Die Landeshauptstadt Klagenfurt bereitet sich auf eine signifikante Aufwertung ihrer Verkehrsinfrastruktur vor. Im Zentrum der jüngsten Beschlüsse des Hauptausschusses steht die Umbenennung der S-Bahn-Station Klagenfurt Annabichl in Flughafen-Klagenfurt Annabichl.
Diese Maßnahme, die auf einen Antrag der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) zurückgeht, zielt darauf ab, die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit des Kärntner Airports im überregionalen Schienennetz massiv zu steigern. Mit der vollständigen Inbetriebnahme der Koralmbahn rückt der Flughafen Klagenfurt geografisch und logistisch stärker in das Zentrum der südösterreichischen Verkehrsachse. Neben der rein namentlichen Änderung ist zudem eine bauliche Aufwertung des Verbindungsweges geplant: Eine Überdachung der rund 700 Meter langen Strecke zwischen Bahnsteig und Terminal soll den Komfort für Reisende deutlich erhöhen. Damit positioniert sich der Standort im Wettbewerb mit benachbarten Regionalflughäfen neu und setzt auf eine optimierte Anbindung an das Hochleistungsnetz der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB).
Die Koralmbahn als strategischer Beschleuniger
Die Entscheidung zur Umbenennung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen im österreichischen Eisenbahnwesen. Die Koralmbahn, als eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas, verkürzt die Fahrzeiten zwischen Klagenfurt und Graz radikal. In diesem Kontext gewinnt die Station Annabichl an Bedeutung. Mit einer Fahrzeit von lediglich fünf Minuten vom Klagenfurter Hauptbahnhof und nur einem Zwischenhalt bietet die Station eine Schnelligkeit, die viele internationale Verkehrsstandorte übertrifft. Der Vergleich mit anderen Standorten verdeutlicht das Potenzial: In Graz benötigt die S-Bahn elf Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen, wobei die dortige Station bereits vor Jahren in Flughafen Graz-Feldkirchen umbenannt wurde, um die Intermodalität zu unterstreichen.
Die Verantwortlichen in Klagenfurt argumentieren, dass der Kärntner Flughafen faktisch der zur Koralmbahn nächstgelegene Flughafen ist. Diese Nähe soll nun durch die offizielle Bezeichnung in den Fahrplänen der ÖBB und in internationalen Buchungssystemen dokumentiert werden. Die Umbenennung ist somit nicht nur ein formaler Akt, sondern ein Marketinginstrument, um Passagiere aus dem weiteren Einzugsgebiet der Steiermark und Kärntens anzusprechen, die von den kurzen Wegen profitieren möchten.
Bauliche Maßnahmen und Komfortsteigerung
Ein wesentlicher Kritikpunkt bei der Nutzung der Station Annabichl war bisher die ungeschützte Wegstrecke zum Flughafenterminal. Mit einer Distanz von etwa 700 Metern liegt der Halt zwar in komfortabler Gehweite, doch Witterungseinflüsse minderten die Attraktivität dieses Zugangsweges. Im Zuge der Neuausrichtung hat die Flughafenleitung signalisiert, die Kosten für eine Überdachung des Gehweges zu übernehmen. Diese Investition wird als notwendiger Schritt angesehen, um den Premiumanspruch eines modernen Verkehrsflughafens zu erfüllen.
Interessanterweise ergibt sich durch diese bauliche Maßnahme ein Synergieeffekt für die lokale Bevölkerung: Auch Besucher des nahegelegenen Friedhofs Annabichl würden von dem wettergeschützten Pfad profitieren. Damit verbindet das Projekt die Interessen des internationalen Reiseverkehrs mit den Bedürfnissen der Klagenfurter Bürger. Die Distanz von 700 Metern wird von Experten im internationalen Vergleich als gering eingestuft; an Großflughäfen wie Frankfurt oder London-Heathrow legen Passagiere innerhalb der Terminals oft deutlich längere Wege zu Fuß zurück.
