, dass diese Rekrutierungswelle ein klarer Beweis für die stetige Entwicklung des Unternehmens sei.

Ein weiterer Baustein der Personalstrategie ist die Ausweitung von Teilzeitmodellen für das Kabinenpersonal. Laut Unternehmensführung stießen diese Optionen auf hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten und könnten die Produktivität sowie die Flexibilität des Dienstplanes verbessern. In Bezug auf Gehaltsforderungen mahnte der CEO jedoch zur wirtschaftlichen Vernunft. Da das Unternehmen noch keine Nettogewinne erwirtschaftet, seien überproportionale Lohnsteigerungen von beispielsweise 20 Prozent existenzgefährdend für die langfristige Wachstumsstrategie und künftige Investitionen.

Finanzielle Kennzahlen und Markenidentität

Finanziell steuert Ita Airways auf einen wichtigen Meilenstein zu. Für das Jahr 2025 wird ein positives operatives Ergebnis (EBIT) erwartet, was das Management als Bestätigung des eingeschlagenen Sanierungskurses wertet. Dennoch wird unter dem Strich voraussichtlich ein Nettoverlust von etwa 100 Millionen Euro verbleiben. Dieser Fehlbetrag resultiert primär aus den hohen Belastungen durch Leasingraten und Finanzierungskosten für die neue Flotte.

Hinsichtlich des Markenauftritts plant Ita Airways eine subtile Evolution. Während der Name Ita Airways als etablierter Wert erhalten bleibt, soll das Erbe der Vorgängergesellschaft Alitalia selektiv wiederbelebt werden. Konkret wird erwogen, ikonische Designelemente aus den 1960er Jahren, insbesondere das markante Leitwerk-Design, in eine modernisierte Lackierung zu integrieren. Damit möchte das Unternehmen die Brücke zwischen der Tradition der italienischen Zivilluftfahrt und der modernen, effizienten Ausrichtung der neuen Nationalairline schlagen. Die Entscheidung über das finale Redesign der Livery steht noch aus, unterstreicht jedoch das Ziel, die Markenidentität zu schärfen.

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