Ryanair und Austrian Airlines in Wien (Foto: Robert Spohr).
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Kommentar: Österreichs Regierung vermasselt große Chance

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An jenem Tag, an dem bekannt wurde, dass Lufthansa „den Wink mit dem Zaunpfahl“ ernst macht und Austrian Airlines fünf Boeing 787-9 weniger bekommen wird, reagierte Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) erstmals öffentlich und kündigte zumindest eine Senkung der umstrittenen Ticketsteuer an. Wann und in welchem Ausmaß ist noch völlig offen. Ein Kommentar.

Rückblick: Im Jahr 2011 boomte der Lowcost-Verkehr in Deutschland. Die dortige Bundesregierung führte die so genannte Luftverkehrsabgabe ein, die seither mehrfach erhöht wurde und heuer kosmetisch gesenkt wurde. Österreich hatte damals keine Pläne „nachzuziehen“, jedoch gab es gewissen Druck aus Berlin, denn man fürchtete, dass Kapazitäten zum Beispiel von München nach Salzburg verlagert werden könnten. Österreich zog dann schnell nach und kassiert ebenfalls.

Markant ist das Jahr 2018, denn damals übte der Lufthansa-Konzern subtilen Druck auf Wien aus, denn es war allgemein bekannt, dass die Flotte der Austrian Airlines in die Jahre gekommen ist. Lobbyisten konnten im Hintergrund erreichen, dass die umstrittene Ticketabgabe zumindest halbiert wurde.

Mitten in schwerster Krise unter dem Deckmantel „Klimaschutz“ verteuert

Mitten in der Corona-Pandemie wurde die Steuer erhöht. Unter den Deckmänteln „Vereinfachung“ und „Klimaschutz“ hob man auf das heutige Niveau von 12 Euro pro abfliegendem Lokalpassagier an. 30 Euro sind es bei besonders kurzen Point-to-Point-Flügen. Darauf war die damalige Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) besonders stolz. Die gesamte Branche warnte schon damals vor negativen Auswirkungen, aber alle Appelle wurden ignoriert. Immerhin: Die von Gewessler angekündigten Mindestpreise für Flugscheine wurden nie umgesetzt. Wichtig: Die Ticketsteuer müssen nur Passagiere bezahlen, deren ursprünglicher Abflugort in Österreich ist. Umsteiger, die zum Beispiel von Kosice eine Ultrakurzstrecke nach Wien nehmen und dann auf eine Ultrakurzstrecke nach Innsbruck umsteigen, sind komplett ausgenommen. Wer aber in Klagenfurt einsteigt, in Wien umsteigt und zum Beispiel nach Berlin weiterfliegt, muss 12 Euro berappen.

Belastet werden also nur Passagiere, in das erste Flugsegment oder ihren Point-to-Point-Flug in Österreich antreten. Mit anderen Worten: Umsteiger werden „subventioniert“ während Lokalpassagiere bzw. Point-to-Point-Reisende zur Kasse gebeten werden. Wenn man daran erinnert, dass die letzte Erhöhung mit Klimaschutz argumentiert wurde, eine durchaus absurde Praxis.

Vor der Corona-Pandemie boomte der österreichische Luftfahrtstandort und das trotz Ticketsteuer. Einerseits war diese – in den meisten Fällen – wesentlich niedriger als heute und andererseits lieferten sich Wizz Air, Ryanair (damals noch als Laudamotion), Level, Eurowings, Austrian Airlines und andere Anbieter einen knallharten Wettbewerb, der sich aber mehr oder weniger auf Wien beschränkte. Man lockte nach den Pleiten von Air Berlin und Niki gezielt Billigflieger an und gewährte diesen über ein komplett öffentlich einsehbares Incentive-Programm attraktive Konditionen. Die Ticketsteuer wurde erhöht, die „Anreizprogramme“ sind ausgelaufen, der Sprit wurde immer teurer, das Personal will immer mehr Lohn, weil im alltäglichen Leben so ziemlich alles exorbitant teurer wurde und Zulieferer klopfen ebenfalls um mehr Geld an. Der Staat macht natürlich auch mit und erhöht an allen Ecken und Enden – sowohl im alltäglichen Leben als auch in der Luftfahrt.

Multi-Hub-Strategie ist knallharter konzerninterner Wettbewerb

Verantwortlich für die Miesere, in der sich Österreichs und Deutschlands Luftfahrt befindet, sind die jeweiligen Regierungen. In der Alpenrepublik ist die Situation aber wesentlich komplizierter, denn noch immer hat man im Hohen Haus nicht begriffen, dass Austrian Airlines kein staatliches Unternehmen mehr ist, kein „Heimatcarrier“ und schon gleich gar kein „nationales Heiligtum“, sondern ein privates Unternehmen, das sich im Eigentum der Lufthansa befindet. Man hat seit dem Verkauf viel Geld subventioniert und viele Versprechen aus Frankfurt bekommen, die insbesondere in Richtung Investitionen gehen, aber echte „Bigbang“ ist noch nicht gekommen. Der wäre mit dem Abschluss der Erneuerungen auf der Kurz- und Langstrecke durchaus gekommen, jedoch nur noch in Wien, denn es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Austrian Airlines mit Innsbruck und Klagenfurt die letzten beiden Bundesländerflughäfen, die man noch im Streckennetz hat, zumindest mit eigenem Fluggerät endgültig verlässt. Auch das ist Teil des „Bigbang“, weil die AUA ist nur eine von vielen Marken im Lufthansa-Konzern.

