Die Regierung der Kanarischen Inseln hat eine weitreichende neue Regelung für die Ferienvermietung (Viviendas Vacacionales) erlassen, die umgehend für erhebliche Unsicherheit auf den regionalen Immobilienmärkten sorgt, insbesondere im Süden Gran Canarias. Das Gesetz sieht ein fünfjähriges Moratorium für die Genehmigung neuer Lizenzen für touristische Apartments vor und überträgt den lokalen Gemeindeverwaltungen umfassende Kontrollbefugnisse. Diese politische Intervention stellt eine direkte Herausforderung für Investoren, insbesondere private Investmentfonds, dar, deren Geschäftsmodell auf den Erwerb und die Vermarktung von Immobilien über Plattformen wie Airbnb basiert.
Die einschneidendste Maßnahme ist der fünfjährige Stopp für die Erteilung neuer Vermietungslizenzen (VV-Lizenzen). Dies friert die Expansionsfähigkeit von Investoren im Kurzzeitvermietungssegment faktisch ein, wobei lediglich bereits registrierte Objekte ausgenommen sind. Experten erwarten, dass der Wert sogenannter Bestandsimmobilien mit vorhandener Lizenz massiv steigen wird, da die Genehmigung zu einem knappen Gut wird. Im Gegensatz dazu dürften die Preise für nicht registrierte oder neu gebaute Immobilien, die für die touristische Vermietung gedacht waren, sinken, da eine Monetarisierung über dieses Modell stark eingeschränkt ist. Darüber hinaus wird befürchtet, dass ein mögliches Verbot der Übertragbarkeit der Vermietungslizenzen beim Verkauf oder der Vererbung den langfristigen Wert der Tourismusinvestitionen weiter mindern könnte.
Die neue Gesetzgebung führt zudem eine strikte Obergrenze ein, die die touristische Nutzung auf maximal 10 Prozent der gesamten bewohnbaren Fläche (auf kleineren Inseln 20 Prozent) begrenzt. In stark nachgefragten Zonen wie Teneriffa und dem Süden Gran Canarias wird dieses Limit als nahezu unüberwindbare Wachstumsgrenze für die Zukunft angesehen. Ein weiterer Engpass entsteht durch das Verbot, Geschäftsräume oder Neubauten (innerhalb der ersten zehn Jahre) in touristische Unterkünfte umzuwandeln. Ein wesentlicher Bestandteil der Regelung ist die Delegation der Entscheidungsbefugnis an die lokalen Kommunen: Diese müssen nun spezifische Pläne zur Festlegung der zulässigen Standorte und Dichten der Ferienvermietung verabschieden. Diese Dezentralisierung verkompliziert Investitionen, da Akteure sich nun auf potenziell unterschiedliche und veränderliche lokale Vorschriften einstellen müssen.
Die kanarische Regionalregierung reagiert mit dieser massiven regulatorischen Intervention auf den dringenden politischen Wunsch, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten und dem Bevölkerungsdruck entgegenzuwirken. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Immobilien dem Wohnungssektor zuzuführen und der Verknappung von Wohnraum entgegenzuwirken. Betreiber und Investmentfonds sehen sich nun mit einem regulativen Umfeld konfrontiert, das als sehr restriktiv beschrieben wird, wodurch die langfristige Planbarkeit und der Wert ihrer Tourismus-Assets von den künftigen Entscheidungen der lokalen Behörden abhängen.