Vergleich mit der regionalen Konkurrenz
Die infrastrukturelle Aufwertung ist auch als Antwort auf die Entwicklungen im Alpe-Adria-Raum zu verstehen. Der Flughafen Triest verfügt über eine Bahnstation in 600 Metern Entfernung, während der Flughafen Ljubljana (Laibach) gänzlich ohne direkten Gleisanschluss auskommen muss. Klagenfurt sieht sich hier in einer vorteilhaften Position, die durch die Koralmbahn weiter gestärkt wird. Die effektive Einbindung in das S-Bahn-System ermöglicht es, den Flughafen als stressfreie Alternative zu größeren Drehkreuzen zu positionieren.
Die ÖBB sind nun gefordert, die Umstellung in den digitalen und physischen Informationssystemen zeitnah umzusetzen. Dazu gehört neben der Änderung der Stationsschilder auch die Anpassung der Ansagen in den Zügen sowie die Aktualisierung der Kartendienste. Ziel ist eine nahtlose Informationskette, die dem Reisenden bereits bei der Planung signalisiert, dass der Umstieg vom Zug zum Flugzeug in Klagenfurt ohne komplizierte Shuttle-Systeme möglich ist.
Wirtschaftliche Perspektiven und Standortpolitik
Hinter der Umbenennung steht die breitere Strategie, den Flughafen Klagenfurt wirtschaftlich abzusichern und seine Auslastung zu steigern. Eine bessere Bahnanbindung gilt in der modernen Verkehrsplanung als Grundvoraussetzung für das Wachstum eines Regionalflughafens. Durch die Koralmbahn erweitert sich das Einzugsgebiet des Flughafens theoretisch bis weit in die Steiermark hinein. Passagiere, die bisher den Flughafen Wien oder München aufgrund der besseren Erreichbarkeit wählten, könnten durch die optimierte Schnittstelle in Annabichl verstärkt lokale Angebote nutzen.
Die Politik betont, dass dieser Vorteil im Wettbewerb der Standorte aktiv ausgespielt werden muss. Die Intermodalität, also die Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger, ist ein zentraler Faktor für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts. Klagenfurt setzt hierbei auf eine kosteneffiziente, aber wirkungsvolle Maßnahme. Die Kosten für die bloße Umbenennung halten sich im Vergleich zu großen Neubauprojekten in Grenzen, während der psychologische Effekt auf Reisende und die Sichtbarkeit in Navigationssystemen als hoch eingeschätzt werden.
Zukunftsszenarien für den Flughafen-Halt
Langfristig könnte die Station Flughafen-Klagenfurt Annabichl zu einem Musterbeispiel für die Integration von Regionalflughäfen in das nationale Schienennetz werden. Experten diskutieren bereits über weitere Verbesserungen, wie etwa digitale Check-in-Automaten direkt am Bahnsteig oder integrierte Ticketlösungen, die Bahn- und Flugreise kombinieren. Solche Angebote würden den Zeitvorteil der fünfminütigen S-Bahn-Fahrt weiter unterstreichen.
Die Überdachung des Gehweges ist dabei nur der erste physische Schritt. Sollten die Passagierzahlen durch die verbesserte Anbindung steigen, könnten auch automatisierte Transportsysteme oder Rollbänder, wie sie an großen Airports üblich sind, zum Thema werden. Vorerst konzentriert sich das Vorhaben jedoch auf die zügige Umsetzung des Hauptausschuss-Beschlusses und die bauliche Basisinfrastruktur, um zum Start der nächsten Flugsaison bereits mit dem neuen Namen und verbessertem Komfort werben zu können.
Nach dem politischen Beschluss liegt der Ball nun bei den operativen Einheiten. Die Stadtverwaltung wird gemeinsam mit den ÖBB den genauen Zeitplan für die technische Umstellung koordinieren. Gleichzeitig müssen die Planungen für die Überdachung finalisiert und die entsprechenden Genehmigungsverfahren eingeleitet werden.
Die Finanzierung durch den Flughafen Klagenfurt scheint gesichert, da das Projekt als wesentlicher Baustein der Standortaufwertung betrachtet wird. Mit der Eröffnung der Koralmbahn ist der zeitliche Rahmen eng gesteckt, um die neuen Verkehrsströme optimal abzufangen und den Flughafen Klagenfurt als festen Bestandteil der überregionalen Reisekette zu etablieren.