Die italienische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde AGCM hat eine Geldstrafe in Höhe von 9 Millionen Euro gegen das Online-Reiseportal eDreams verhängt. Die Entscheidung folgt einer intensiven Untersuchung des gebührenpflichtigen Abonnementsystems „Prime“. Die Behörde stellte fest, dass eDreams Verbraucher über die tatsächliche Höhe von Rabatten getäuscht und Preisunterschiede nicht transparent offengelegt habe. Besonders kritisch bewerteten die Kontrolleure den Einsatz von psychologischen Manipulationen in internen Prozessen, um die Zahl der Abonnements zu steigern, sowie die Praxis, Kunden während des Buchungsvorgangs unwissentlich in kostenpflichtige Verträge zu binden.
Der irische Billigflieger Ryanair, der sich seit Jahren in Rechtsstreitigkeiten mit verschiedenen Online-Reisevermittlern befindet, bezeichnete die Strafe umgehend als unzureichend. Nach Ansicht der Fluggesellschaft schütze die Sanktion die europäischen Verbraucher nicht effektiv vor versteckten Vermittlungsgebühren. Ryanair wirft eDreams vor, Flugpreise und Zusatzleistungen durch nicht deklarierte Aufschläge künstlich zu erhöhen. Während andere Portale wie Booking.com oder Kiwi mittlerweile Vereinbarungen mit der Airline getroffen haben, um transparente Preise anzuzeigen, verweigert eDreams laut Ryanair weiterhin die Übernahme solcher Standards.
In Deutschland wurde die Preisgestaltung von eDreams ebenfalls bereits gerichtlich überprüft. Das Landgericht Hamburg untersagte dem Unternehmen in der Vergangenheit irreführende Preisdarstellungen, bei denen Rabatte nur unter sehr spezifischen Zahlungsbedingungen gewährt wurden. Die aktuelle italienische Untersuchung untermauert diese Einschätzung nun auf europäischer Ebene. Die AGCM betonte, dass die Preisanzeige maßgeblich davon abhing, ob Nutzer über Metasuchmaschinen oder direkt auf die Seite zugriffen, was zu einer unzulässigen Verzerrung des Wettbewerbs geführt habe.
Ryanair fordert angesichts der Ermittlungsergebnisse ein entschlosseneres Durchgreifen der EU-Verbraucherschutzbehörden gegen das Geschäftsmodell von Online-Reisebüros, die Flugdaten ohne direkte Genehmigung der Fluggesellschaften nutzen („Screenscraping“). Die Fluggesellschaft empfiehlt Passagieren dringend die Direktbuchung, um Manipulationen durch Vermittler zu entgehen. Der Konflikt verdeutlicht die anhaltenden Spannungen im digitalen Reisemarkt, in dem Fluggesellschaften zunehmend versuchen, die Kontrolle über den Vertrieb ihrer Tickets zurückzugewinnen und externe Vermittler auszuschließen.