Der Neujahrstag 2026 begann am Raleigh-Durham International Airport in North Carolina mit einem kostspieligen Zwischenfall auf dem Rollfeld. In den frühen Morgenstunden des 1. Januar kollidierten zwei Flugzeuge vom Typ Boeing 737 bei einem Schleppvorgang.
Da sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine Passagiere oder Besatzungsmitglieder an Bord der Maschinen befanden, wurden keine Verletzungen gemeldet. Dennoch führt der Vorfall zu erheblichen logistischen Problemen für die betroffenen Fluggesellschaften Avelo Airlines und Southwest Airlines sowie zu einer Streichung im Flugplan. Experten sehen in diesem Ereignis eine Fortsetzung einer Reihe von Bodenkollisionen, die die Luftfahrtbranche bereits im vergangenen Jahr beschäftigten.
Der Unfall ereignete sich, als ein Flugzeug der Avelo Airlines, eine Boeing 737-700 mit der Registrierung N707VL, von einer Parkposition im entlegenen Bereich des Flughafens zum Terminal Eins geschleppt werden sollte. Ziel des Schleppvorgangs war es, die Maschine für den morgendlichen Linienflug XP676 nach New Haven bereitzustellen. Während der Bewegung touchierte das rechte Flügelende der Avelo-Maschine das rechte Höhenleitwerk einer abgestellten Boeing 737 Max 8 der Southwest Airlines. Die betroffene Southwest-Maschine mit dem Kennzeichen N8909L war über Nacht auf dem Vorfeld geparkt worden und hatte für den betreffenden Tag keinen fest eingeplanten Einsatz.
Unterschiedliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb
Trotz der geringen Geschwindigkeit beim Zusammenstoß waren die Auswirkungen auf den operativen Betrieb unmittelbar spürbar. Avelo Airlines sah sich gezwungen, den geplanten Flug nach New Haven ersatzlos zu streichen, da kurzfristig kein Ersatzflugzeug zur Verfügung stand. Passagiere, die bereits am Terminal warteten, mussten auf spätere Verbindungen umgebucht oder entschädigt werden. Da Raleigh-Durham ein wichtiger Stützpunkt für Avelo ist, bestand für einige Reisende die Hoffnung, auf einen späteren Mittagsflug auszuweichen, wobei unklar blieb, ob die Kapazitäten für alle betroffenen Kunden ausreichten.
Im Gegensatz dazu blieb der Vorfall für Southwest Airlines weitgehend ohne Folgen für den aktuellen Flugplan. Da die beschädigte Boeing 737 Max 8 ohnehin als Reserve oder für spätere Einsätze am Boden stand, mussten keine Flüge annulliert werden. Dennoch stellt die Beschädigung eines modernen Flugzeugtyps wie der Max-Serie einen bedeutenden materiellen Schaden dar, dessen Behebung spezialisierte Techniker erfordert.
Herausforderungen bei der Reparatur und Wartung
Die logistischen Konsequenzen der Reparaturarbeiten unterscheiden sich für die beiden Fluggesellschaften erheblich. Für Avelo Airlines stellt der Standort Raleigh-Durham eine Wartungsbasis dar. Techniker vor Ort konnten unmittelbar nach dem Vorfall mit der Schadensbegutachtung beginnen. Da die Beschädigungen am sogenannten Winglet – der hochgezogenen Flügelspitze – als vergleichsweise leicht eingestuft werden, gehen Branchenexperten davon aus, dass die N707VL nach einem schnellen Austausch der betroffenen Komponenten zeitnah in den Dienst zurückkehren kann.
Komplizierter stellt sich die Situation für Southwest Airlines dar. Die Fluggesellschaft betreibt am Flughafen Raleigh-Durham keine eigene Wartungsstation für größere Reparaturen. Während kleinere Defekte oft von mobilen Teams behoben werden können, gilt ein Schaden am Höhenleitwerk als strukturell deutlich sensibler. Das Höhenleitwerk ist für die Stabilität und Steuerung des Flugzeugs um die Querachse essenziell. Southwest muss nun entscheiden, ob die notwendigen Ersatzteile und Spezialwerkzeuge nach North Carolina eingeflogen werden oder ob die Maschine nach einer provisorischen Instandsetzung zu einer der großen Wartungshub der Airline überführt wird.
