Kommentar: Mal wieder Lockdown wegen Ineffizienz

Lockdown (Foto: Pixabay).
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Kommentar: Mal wieder Lockdown wegen Ineffizienz

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Der neuerliche Lockdown, in den die österreichische Regierung das Land schickt, wirkt sich wenig überraschend auch in der Luftfahrt nachteilig aus. Seit Donnerstag verzeichnen die ab der Alpenrepublik tätigen Airlines stark rückläufige Neubuchungszahlen. Der Billigflieger Wizz Air dünnte kurzfristig das Flugangebot ab Wien aus.

Der Mitbewerber Eurowings entschied sich zur kurzfristigen Streichung der Nonstop-Verbindungen ab Graz und Linz nach Stuttgart bzw. Düsseldorf. Die Routen pausieren jedoch nicht „nur“ bis zum 12. Dezember 2021, sondern mindestens bis 10. Jänner 2022. Ob dieser Termin halten wird? Abwarten, denn in der Vergangenheit wurden Wiederaufnahmen schon öfters verschoben.

Während einige Lockdown-Anhänger diesen nun regelrecht feiern, geht es in vielen Branchen, darunter auch Luftfahrt und Touristik, wieder ums Überleben. Einige Politiker trällerten Ende der vergangenen Woche, dass der Lockdown auch notwendig sein soll, um die Schisaison retten zu können. Das Gegenteil dürfte der Fall sein, denn das Vertrauen der Incoming-Touristen wurde erneut schwer beschädigt, denn viele Hoteliers berichten, dass sie übers Wochenende mit einer regelrechten Stornowelle konfrontiert waren. Vielen – auch Geimpften – dürfte es zu „heiß“ sein einen Winterurlaub in Österreich zu verbringen, denn man weiß ja nicht wie lange der Lockdown wirklich dauert und ob nicht unmittelbar vor der Anreise dann die Regierung die Hotels schließen lässt und man womöglich noch auf Stornokosten sitzen bleibt.

Incoming-Schicharter wackeln

Südtirol hingegen kann sich schon als „Gewinner“ des österreichischen Lockdowns sehen, denn in den letzten Tagen sind in den dortigen Schiregionen die Neubuchungszahlen nach oben geschossen. Dem Vernehmen nach sollen einige ihre Urlaube in Tirol, Salzburg und Vorarlberg storniert haben und neu in Südtirol gebucht haben. Von Veranstaltern ist zu hören, dass das Ziel Österreich für Winterurlaube so gut wie gar nicht mehr nachgefragt ist.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, so dürften an den Flughäfen Salzburg und Innsbruck enorm viele Incoming-Charterflüge ernsthaft wackeln. In der Hand haben dies eigentlich nur zwei Personengruppen: Die Bundesregierung, die eine klare Linie vorgeben muss und bei ausländischen Touristen Vertrauen schaffen muss und natürlich die Urlauber selbst, die es in der Hand haben, ob sie in Österreich, Südtirol, der Schweiz oder wo auch immer ihren Urlaub verbringen wollen. Momentan hat die Alpenrepublik keine guten Karten und es ist absolut nachvollziehbar, dass man sich wohl nicht auf das Risiko, dass man nirgendwo übernachten darf, einlassen möchte.

Demnach ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass hinter den Kulissen bereits an einem absurden Notfallplan gedoktert wird. Die einheimische Bevölkerung massiv einschränken, aber gleichzeitig den Wintersporttourismus emöglichen. Wie das gehen soll? Nun, die Einheimischen könnten im Lockdown (oder Lockdown für Ungeimpfte) gehalten werden, während den ausländischen Gästen quasi eine heile Welt vorgespielt wird. Hauptsache das Geld landet an den Liftkassen und in jenen der Hotels.

Lockdowns sind jetzt „knackig“

Österreich brauche einen „kurzen, knackigen Lockdown“, sagte am Donnerstag ein Politiker aus Vorarlberg. Nun sind wir also so tief gesunken, dass Lockdowns und die damit verbundenen Einschränkungen für die Bevölkerung als „knackig“ dargestellt werden. Der Bezug zur Realität scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Das Gesundheitssystem müsse man vor dem Kollaps bewahren, jedoch steht dieses nicht vor dem Kollaps, sondern wird ineffizient genutzt und nicht alle Ressourcen kommen zum Einsatz.

Während in manchen Krankenhäuser Ärzte und Pfleger stark belastet sind, gibt es viele Privatärzte, die weiterhin Geldscheine zählen statt an der „Coronafront“ mitanzupacken. Ausgerechnet die lautesten Lockdown-Schreier und selbsternannten „Experten“ gehören dieser Zunft von Ärzten an. Griechenland forderte Privatärzte dazu auf, dass diese sich freiwillig zur Mithilfe in den Krankenhäusern melden sollen. Lediglich 40 Mediziner haben sich gemeldet. Das Gesundheitsministerium zog daraufhin allein in Athen 85 Privatärzte ein, die mittels Bescheid zum Dienst in den Spitälern verpflichtet wurden. Dazu gab es eine persönliche Zustellung durch die Polizei und mit dem Streifenwagen ging es sofort in die Krankenanstalten.

