Flughafen Kassel-Calden (Foto: Robert Spohr).
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Kassel-Calden verzeichnet weiterhin Millionenverluste trotz wirtschaftlicher Impulse

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Der Regionalflughafen Kassel-Calden kämpft auch im Jahr 2026 mit seiner finanziellen Bilanz. Nach Angaben des Hessischen Finanzministeriums beläuft sich das jährliche Defizit konstant auf knapp fünf Millionen Euro, ein Betrag, der auch für das laufende Geschäftsjahr im Wirtschaftsplan veranschlagt wurde. Besonders der Linienverkehr bereitet Sorgen: Nachdem die Fluggesellschaft Sundair ihre einzige stationierte Maschine bereits 2024 abgezogen hatte, verzeichnete der Flughafen im Winterhalbjahr kaum regelmäßige Flugverbindungen. Erst ab Ende Januar finden sich vereinzelte Ziele wie Gran Canaria und Teneriffa im Flugplan wieder. Die Umsetzung von Kooperationen mit alternativen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern gestaltet sich laut Branchenberichten weiterhin als schwierig.

Trotz der roten Zahlen hält das Land Hessen, das mit 68 Prozent der größte Anteilseigner ist, am Standort fest. Das Ministerium argumentiert mit der volkswirtschaftlichen Bedeutung und der sogenannten Umwegrentabilität. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs (ZFL) belegt, dass sich seit der Eröffnung im Jahr 2013 die Zahl der direkten Arbeitsplätze am Flughafen um über 82 Prozent auf knapp 1.300 erhöht hat. Insgesamt werden dem Flughafen rund 3.400 Arbeitsplätze und eine jährliche Bruttowertschöpfung von etwa 291 Millionen Euro zugeschrieben. Das generierte Steueraufkommen von über 72 Millionen Euro pro Jahr fließt zu erheblichen Teilen an Bund, Länder und Kommunen zurück, was nach Ansicht der Befürworter die staatlichen Zuschüsse rechtfertigt.

Kritik kommt hingegen von Luftfahrtexperten wie Professorin Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences. Sie bemängelt, dass der Flughafen seine ursprüngliche Bestimmung – den infrastrukturellen Anschluss Nordhessens an den internationalen Flugverkehr – angesichts der geringen Passagierzahlen völlig verfehlt habe. Mit rund 83.000 Fluggästen im Jahr 2024 bleibt der Airport weit hinter den einstigen Prognosen von bis zu 600.000 Passagieren zurück. Ziegler verweist auf die hohe Dichte an Regionalflughäfen in Deutschland und den starken Wettbewerb, etwa durch den nahegelegenen Flughafen Paderborn. Die Ansiedlung von Unternehmen sei zwar ein Erfolg, stehe jedoch in einem fragwürdigen Verhältnis zu den Baukosten von 271 Millionen Euro und den laufenden Subventionen.

Die Zukunft des Standorts soll nun verstärkt durch neue Geschäftsfelder gesichert werden. Ein 64 Hektar großer Gewerbepark wird derzeit erschlossen, um weitere Unternehmen anzuziehen. Zudem setzt das Land auf die strategische Lage für Zwecke des Zivilschutzes, der Gesamtverteidigung sowie für technologische Entwicklungen im Bereich Drohnen und elektrisches Fliegen. Ob diese Nischenprodukte ausreichen, um den Flughafen dauerhaft wirtschaftlich zu stabilisieren, bleibt unter Experten umstritten. Während das Ministerium den Airport als unverzichtbaren Wirtschaftsmotor für den ländlichen Raum Nordhessens verteidigt, fordern Kritiker eine grundlegende Überprüfung der politischen Standortentscheidung.

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