Kommentar: Deutschland redet sich Condor-Urteil schön

Condor-Heckflossen (Foto: LXM Group / Dirk Grothe).
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Kommentar: Deutschland redet sich Condor-Urteil schön

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Gerichtsurteile kann man unterschiedlich interpretieren. So auch im Fall der Condor-Staatshilfe, denn Politik und Gewerkschaften versuchen derzeit die Entscheidung des Gerichts der Europäischen Union schönzureden, so dass der Eindruck entsteht, dass die EU-Kommission lediglich die Begründung nachzubessern habe und nichts wäre geschehen.

Der Umstand, dass die deutsche Bundesregierung einer defizitären Ferienfluggesellschaft bereits zweimal dreistellige Millionenbeträge bereitgestellt hat und dies in der Bevölkerung auch kaum diskutiert wird, liegt wohl auch an der Underdog-Kommunikationsstrategie von Condor. Man wäre unverschuldet in die Situation geraten und Lufthansa wolle Condor vom Markt fegen.

Innerhalb des Thomas-Cook-Konzerns mag Condor profitabel gewesen sein, doch die mittlerweile nicht mehr existierenden Reiseveranstalter waren die Hauptabnehmer der Tickets. Die Ferienfluggesellschaft konnte noch nicht unter Beweis stellen, dass sie standalone überhaupt überlebensfähig ist, denn seit der Pleite der Muttergesellschaft half der deutsche Staat aus. Im Zuge des Verkaufs von 51 Prozent wurde beiläufig kommuniziert, dass die Regierung gar ein drittes Mal Geld zur Verfügung stellen wird.

Corona und die Bundestagswahl führen dazu, dass sich die Regierung nicht traut der Realität ins Auge zu blicken: Condor hat eine in die Jahre gekommene Flotte und das Geschäftsmodell ist bedingt durch die Pleite des einstigen Reisekonzerns kompliziert. Da helfen auch die schärfsten Handgepäckbestimmungen der Branche nicht viel.

Es bleibt im Sinne der Condor-Beschäftigten zu hoffen, dass die deutsche Regierung den Ferienflieger nach der Bundestagswahl nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Im Jahr 2017 wurde Air Berlin mit Staatshilfe so lange in der Luft gehalten, dass die Wahl über die Bühne gebracht werden konnte. Unmittelbar danach begann die Auflösung der einst zweitgrößten Airline Deutschlands. Zumindest in der Theorie könnte auch Condor ein solches Schicksal drohen, es sei denn dem Carrier gelingt es über den Sommer ausreichend Geld zu verdienen, um über den traditionell eher schwächeren Winter zu kommen. Gelingt Condor das, dann wird niemand mehr Fragen stellen. Wenn nicht? Dann bleibt den Mitarbeitern nur die Hoffnung, dass sich “Air Berlin nach der Wahl” nicht wiederholt.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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