Statistische Häufung von Bodenunfällen
Der Vorfall in Raleigh-Durham ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Statistik ein, die bereits im Jahr 2025 durch mehrere ähnliche Vorkommnisse auffiel. Analysten der Luftfahrtsicherheit beobachten mit Sorge, dass Kollisionen auf dem Vorfeld trotz moderner Überwachungstechnik und strenger Protokolle weiterhin vorkommen. Im vergangenen Herbst kam es beispielsweise in Houston zu einer Berührung der Flügelspitzen zweier Maschinen von United Airlines während des Zurücksetzens vom Gate. Auch in Chicago und San Francisco wurden ähnliche Zwischenfälle gemeldet, bei denen Flugzeuge beim Rollen oder Schleppen beschädigt wurden.
Während Unfälle während des Rollens unter eigener Triebwerkskraft oft auf menschliches Versagen im Cockpit oder Missverständnisse mit der Flugsicherung zurückzuführen sind, liegt die Verantwortung bei Schleppvorgängen wie dem in Raleigh-Durham primär beim Bodenpersonal. Die Koordination zwischen dem Fahrer des Schleppfahrzeugs und den sogenannten Wing-Walkern – Personal, das die Flügelenden während der Bewegung überwacht – ist entscheidend. Fehlende Aufmerksamkeit oder mangelnde Kommunikation in den frühen Morgenstunden gelten als häufige Ursachen für solche Zusammenstöße.
Wirtschaftliche Folgen für die Luftfahrtunternehmen
Die finanziellen Belastungen durch solche Bodenkollisionen sind erheblich. Neben den direkten Reparaturkosten, die je nach Schwere des Schadens im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen können, entstehen indirekte Kosten durch den Ausfall der Flugzeuge. Ein gegroundetes Flugzeug generiert keinen Umsatz, verursacht aber weiterhin Fixkosten. Für eine kleinere Fluggesellschaft wie Avelo schlägt zudem die Entschädigung der Passagiere nach geltenden Fluggastrechten sowie der potenzielle Imageverlust durch Annullierungen zu Buche.
Versicherungstechnisch werden solche Schäden meist über umfassende Kaskoversicherungen für Luftfahrzeuge abgewickelt, wobei die Klärung der Schuldfrage zwischen dem Flughafenbetreiber, dem Bodenverkehrsdienstleister und der Fluggesellschaft oft langwierige Verhandlungen nach sich zieht. Im aktuellen Fall wird untersucht, ob die Bodenmarkierungen ausreichend beachtet wurden und ob das Bodenpersonal die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände korrekt eingeschätzt hat.
Zukunft der Sicherheitsvorkehrungen am Boden
Als Reaktion auf die Häufung solcher Vorfälle diskutiert die internationale Luftfahrtbehörde verstärkt über den Einsatz assistierter Systeme beim Bodentransport. Sensorgestützte Warnsysteme an den Flügelspitzen und am Heck könnten Schleppfahrer künftig warnen, wenn ein Hindernis unterschritten wird. Bis solche Technologien jedoch flächendeckend eingeführt sind, bleibt die visuelle Überwachung durch das Bodenpersonal das wichtigste Sicherheitsinstrument.
Der Vorfall am Raleigh-Durham International Airport verdeutlicht, dass selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten und ohne Passagiere an Bord massive Störungen im Luftverkehrssystem entstehen können. Während die Untersuchungen der lokalen Behörden und der Fluggesellschaften andauern, wird der Fokus darauf liegen, die beschädigten Maschinen so sicher und effizient wie möglich wieder in die Luft zu bringen.