Jolanthe und der Nussknacker (Foto: Angelika Evergreen).
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Jolanthe und der Nussknacker: Für Kinder geeignet oder eher nicht?

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Die Volksoper Wien und das Wiener Staatsballetts in Kooperation mit der Tokyo Nikikai Opera Foundation hat ein Märchen – Ballett in Form eines Musiktheaters für die ganze Familie unter dem Titel “Jolanthe und der Nussknacker” von Peter Iljitsch Tschaikowski veröffentlicht. 

Dieses Stück ist das Resultat der Zusammenarbeit unter der Regie von Lotte de Beer, der Choreographie von Andrey Kaydanovskiy und der musikalischen Leitung von Omer Meir Wellber. Dies ist eine Mischung aus der lyrischen Oper, dem Libretto von Tschaikowski nach Henrik Hertz Schauspiel König Renés Tochter der deutschen Umdichtung nach Hans Schmidt und der Geschichte eines Nussknackers von Alexandre Dumas (Vater) und Nussknacker und  Mausekönig von E.T.A. Hoffmann.  Daniel Kahneman sagte einmal “We are blind to our blindness”. Dieses Zitat spiegelt die Essenz des Stücks.

Inhalt des Stücks 

Die junge Frau Jolanthe, die Tochter von König René, lebte ein glückliches, sorgenloses Leben. Sie spielte mit ihren Freundinnen und die Sorgen waren ihr fremd. Als sie Vaudemont kennenlernt, verändert sich ihr ganzes Leben. König René kümmert sich liebevoll um seine Tochter Jolanthe und verheimlicht ihr, dass sie nicht sehen kann.

Ibn Hakia wird eine große Heilkraft nachgesagt und rät dem König, dass seine Tochter sich ihrer Blindheit stellen muss, indem sie ihr bewusst wird und dadurch kann sie geheilt werden. Der König verweigert Diesem den Zugang und verhindert dadurch die Genesung seiner eigenen Tochter. Jolanthe ist seit Kindesalter Robert, der Herzog von Burgund als zukünftige Frau versprochen, jedoch schlägt sein Herz für eine andere. Wiederum verliebt sich der Ritter Vaudemont vom ersten Blick in Jolanthe. Er bittet sie, ihm eine rote Rose zu pflücken, jedoch bringt die blinde Jolanthe ihm zwei mal eine weiße Rose. Er erkennt, dass sie blind ist und dass sie nichts davon wisse. Dadurch steckt er in einer Zwickmühle. Er weiß nicht, ob er ihr die Wahrheit über ihre Blindheit enthüllen soll.

Darbietung – bitte nicht mit Kindern unter 11 hingehen!

Das Stück wird auf Deutsch gesungen, die Opernsänger singen sehr hoch und es ist für mich unverständlich, wie das Stück wirklich Kinder und Jugendliche begeistern soll.

Das Gesungene wird an Bildschirmen ausgestrahlt, finde es jedoch unnötig, weil die meisten Kinder im Publikum nicht gleichzeitig mit der Geschichte auf der Bühne und mit dem Lesen der Handlung zurechtgekommen sind. Am schlechtesten habe ich Jolanthe verstanden. Die anderen Darsteller haben meiner Meinung nach langsamer und deutlicher gesungen. Die Bühne ist sehr klein und das Bühnenbild hätte besser gestaltet werden können. Die Hauptprotagonisten waren alle sehr lieblos und uninteressant gekleidet. Die Tänzer waren alle weiß gekleidet, Jolanthe hatte ein sehr unvorteilhaftes weißes Kleid an. Die Figuren von Jorine van Beek waren fabelhaft. Diese Figuren wurden Candy Children genannt. Sie hatten prachtvolle, bunte, fantasievolle Kostüme an. 

Jolanthe und der Nussknacker (Foto: Angelika Evergreen).

Zurück zum Inhalt

Jolanthe ist eine heranwachsende junge, kreative und vor allem fantasiereiche Figur, die dank ihres sehr bemühten Hofstaats sorglos und glücklich vor sich hin lebt. Diese Phase der Unbeschwertheit bis zur Suche nach dem fehlenden Element ihres Lebens wurde dramaturgisch sehr liebevoll aufgearbeitet. 

Sie träumt von einer Märchenwelt mit einem Prinzen in Gestalt eines Nussknackers. Ihr Traum wird zum Alptraum, indem ihr Vater als bedrohlicher Mäusekönig vorkommt und sie mit seiner Fürsorge erdrückt. Der Arzt erklärt Jolantha das Zusammenspiel von Körper und Geist und wie wichtig es sei, dass sie ihre Blindheit wahrnimmt und durch die Akzeptanz geheilt und ihre Umwelt endlich erblicken wird. Ihr Vater lehnt die Behandlung ab und dadurch verwandelt sich ihre imaginäre Welt in einen Alptraum, indem die Männer zu unbehaglichen, furchteinflößenden Gestalten werden. Der ummauerte Garten des Hofs ist der gut behütete Bereich der Prinzessin und das Betreten wird mit dem Tod bestraft. Herzog Robert, der zukünftige Mann von Jolanthe, der in eine andere verliebt ist, und der Ritter Vaudemont ignorieren die Warnung und betreten ihn.