Mit solchen Maßnahmen hätte man auch in Österreich die personelle Problematik in den Spitälern lindern können, jedoch traut sich Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) schlichtweg nicht an geldscheinzählende Privatärzte heran. Warum wohl? Diese Zunft ist in seinem Beraterkreis überproportional stark vertreten und es gibt pro Stunde deutlich weniger Geld zu verdienen. Man müsste aber nicht unbedingt zwangsweise in den Spitalsdienst einrücken lassen, sondern die medizinische Heimbetreuung von positiv Getesteten könnten diese auch übernehmen. Bis heute gibt es keine fliegenden Ärzteteams, die Coronapatienten zu Hause betreuen und mit passenden Medikamenten versorgen. Damit ist ausdrücklich nicht Herbert Kickls Wurmmittel gemeint.

In der Realität sieht es leider so aus, dass positiv Getestete null medizinische Abklärung erhalten und sogar den Bezirkshauptmannschaften für den Erhalt ihrer Absonderungsbescheide (benötigt der Dienstgeber) hinterlaufen müssen. Die 1450-Hotline erweist sich als wenig hilfreich, denn es ist eine Hotline und keine ärztliche Betreuungseinrichtung. So kann es vorkommen, dass diese rotzlöffelfrech gegenüber positiv Getesteten ist und diesen erklärt, dass diese sich gedulden sollen bis sich die Bezirkshauptmannschaft meldet. Nur blöd, wenn diese sich gar nicht oder erst nach zwei Wochen meldet. Nach 14 Tagen gilt man ja als genesen.

Mangelhafte bis nicht vorhandene medizinische Betreuung

Die Hausärzte sind in einer komplizierten Situation, denn so ziemlich alles, das mit Covid-19 zum tun hat, ist der Bezirkshauptmannschaft und damit dem Amtsarzt vorbehalten. Alles in allen führt diese Bürokratie dazu, dass Personen, die problemlos zu Hause behandelt werden könnten, alleine im Regen stehen. Die 1450-Hotline sagte gar einem Erkrankten, dass dieser warten soll bis die BH anruft (was sie aber nach zehn Tagen noch immer nicht getan hatte und Anrufe in der Gesundheitsabteilung wurden gar nicht angenommen) oder halt ins Spital gehen solle, wenn er sich nicht wohlfühlt.

Aus purer Angst bauschen einige mit ultraleichten Verläufen alles auf, um in die Normalstation im Spital aufgenommen zu werden. Es ist die Angst davor, dass sich der Verlauf verschlimmert und man mitten in der Nacht Hilfe braucht und niemand fühlt sich zuständig. Viele fühlen sich dann – berechtigt – im Krankenhaus sicherer. Hier werden Patienten mit passenden Medikamenten versorgt und bekommen Behandlung. Aber: Müssen jene, die nur Angst haben, aber einen ultraleichten oder gar asymptomatischen Verlauf haben, wirklich ins Spital?

Das Überschwemmen der Krankenhäuser mit Covid-Patienten und der Umstand, dass die aktuelle Vorgehensweise schlichtweg nicht vorsieht, dass eine medizinische Abklärung nach einem positiven Test stattfindet, wirkt sich auf das Gesundheitssystem aus. Menschen, die bei rechtzeitiger Behandlung erst gar nicht auf der Intensivstation landen würden, werden zu Intensivpatienten und das wäre vermeidbar. Natürlich gibt es auch Menschen, die einfach Pech haben und einen schweren Verlauf haben. Bei vielen wäre dieser aber vermeidbar und zwar völlig egal, ob man Impfungen befürwortet oder dagegen ist. Wichtig ist, dass die Menschen spätestens ab dem positiven Test medizinisch betreut werden und falls erforderlich passende Medikamente, die von einem Arzt verordnet werden, erhalten. Leider findet das nicht statt und genau hier könnten fliegende Ärzteteams, die aus dem Korps der Privatärzte gebildet werden könnten, für massive Entlastung in den Spitälern sorgen. Und niemand sagt, dass diese kostenfrei arbeiten müssen. Der Staat sollte hierfür angemessen bezahlen, so dass dies attraktiv ist und sich genügend Privatärzte freiwillig melden. Das letzte Mittel sollte aber eine Art Zwangsverpflichtung wie in Griechenland sein.

Privatspitäler werden nicht ausreichend herangezogen

Auch die Kapazitäten der Privatspitäler werden derzeit nur mangelhaft genutzt. Diese könnten viele Patienten, die Normalstationen überfüllen, aufnehmen und damit in den öffentlichen Krankenhäusern für Abhilfe sorgen. Einige haben auch Intensivstationen, jedoch werden die privaten Kapazitäten nur wenig genutzt. Warum? Die Bürokratie ist daran schuld. Alternativ: In größerem Umfang sollten Behandlungen und Operationen, die die öffentlichen Krankenhäuser verschieben müssen, von den privaten Einrichtungen übernommen werden. So vermeidet man weitere Kollateralschäden.