Und genau das ist ein Vorteil für die Manager in Frankfurt und Köln, wo sich der offizielle Sitz des Kranichs befindet: Die Multihub-Strategie ermöglicht es, dass im Bedarfsfall Verkehre sehr einfach umgeleitet werden können. Die Ursachen können sehr simpel sein, denn beispielsweise bei Schlechtwetter an einem Drehkreuz, können nach Möglichkeit Reisende auf andere Hubs umgebucht werden. Allerdings geht es auch anders: Jeder Hub muss Rendite liefern und da wo die Konditionen besonders vorteilhaft sind, dort kommen Modernisierung der Flotte und Wachstum hin. Es spielt absolut keine Rolle, ob ein Reisender aus den USA, der nach Budapest möchte, in Brüssel, Frankfurt, Rom, München, Zürich oder Wien umsteigt. Passen in Wien die Rahmenbedingungen nicht, dann kommen die für dort vorgesehenen Flugzeuge eben nicht zur AUA, sondern woanders im Konzern hin, wo sich die Kranich-Strategen mehr Gewinn erwarten.

Leider hat man es in Wien – im Gegensatz zu Frankfurt – noch immer nicht begriffen, dass Ost-Österreich absolut keine kaufkraftstarke Region ist und als Touristenmagnet ebenfalls nicht mit New York, London oder Paris mithalten kann. Es ist eben alles wesentlich kleiner, was keinesfalls abwertend gemeint ist. Die Kaufkraft ist in Österreich durch die Teuerungen der letzten Jahre, gegen die seitens der Regierung keine wirklich dauerhaft wirksamen Maßnahmen gesetzt wurden, weiter gesunken. Der Rotstift muss dann bei Reisen angesetzt werden. Weniger beim Jahresurlaub, sondern eher bei spontanen Städtetrips oder Wochenendurlauben. Es kommen weniger Besucher aus dem Ausland und gleichzeitig fliegen weniger Einwohner weg. Würde man die Tickets im einstelligen Euroniveau verscheuern, wäre die Situation ganz anders, aber dass das überhaupt nicht nachhaltig im Sinne von wirtschaftlich ist, hat man ja vor der Corona-Pandemie gesehen.

Alpenrepublik verabsäumte große Chance

Österreichs Regierung hat eine wichtige Chance komplett verschnarcht. Man hätte durch die Abschaffung der Ticketsteuer genau in jener Phase, in der in Deutschland selbst eine minimale Senkung kategorisch ausgeschlossen wurde, kräftige Anreize setzen können. Dies hätte zu Wachstum im Point-to-Point-Bereich geführt, aber möglicherweise auch Lufthansa dazu bewogen, dass Austrian Airlines wesentlich mehr Flugzeuge bekommen ist. Seit einigen Jahren wurde die AUA massiv verkleinert und in der aktuellen Situation stehen die Zeichen auch nicht auf Expansion. Sprich: Österreich hat es verschlafen sich gegenüber Deutschland zu einer preiswerten Alternative zu machen.

Jetzt ist es eigentlich zu spät, denn Wizz Air ist schon weg, Ryanair hat sich in Österreich schon verkleinert und bei Austrian Airlines sind auch schon die Würfel gefallen. Es ist ja nicht so, dass alles überraschend kommt, nein, seit bald zwei Jahren fordert die Branche die Abschaffung der Ticketsteuer. Erst jetzt, nachdem die Muttergesellschaft des ehemaligen Staatscarriers Fakten geschaffen hat, reagiert Bundeskanzler Christian Stocker und kündigt ohne nähere Details zumindest eine Senkung der umstrittenen Ticketsteuer an. Den Abzug von Wizz Air aus Österreich, die Streckenstreichungen von Ryanair, Austrian Airlines und anderen Anbietern, hat man offenbar nicht bemerkt. Das war eigentlich Warnung genug, dass zumindest erheblicher Gesprächsbedarf besteht.

