Ein massiver Streik der Fluglotsen hat am Dienstagnachmittag zu einer vollständigen Erlahmung des zivilen Luftverkehrs in Belgien geführt. Auf Beschluss der nationalen Flugsicherungsgesellschaft Skeyes wurde der belgische Luftraum ab circa 14:15 Uhr für den gesamten kommerziellen Linien- und Frachtflugverkehr gesperrt.
Während des Streiks blieben Starts und Landungen an allen Verkehrsflughäfen des Landes untersagt. Ausgenommen von dieser behördlichen Maßnahme waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga lediglich dringende Staatsflüge, medizinische Notfalltransporte sowie Such- und Rettungsflüge. Der reguläre Flugbetrieb konnte nach aktuellen Prognosen erst nach 21:00 Uhr am Abend schrittweise wieder aufgenommen werden.
Die Betreibergesellschaft des internationalen Großflughafens Brüssel-Zaventem (BRU) wies die Fluggesellschaften an, sämtliche betroffenen Verbindungen in diesem Zeitfenster ersatzlos zu streichen, und forderte Passagiere nachdrücklich auf, gar nicht erst zu den Terminals anzureisen. Bereits in der vorausgegangenen Nacht von Montag auf Dienstag hatte eine spontane Arbeitsniederlegung erhebliche Störungen im belgischen Luftfahrtsystem verursacht. Am Flughafen Brüssel-Charleroi, der als wichtige Basis für europäische Billigflieger dient, mussten rund 30 Passagierflüge annulliert werden. Gleichzeitig kam es am Flughafen Lüttich (LGG), einem der bedeutendsten Frachtdrehkreuze Europas, zu Verspätungen und Ausfällen bei etwa 40 Frachtflügen, was insbesondere die weltweiten Lieferketten des Logistikkonzerns DHL massiv beeinträchtigte.
Der Grund für den heftigen Arbeitskampf ist ein tiefgreifender Konflikt zwischen den Gewerkschaften des Flugsicherungspersonals und dem Management von Skeyes über die zukünftige technologische Ausrichtung der Flugverkehrskontrolle. Die Beschäftigten protestieren gegen die konkreten Rahmenbedingungen und Sicherheitskonzepte bei der geplanten Inbetriebnahme eines neuen digitalen Kontrollzentrums in der wallonischen Stadt Namur. Dieses High-Tech-Zentrum soll ab dem Jahr 2027 die Aufgaben der bisherigen physischen Kontrolltürme an den Regionalflughäfen Lüttich und Charleroi im Rahmen einer „Digital Tower“-Strategie zentral aus der Ferne übernehmen. Die Fluglotsen bemängeln dabei unzureichende Schulungszeiten, potenzielle Sicherheitsrisiken bei Systemausfällen sowie ungeklärte Fragen zur zukünftigen Personalstruktur.
Die großflächige Sperrung des belgischen Luftraums hatte unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten mitteleuropäischen Luftverkehr, da zahlreiche Überflüge auf den stark frequentierten Routen zwischen Großbritannien, Deutschland und Frankreich weiträumig umgeleitet werden mussten. Dies führte im Tagesverlauf zu Folgeverspätungen bei internationalen Anschlussflügen im gesamten europäischen Luftraum. Das Eurocontrol-Zentrum in Brüssel koordinierte die Ausweichrouten, während die betroffenen Fluggesellschaften nun mit erheblichen Kosten für die Umbuchung und Betreuung tausender gestrandeter Passagiere konfrontiert sind.