Leider sind große Teile der österreichischen Politik der Meinung, dass der Lockdown das Allheilmittel ist und die Zahlen in den Keller drücken wird. Dabei wird aber missachtet, dass bei der österreichischen Bevölkerung eine Aktion vom Vorjahr gar nicht gut angekommen ist. Kurz vor Weihnachten den Lockdown II beendet damit alle zum Friseur können und Weihnachtsgeschenke einkaufen können und genau zu Weihnachten den Lockdown III starten. Dieser wurde mehrfach verlängert und dann trotz stark steigender Zahlen beendet. Wie sagte damals Sebastian Kurz? „Ein Lockdown, bei dem keiner mitmacht, bringt bix“. Das war einfach die Realität, der Lockdown III wurde von großen Teilen der Bevölkerung komplett ignoriert. Die „Osterruhe“ im Osten Österreichs, die dort eigentlich Lockdown IV war, hätte man sich komplett sparen können, denn dieser wurde subjektiv empfunden überhaupt nicht mehr ernstgenommen.

Und wie läuft es dann im „Lockdown IV für alle bzw. Lockdown V im Osten Österreichs“? Es ist anzunehmen, dass gerade jene, die geimpft sind und denen noch vor wenigen Tagen von Bundeskanzler Alexander Schallenberg versprochen wurde, dass es für sie keine Einschränkungen mehr geben wird, dieses gebrochene Versprechen wörtlich nehmen werden und die Vorschriften ignorieren werden. Einige werden bestimmt erst vor dem geschlossenen Geschäft oder Gasthaus mitbekommen, dass jetzt nicht mehr „Lockdown für Ungeimpfte“, sondern „Lockdown für alle“ ist. Vorprogrammiert ist schon, dass bis Ende April 2022 ständig mit Lockdowns zu rechnen ist. Vermutlich werden diese wie im Vorjahr kurz zum Einkaufen, Umtauschen und für den Friseur unterbrochen. Selbstverständlich wird immer versprochen, dass es der Letzte war.

PCR-Testchaos wäre vermeidbar gewesen

Und da waren ja noch die Schilifte. Da arbeitet man ja an Lösungen wie Winterurlaub im Lockdown ermöglicht werden soll. Bei dieser Gelegenheit könnte man im Hinblick der verkündeten Impfpflicht auch gleich dafür Sorge tragen, dass nach Österreich dann nur noch geimpfte Personen einreisen dürfen. Wenn man als Einwohner geimpft sein muss, aber Touristen und Nicht-Einwohner auch ungeimpft einreisen dürfen, ist doch sonst alles absurd. Oder: Diskriminierung aufgrund der Herkunft und ausnahmsweise werden mal die Einheimischen benachteiligt? (Benachteiligt in dem Sinne, dass für diese eine Pflicht gilt, die für Auswärtige nicht gilt).

Egal wie man zu den Themen Lockdown und Impfpflicht steht: Es wäre alles vermeidbar gewesen und schon im Sommer haben es die Spatzen von den Dächern gepfiffen, dass wieder Lockdowns im Winter bevorstehen. Unternommen hat die Politik so ziemlich gar nichts, obwohl genug Zeit gewesen wäre. Das Chaos rund um die PCR-Tests ist wohl das Paradebeispiel und damals wollte man sogar die Testmöglichkeiten zurückfahren und kostenpflichtig machen. Statt Kapazitäten aufstocken und auf den Winter vorbereiten war man lieber mit sich selbst beschäftigt und legte damit den Grundstein Österreich in einen unangenehmen Winter zu schicken. Die Leidtragenden sind nun jene, die mal wieder ihre Einnahmen bzw. Jobs verlieren und erneut beim AMS antreten müssen. Kurzarbeit wird von vielen kleineren Betrieben gar nicht mehr angemeldet, weil es viel zu bürokratisch ist und obendrein die Löhne vorfinanziert werden. Es kann mehrere Monate dauern bis das AMS diese erstattet und viele kleiner Betriebe, besonders im Handel und in der Gastronomie, haben das Geld gar nicht mehr in der Kassa.

Tomatenkaufen in Palermo

Die Luftfahrt wird die Auswirkungen stark zu spüren bekommen. Es ist unwahrscheinlich, dass die ambitionierten Winterflüge alle so wie angekündigt durchgeführt werden können. Legt man die momentane Lockdown-Verordnung streng aus, so ist das Verlassen des Hauses zum Zweck des Antritts einer Urlaubsreise gar nicht zulässig. Wie gut, dass nirgendwo geschrieben steht, dass man sich beispielsweise Tomaten beim Supermarkt um die Ecke kaufen muss. Auch ist nicht festgelegt welches Verkehrsmittel zur An- und Abreise zum Einkauf genutzt werden muss. Somit spricht nichts gegen Tomatenkaufen in Palermo.

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