Fliegen wird sicher nicht billiger

Das eine oder andere Medium hat bereits getitelt, dass Flugtickets dann billiger werden. Wer sagt denn, dass eine Senkung oder gar Abschaffung der Flugabgabe tatsächlich beim Endkunden ankommt? Steuerschuldner ist nämlich nicht der Passagier, sondern die jeweilige Fluggesellschaft. Dieser ganz allein obliegt es, ob die Ersparnis weitergegeben wird oder nicht. Man kann es auch anders machen: 12 Euro Steuer streichen und den Netto-Air-Fare um 11,50 Euro erhöhen und voila rühmt man sich damit, dass man es ja schön weitergibt. Die Frage ist eher: Will oder kann es sich die Branche überhaupt leisten die Ticketsteuersenkung komplett weiterzugeben? Ein Blick nach Deutschland, wo Bundeskanzler Merz (CDU) eine weitere Absenkung der dort umstrittenen Luftverkehrsabgabe angekündigt hat, zeigt: Eher nein. Mag sein, dass der Posten auf den Rechnungen niedriger ausgewiesen wird, aber an anderer Stelle holt man sich das schon wieder. Der Unterschied: Es bleibt bei der Airline und geht nicht an den Fiskus. Darum geht es den Airline-Managern und um nichts anderes.

Deswegen sind Senkung bzw. Abschaffung dieser Steuer auch ein Thema, über das kontrovers diskutiert wird. Als Mittel zum Umweltschutz taugt es sowieso nichts, wenn Staaten sich ein Körberlgeld verdienen. Die Problematik derzeit ist, dass in Europa und damit auch in Österreich und Deutschland die Fluggesellschaften quasi auf jeden Euro angewiesen sind, weil der Sprit immer teurer wird und alle Kosten rund ums Fliegen ebenfalls steigen. Das Personal will und braucht auch mehr Lohn, weil im Alltag wird es noch immer Monat für Monat deutlich teurer. Die Lösung „Ticketpreise“ erhöhen geht nur noch beschränkt. Es gibt Schmerzgrenzen, die Passagiere aus unterschiedlichsten Gründen haben und dann wird nicht mehr gebucht.

Probleme auch hausgemacht

Der Fairness halber sei aber auch gesagt, dass sich die Luftfahrtbranche auch selbst kräftig ins Knie geschossen hat, denn gerade dann, wenn das Geld bei den Kunden ohnehin nicht so locker sitzt, für jeden Handgriff, der früher selbstverständlich war, teuer extra zu kassieren, führt nicht unbedingt dazu, dass das Ticket am Ende tatsächlich gekauft wird. Konsumenten sind nicht komplett verblödet.

Von Anbietern wie Ryanair erwarten Reisende billige Grundtarife und mit Koffer und Co wird es dann mitunter richtig teuer. Von Airlines, die sich selbst als „Premium“ darstellen, erwarten Reisende auch Premium, sprich dass zumindest ein Koffer und Getränke inkludiert sind. Wenn man aber Premium-Preise nimmt und Service bzw. inkludierte Leistungen auf Billigflieger-Niveau anbietet, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Kundschaft zur vermeintlichen Billigkonkurrenz, nötigenfalls auch nach Bratislava abwandert. Daran würde auch eine mögliche Abschaffung der Ticketsteuer nichts ändern. Reisende sind nicht bereit sich für jeden Handgriff wie eine Zitrone auspressen zu lassen.

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1 Comment

  • Lukas , 4. November 2026 @ 16:04

    Herr Gruber hat mit seiner Analyse durchaus recht. Allerdings sollte man bei der Suche nach den Verantwortlichen nicht ausschließlich auf die Politik zeigen.

    Es waren schließlich auch die Flughafenvorstände, die maßgeblich dazu beigetragen haben, Austrian Airlines die ungeliebte Billigflugkonkurrenz „vom Hals zu schaffen“. Offenbar in der Hoffnung, dass die Lufthansa im Gegenzug die Langstreckenflotte der Austrian nicht nur erneuert, sondern auch deutlich ausbaut. Diese Rechnung scheint nun nicht aufzugehen.

    Besonders kritisch sollte man auch die Ergebnisentwicklung der Austrian hinterfragen. Wenn teure, zeitlich verschobene Wartungskosten aus dem konzerninternen Wartungsbetrieb das Ergebnis der Austrian belasten, stellt sich die Frage, wie aussagekräftig dieses Ergebnis tatsächlich ist. Der Verdacht liegt nahe, dass hier mit konzerninternen Kostenverrechnungen Druck auf die österreichische Politik aufgebaut wird. Ein möglicher Taschenspielertrick, der jedenfalls mehr Transparenz verdient.

    Und eines dürfte den Strategen in Frankfurt längst klar sein: Eine Langstreckenflotte von lediglich sieben Boeing 787-9 ist für einen wirtschaftlich tragfähigen Hub-Betrieb in Wien äußerst kritisch. Die dafür häufig genannte Mindestgröße von zwölf Maschinen zeigt, worum es eigentlich geht: um Skaleneffekte, Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Zukunft des Drehkreuzes Wien.
    Am Ende stellt sich daher nicht nur die Frage, was die österreichische Politik versäumt hat, sondern auch, ob Flughafenmanagement und Lufthansa-Konzern jemals dieselben strategischen Ziele verfolgt haben.

    Die Billigflugkonkurrenz wurde zurückgedrängt, der erhoffte Langstreckenausbau bleibt aus – und nun soll offenbar der österreichische Steuerzahler die Rechnung bezahlen.

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