Der Ritter verliebt sich in die Prinzessin, ohne zu wissen, wer sie ist. Jolanthe stellt sich sofort eine Liebesszene mit dem Ritter vor. Vaudemont bittet Jolanthe ihr eine rote Rose als Andenken an Sie, ihm zu schenken, weil er sich unheimlich in die ihm unbekannte verliebt hat. Sie pflückt zwei mal eine weiße Rose statt einer Roten und in diesem Augenblick erkennt der Ritter, dass sie Blind sei und zweitens, dass ihr die Unfähigkeit zu sehen nicht bewusst ist. Die Szene wurde von den Akteuren toll gespielt. Daraufhin erklärt er ihr, was Licht und Sehkraft sind. Diese Liebeserfahrung ist für sie sehr schmerzhaft. Das Zitat von Daniel Kahneman: „We are blind to our blindness”, beschreibt ihre erlebte Erfahrung sehr gut. Das Bewusstwerden der nicht verfügbaren Sehkraft beunruhigt, verwirrt und schmerzt sie sehr. Jolanthe wirft ihrem Vater vor, dieses Geheimnis verheimlicht zu haben und möchte sich der Behandlung unterziehen, falls ihr Vater damit einverstanden ist. 

Nur der König und der Arzt weißen den Ritter auf das unerlaubte betreten des Gartens hin und teilen ihm die Todesstrafe mit. Jolanthe bittet den Arzt, die Behandlung durchzuführen. Sie fleht den König an, den Ritter zu begnadigen. Herzog Robert kehrt zurück, erkennt den König und verkündet ihm, er wollte seine Tochter nicht heiraten. Der Ritter bittet um die Hand von Jolanthe an, die nach der durchgeführten Behandlung das erste Mal ihre Umwelt erfolgreich erblickt. Jolanthe fällt es schwer, ihre Umwelt im Realen zu sehen, wendet ihre Gabe an und erblindet wieder freiwillig. 

Fazit: Wie hat das Publikum dieses Stück wahrgenommen, meine Beobachtungen:

Die letzte Szene war auch gut dargestellt. Im Großen und Ganzen war das Stück zu wenig an das jüngere Publikum angepasst. Das Stück war auch für die anwesenden Kinder Altersstufe zu grau und zu steif. Die meisten Kinder waren nach der Pause sehr unruhig und mussten von ihren Eltern mit Handys und ähnlichen unterhalten werden. Ich war im Kindertheater und habe schon viele Kinderopern gesehen, die besser an ihr junges Publikum angepasst worden sind.

Weniger ist manchmal mehr und in diesem Fall haben die Kinder wenig davon mitnehmen können. Die Kostüme der Darsteller von der Phantasiewelt von Jolanthe waren traumhaft. Schade, dass sie nur ein paar Minuten auf der Bühne ihren Auftritt hatte. Das Bühnenbild hätte auch mit preisgünstigen Optionen aufgewertet werden können. Die Prinzessin hätte auch ein besseres Kostüm bekommen können. Die Garderobe von Ritter, König, Arzt und Herzog war viel interessanter als ihres. In den Szenen mit den Balletttänzern ist sie ganz untergegangen. Ich persönlich hätte meinen Schülern dieses Stück nicht besucht und würde es auch keinem Kollegen empfehlen. 

Jolanthe und der Nussknacker (Foto: Angelika Evergreen).

Essenz des Stücks 

Das Zitat von Daniel Kahneman “We are blind to our blindness” spiegelt genau die Essenz des Stücks wider. Es stellt sich die Frage, ist es besser jemandem, der nie gesehen hat, die Sehkraft zu schenken oder besser nicht?. Die zweite Frage wäre, kann jeder, der ohne Sehvermögen gelebt hat, mit dieser neuen Fähigkeit umgehen und glücklich werden? Im Fall von Jolanthe war sie viel glücklicher sich Sachen vorzustellen, als Diese tatsächlich im realen zu sehen. Die Problematik dieser Gabe kann gut im Klassen Rahmen ausgearbeitet werden. Sie bietet viele Möglichkeiten, den Inhalt des Stücks zu zerpflücken und ihn mit diversen Arbeitsaufträgen in allen möglichen Gegenständen zu erarbeiten. Gerade im Kunst- und Deutsch- oder Sprachunterricht gibt es unerschöpfliche Möglichkeiten. Es können auch Theaterstücke von Jugendlichen und Kindern entworfen werden, die eine andere Wendung mit der Zeit nehmen.  

Für die Unter- und Oberstufe bietet die Darstellung viele mögliche Gesprächs- und Diskussionschancen.  

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