Der belgische Flughafen Brussels South Charleroi (BSCA) steht vor einer mehrmonatigen Vollschließung in der zweiten Jahreshälfte 2028. Grund für die Einstellung des gesamten Flugbetriebs ist die grundlegende Erneuerung der einzigen Start- und Landebahn des Standorts.
Die Ankündigung hat bei Beschäftigten und Gewerkschaften erhebliche Besorgnis über die langfristigen Folgen für Arbeitsplätze und das operative Geschäft ausgelöst. Die Gewerkschaft SETCa stellte die Planung der walonischen Regionalregierung infrage und warnte davor, dass es keine Garantie dafür gebe, dass Billigfluggesellschaften nach Wiedereröffnung des Flughafens ihre Routen im ursprünglichen Umfang wieder aufnehmen.
Der Betreibergesellschaft zufolge befindet sich die Startbahn am Ende ihrer kalkulierten Nutzungsdauer von rund 25 Jahren, weshalb eine vollständige Erneuerung technisch unumgänglich geworden sei. Um künftige Beeinträchtigungen im Betriebsablauf zu minimieren, sollen während der Schließungsphase zeitgleich weitere Modernisierungsmaßnahmen an der Terminal- und Vorfeldinfrastruktur durchgeführt werden. Die walonische Flughafenministerin Cécile Neven betonte, dass die Maßnahme bereits seit Jahren vorbereitet werde. Eine gemeinsame Entscheidung der Flughafenbehörde SOWAER und des Flughafenbetreibers zur Durchführung der Bauarbeiten im Jahr 2028 sei bereits im November 2024 getroffen worden, um die Flugsicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.
Kritik kommt insbesondere von der Arbeitnehmervertretung hinsichtlich der finanziellen Absicherung des Personals während des Stillstands. Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, dass die genauen Rahmenbedingungen für Phasen vorübergehender Arbeitslosigkeit sowie der Schutz der Arbeitsplätze unklar bleiben. Darüber hinaus birgt die Schließung betriebswirtschaftliche Risiken für die gesamte Region. Als wichtiger Stützpunkt für Fluggesellschaften wie Ryanair hängt das Geschäftsmodell des Flughafens Charleroi stark von der kontinuierlichen Nutzung durch verkehrsstarke Billigflieger ab, die bei mehrmonatigen Ausfällen flexibel auf benachbarte Ausweichflughäfen in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden ausweichen könnten.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass Bauarbeiten an Einnadelöhr-Infrastrukturen bei Flughäfen mit nur einer Piste unvermeidlich zu massiven Umsatzeinbußen führen. Während die Bauphase logistische Präzision erfordert, um den Zeitplan strikt einzuhalten, bleibt die wirtschaftliche Herausforderung bestehen, vergraulte Fluggesellschaften nach Abschluss der Arbeiten wieder an den Standort zu binden. Die walonische Landesregierung steht somit vor der Aufgabe, sowohl eine Übergangslösung für die Beschäftigten als auch Kompensationskonzepte für den regionalen Luftverkehrsmarkt vorzulegen.