Papst Franziskus flog mit ITA Airways nach Malta (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
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Ita Airways: Italien macht den Weg frei für Lufthansa-Einstieg

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Die Lufthansa Group steht kurz davor, einen bedeutenden Schritt in der europäischen Luftfahrtgeschichte zu machen. Wie kürzlich bekannt wurde, steht dem Einstieg des deutschen Luftfahrtkonzerns bei der italienischen Fluggesellschaft Italia Trasporto Aereo (Ita) nichts mehr im Weg.

Das italienische Finanzministerium gab bekannt, dass die erforderlichen Unterlagen fristgerecht bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht wurden. Die Lufthansa zeigte sich zuversichtlich, dass die Europäische Kommission die Transaktion in den kommenden Wochen genehmigen wird. Dieser Schritt könnte eine neue Ära für die italienische Luftfahrt einläuten und zugleich die Wettbewerbslandschaft auf dem europäischen Markt nachhaltig verändern.

Ein langwieriger Verhandlungsprozess

Die Verhandlungen über den Einstieg der Lufthansa bei Ita ziehen sich bereits über ein Jahr hin und waren in den letzten Monaten mehrmals ins Stocken geraten. Bereits im Jahr 2020 hatte die italienische Regierung die staatliche Fluggesellschaft Ita als Nachfolgerin von Alitalia gegründet, nachdem der langjährige italienische Flagcarrier aufgrund wiederholter finanzieller Krisen und Misswirtschaft pleitegegangen war. Ita ist eine deutlich kleinere Airline im Vergleich zu Alitalia, doch sie spielt eine wichtige Rolle im italienischen und europäischen Luftverkehrsmarkt.

Die grundsätzliche Einigung zwischen der Lufthansa und dem italienischen Staat wurde bereits erzielt, aber es gab noch Uneinigkeiten über den Preis für die zweite Tranche der Übernahme. Laut italienischen Medienberichten strebte Lufthansa einen Preisnachlass von rund zehn Millionen Euro an, was zu Spannungen zwischen den Verhandlungspartnern führte. Das italienische Finanzministerium erklärte jedoch, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen seit der ursprünglichen Vereinbarung nicht geändert hätten. Diese Differenzen scheinen nun beigelegt zu sein, und der Weg für den Abschluss der Transaktion ist frei, sofern die Europäische Kommission ihre endgültige Zustimmung gibt.

Wettbewerbssicherung und Zugeständnisse

Die Übernahme von Ita durch Lufthansa wird nicht ohne Auflagen über die Bühne gehen. Die Europäische Kommission hat wiederholt betont, dass bei Fusionen und Übernahmen im Luftverkehrsmarkt darauf geachtet werden muss, dass der Wettbewerb gewahrt bleibt. Im Fall von Lufthansa und Ita wurde ein sogenanntes „Paket der Zugeständnisse“ geschnürt, das Maßnahmen beinhaltet, um den Wettbewerb auf dem italienischen und europäischen Markt zu sichern.

Lufthansa und Ita haben unter anderem zugesagt, Start- und Landerechte, sogenannte Slots, an andere Fluggesellschaften abzugeben. Diese Slots betreffen vor allem den Flughafen Mailand-Linate, einen der zentralen Drehkreuze des italienischen Luftverkehrs. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass die Übernahme durch Lufthansa nicht zu einer einseitigen Marktbeherrschung führt und andere Fluggesellschaften weiterhin konkurrenzfähig bleiben. Insbesondere Easyjet, eine der größten Billigfluggesellschaften in Europa, wird in diesem Zusammenhang als Partner von Lufthansa genannt. Medienberichten zufolge hat Lufthansa mit Easyjet eine Vereinbarung getroffen, europäische Flüge von Mailand-Linate aus gemeinsam anzubieten.

Darüber hinaus sind Zusagen für eine Erweiterung des Transatlantikflugangebots von Rom-Fiumicino aus getroffen worden, wobei auch Air France und British Airways als Partner von Lufthansa genannt werden. Diese Maßnahmen sollen den Wettbewerb im internationalen Flugverkehr sichern und die Marktanteile von Lufthansa und Ita nicht ungebührlich ausweiten.

Die finanzielle Dimension und Perspektiven

Im Rahmen der Übernahme plant Lufthansa, zunächst 41 Prozent der Anteile an Ita zu übernehmen. Dies soll durch eine Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro erfolgen. Diese Teilübernahme ist jedoch nur der erste Schritt. In den kommenden Jahren könnte Lufthansa die Möglichkeit haben, Ita für mehr als 800 Millionen Euro komplett zu übernehmen. Damit würde die Lufthansa Group einen erheblichen Marktanteil auf dem italienischen und europäischen Flugmarkt gewinnen.

Die Übernahme von Ita ist vor allem aus strategischer Sicht von großer Bedeutung. Lufthansa wird nicht nur ihre Präsenz auf dem italienischen Markt ausbauen, sondern auch einen Zugang zu den lukrativen internationalen Routen zwischen Europa und den USA erhalten. Ita verfügt über ein Netzwerk von interkontinentalen Verbindungen, die Lufthansa helfen könnten, ihre Marktstellung im internationalen Luftverkehr weiter zu stärken. Insbesondere in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Erholung der Luftfahrtindustrie nach der Pandemie ist eine solche Expansion ein wichtiger Schritt für Lufthansa, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ita: Der schwierige Weg der italienischen Fluggesellschaft

Die Italia Trasporto Aereo (Ita) wurde 2020 als Nachfolgerin der schwer angeschlagenen Alitalia gegründet. Die frühere italienische Fluggesellschaft war jahrelang von finanziellen Problemen geplagt und konnte sich trotz staatlicher Hilfen nicht stabilisieren. Ita wurde in diesem Sinne als „neues“ Alitalia-Modell geschaffen, das sich auf eine kleinere Flotte und weniger Verbindungen konzentrierte. Dennoch hat auch Ita seit ihrer Gründung mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, und das Unternehmen hat in den letzten Monaten mehrfach Verlustberichte veröffentlicht.

Aktuell beschäftigt Ita rund 4900 Mitarbeiter, was im Vergleich zur alten Alitalia deutlich weniger ist. Doch auch unter diesen Umständen stellt sich die Frage, ob die Airline alleine auf lange Sicht erfolgreich sein kann. Die Partnerschaft mit Lufthansa könnte nicht nur den finanziellen Rückhalt stärken, sondern auch das Geschäftsmodell von Ita langfristig stabilisieren.

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