Im anhaltenden Rechtsstreit um die Mängel und das vorübergehende weltweite Flugverbot der Boeing 737 Max sieht sich der US-amerikanische Flugzeugbauer mit einer weiteren Klage konfrontiert.
Vier auf den Cayman Islands registrierte Zweckgesellschaften, die als Eigentümerinnen von zwölf ehemals oder aktuell von der skandinavischen Fluggesellschaft Norwegian genutzten Maschinen fungieren, bereiten rechtliche Schritte vor einem US-Gericht vor. Die Gesellschaften machen geltend, dass der im Jahr 2021 geschlossene Vergleich zwischen der Norwegian Air Shuttle ASA und Boeing ihre eigenen finanziellen Ausfälle und Schadensersatzansprüche nicht abdeckt.
Hintergrund des Rechtsstreits sind die operativen Verluste und Wertminderungen, die durch die zweijährige Stilllegung der Flotte nach zwei tödlichen Abstürzen entstanden sind. Norwegian und deren Leasing-Tochter Arctic Aviation Assets hatten den US-Konzern im Jahr 2020 wegen Vertragsbruchs und irreführender Angaben bezüglich der Flugeigenschaften sowie des Schulungsbedarfs verklagt. Die spätere Außergerichtliche Einigung brachte Norwegian Erträge in Höhe von rund zwei Milliarden Norwegischen Kronen (etwa 170 Millionen Euro) ein. Die vier klagenden Eigentümergesellschaften betonen jedoch, als eigenständige Rechtspersonen keinen Ausgleich für die Wertverluste ihrer zwölf Flugzeuge erhalten zu haben.
Im Rahmen der Vorbereitung des Hauptverfahrens streben die Kläger die Vorladung eines ehemaligen leitenden Boeing-Managers an, um detaillierte Einblicke in die internen Entscheidungsprozesse und die Kommunikation bezüglich der Zulassung des Flugzeugtyps zu erhalten. Das zuständige Gericht hat den Beginn der Verhandlung für den 16. Februar 2027 angesetzt. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass dieser Fall die Komplexität von Leasing- und Eigentümerstrukturen in der Luftfahrtindustrie verdeutlicht und zeigt, wie langwierig die rechtliche Aufarbeitung der 737-Max-Krise für den Hersteller bleibt.
Für Boeing bedeutet die Klage eine erneute finanzielle und juristische Belastung in einem Segment, das nach wie vor von Nachwirkungen der Kaskade an Qualitätsproblemen geprägt ist. Auch wenn der Klagebetrag im Vergleich zum Gesamtschaden der 737-Max-Flugverbote moderat ausfallen dürfte, erhöht die verlangte Zeugenaussage den Druck auf die Transparenz interner Managemententscheidungen des Flugzeugbauers.