Airbus A330 (Foto: Mark Bess).
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ITA Airways: Volle Integration in das Transatlantik-Geschäft als nächster Schritt

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Der deutsche Luftfahrtkonzern Lufthansa bereitet die nächste Phase der Übernahme der italienischen Fluggesellschaft ITA Airways vor. Im Sommer 2026 öffnet sich das vertraglich festgelegte Zeitfenster für Lufthansa, um die derzeit auf 41 Prozent begrenzte Beteiligung auf 90 Prozent aufzustocken.

Dieser Schritt gilt als zentrale Säule der Expansionsstrategie des Konzerns und soll die volle Integration der italienischen Airline in das globale Netzwerk von Lufthansa gewährleisten. Konzernchef Carsten Spohr hat in Rom jüngst Gespräche mit dem italienischen Wirtschafts- und Finanzminister Giancarlo Giorgetti geführt, um das weitere Vorgehen abzustimmen und die vollständige Übernahme von ITA Airways zu bekräftigen.

Die Absicht der Lufthansa, 100 Prozent der Anteile an ITA Airways zu erwerben, war von Anfang an klar kommuniziert worden. Der nächste strategische Meilenstein ist die Einbindung der italienischen Airline in das hochkarätige Transatlantik-Joint-Venture A++, das Lufthansa mit den nordamerikanischen Partnern United Airlines und Air Canada unterhält. Dies ist ein entscheidender Schritt, um ITA Airways unmittelbar im lukrativen und strategisch wichtigen US-Verkehr zu positionieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit signifikant zu steigern. Die gesamte Übernahme, einschließlich der restlichen zehn Prozent, soll spätestens bis zum Jahr 2033 abgeschlossen sein.

Der Fahrplan zur 90-Prozent-Beteiligung

Die derzeitige Eigentümerstruktur sieht vor, dass Lufthansa 41 Prozent der Anteile an ITA Airways hält, während die übrigen Anteile weiterhin beim italienischen Staat, vertreten durch das Wirtschaftsministerium, verbleiben. Die vertraglichen Vereinbarungen, die mit der italienischen Regierung getroffen wurden, sehen vor, dass Lufthansa im Sommer 2026 die Option ziehen kann, die Beteiligung auf 90 Prozent aufzustocken.

Die finanzielle Dimension dieses zweiten Übernahmeschritts ist erheblich. Für den initialen Einstieg in Höhe von 41 Prozent hatte Lufthansa eine Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro in ITA Airways geleistet. Die zweite Stufe des Übernahmeplans sieht eine weitere Überweisung von 325 Millionen Euro sowie eine mögliche Erfolgsprämie von bis zu 100 Millionen Euro direkt an den staatlichen Mitgesellschafter vor. Damit belaufen sich die Kosten für die Aufstockung der Beteiligung auf bis zu 425 Millionen Euro. Die Gesamtinvestition unterstreicht das langfristige Engagement der Lufthansa in den italienischen Markt.

Die Verhandlungen zwischen Carsten Spohr und dem italienischen Minister Giancarlo Giorgetti, über die die Zeitung Il Sole 24 Ore berichtete, zielen darauf ab, einen reibungslosen Übergang in die nächste Phase zu gewährleisten. Die enge Abstimmung mit der italienischen Regierung ist für den Erfolg des Übernahmevorhabens von zentraler Bedeutung, da der italienische Staat weiterhin ein strategisches Interesse am Erfolg der nationalen Fluggesellschaft hat.

Strategische Integration: Der Schlüssel zum Transatlantik-Markt

Der wichtigste strategische Schritt, den Lufthansa parallel zur Aufstockung der Beteiligung plant, ist die vollständige Einbindung von ITA Airways in das Joint-Venture A++. Dieses Transatlantik-Bündnis zwischen Lufthansa, United Airlines und Air Canada ist eines der profitabelsten und wichtigsten Kooperationen im internationalen Luftverkehr. Durch das Joint Venture werden Flugpläne, Preise und Einnahmen auf bestimmten Strecken koordiniert und geteilt, was den beteiligten Airlines erhebliche Wettbewerbsvorteile auf der lukrativen Nordamerika-Route verschafft.

Für ITA Airways, die momentan noch isoliert im US-Verkehr agiert, ist die Aufnahme in A++ von existenzieller Bedeutung. Nachdem die Airline ihre Verbindungen zum früheren SkyTeam-Partner Delta Air Lines gekappt hat, fehlt ihr aktuell ein starker Partner für den transatlantischen Markt. Die rasche Einbindung würde ITA Airways nicht nur Zugang zu einem dichten Netzwerk und gemeinsamen Erträgen in Nordamerika verschaffen, sondern auch ihre Position im globalen Luftverkehrsgeschäft fundamental stärken.

Kartellrechtliche Hürden und politische Beschleunigung

Die Pläne von Lufthansa sind jedoch an die Zustimmung der Kartellbehörden gebunden. Lufthansa hat den Antrag auf die notwendige kartellrechtliche Freigabe für die Einbindung von ITA Airways in das Transatlantik-Joint-Venture bereits im September in Washington hinterlegt. Die US-Wettbewerbsaufsicht spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da eine enge Zusammenarbeit in diesem Umfang in Nordamerika genehmigt werden muss.

Lufthansa strebt laut Presseberichten das grüne Licht der US-Wettbewerbsaufsicht bis Juni 2026 an. Dieser zeitliche Rahmen ist bewusst gewählt, da er mit dem Öffnen des Fensters für die Option auf weitere 49 Prozent an ITA Airways zusammenfällt. Die Synchronisierung von kartellrechtlicher Freigabe und Anteilsaufstockung ist entscheidend, um ITA Airways unmittelbar nach der Mehrheitsübernahme in das profitable A++-Joint-Venture integrieren zu können.

Die Rolle der italienischen Regierung ist auch in diesem Zusammenhang von Bedeutung. In Frankfurt wird gehofft, dass Italien den Vorgang in den USA beschleunigen könnte. Politische Unterstützung für die schnelle kartellrechtliche Genehmigung könnte den Übernahmeprozess erleichtern und die Integration der italienischen Airline in das internationale Netzwerk beschleunigen, was sowohl im Interesse der Lufthansa als auch der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit von ITA Airways liegt. Die erfolgreiche Übernahme und Integration von ITA Airways würde die Lufthansa als größten Luftfahrtkonzern Europas weiter festigen und die Marktmacht der Gruppe im Mittelmeer-Raum und auf der wichtigen Nord-Süd-Achse deutlich ausbauen.

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