Airbus A350 (Foto: Flughafen München GmbH).
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Konflikt bei Lufthansa eskaliert: Piloten drohen mit Streik nach gescheiterten Tarifgesprächen

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Die Verhandlungen zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind gescheitert. Nach sieben ergebnislosen Runden über eine Neuregelung der betrieblichen Altersversorgung haben die Piloten eine Urabstimmung über mögliche Streikmaßnahmen beantragt.

Der seit längerem schwelende Tarifkonflikt, der für die Piloten eine zentrale Frage ihrer finanziellen Absicherung im Ruhestand darstellt, erreicht damit eine neue Stufe der Eskalation. Während die Gewerkschaft dem Unternehmen eine starre Verweigerungshaltung und mangelnde Kompromissbereitschaft vorwirft, beruft sich die Lufthansa auf die Komplexität der Thematik. Der bevorstehende Arbeitskampf der rund 4800 betroffenen Piloten könnte erneut weitreichende Folgen für den Flugbetrieb und die Passagiere haben, zumal er vor dem Hintergrund eines umfassenden Strukturwandels innerhalb des Konzerns zu sehen ist.

Die Rente als Zankapfel

Im Zentrum des Konflikts steht die betriebliche Altersversorgung (bAV) der Piloten. Bis zum Jahr 2017 erhielten die Piloten der Lufthansa eine klassische Betriebsrente, die ihnen garantierte Auszahlungen im Alter zusicherte. Auf Druck des Arbeitgebers wurde dieses System durch ein kapitalmarktfinanziertes Modell ersetzt. Die Hoffnung war, dass die Erträge aus den Kapitalmärkten die Beiträge der Piloten und des Arbeitgebers so sehr mehren würden, dass das vorherige Versorgungsniveau erreicht oder sogar übertroffen würde. Diese Erwartungen, so die Darstellung der Gewerkschaft, hätten sich jedoch nicht erfüllt. Statt der erhofften Renditen seien die Erträge hinter den damaligen Prognosen zurückgeblieben.

Die Vereinigung Cockpit argumentiert, dass die betriebliche Altersversorgung für die Piloten ein fundamentaler Baustein ihrer Absicherung sei, der mindestens genauso wichtig sei wie die gesetzliche Rente. Die Pilotengewerkschaft sieht sich in der Pflicht, die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten und die finanzielle Sicherheit im Ruhestand zu gewährleisten. „Wir akzeptieren das kapitalmarktorientierte System, aber wenn die Rendite nicht reicht, muss die Arbeitgeberseite höhere Beiträge leisten“, erklärte der GTK-Sprecher Arne Karstens. Die Gewerkschaft hatte die Lufthansa im Mai dieses Jahres zu Verhandlungen über die Betriebsrenten sowie die sogenannte Übergangsversorgung aufgefordert. Letztere betrifft die Regelungen zur Frühpensionierung, bei der das Eintrittsalter bereits 2017 um zwei Jahre auf 60 angehoben wurde.

Starre Positionen und ein milliardenschwerer Konzern

Die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien sind nach Angaben der Gewerkschaft an der mangelnden Bereitschaft der Lufthansa gescheitert, substanzielle Verbesserungen anzubieten. Andreas Pinheiro, der Präsident der Vereinigung Cockpit, kritisiert das Vorgehen des Managements scharf: „Die Arbeitgeberseite zeigte von Beginn an keine ernsthafte Bereitschaft, die betriebliche Altersversorgung auf ein verlässliches Niveau anzuheben. Statt konstruktiver Lösungen wurden nur Modelle auf Kosten der Beschäftigten präsentiert.“ Pinheiro wirft der Lufthansa vor, in einer „starren Verweigerungshaltung“ zu verharren.

Die Piloten beklagen, dass diese Haltung in klarem Widerspruch zur aktuellen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens stehe. Die Lufthansa erzielt derzeit Milliardengewinne und hat die Ankündigung von Dividenden in Aussicht gestellt. Angesichts dieser positiven Bilanz sind die Piloten der Ansicht, dass die Lufthansa die Mittel hat, um die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter auf ein verlässliches Niveau anzuheben. Die Begründung der Lufthansa, die bei der bAV auf „angebliche Finanzierungsgrenzen“ verweise, sei daher nicht nachvollziehbar. Die Gewerkschaft sieht dies als einen Akt der Ungerechtigkeit gegenüber denjenigen, die mit ihrer Arbeit massgeblich zum Erfolg des Konzerns beitragen.

Ein Sprecher der Lufthansa äusserte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den gescheiterten Gesprächen, da das Unternehmen keine offizielle Information darüber erhalten habe. Dies ist in Tarifkonflikten häufig der Fall, da die Unternehmen oft erst nach der Bekanntgabe durch die Gewerkschaft Stellung beziehen. Dennoch steht fest, dass die Gespräche ergebnislos blieben und die Fronten verhärtet sind.

Der Weg in den Streik: Urabstimmung und die Folgen

Mit dem Scheitern der Verhandlungen hat die Group-Tarifkommission (GTK) der Vereinigung Cockpit den Vorstand der Gewerkschaft gebeten, eine Urabstimmung einzuleiten. Dieser Schritt ist die letzte Eskalationsstufe vor einem tatsächlichen Streik. In einer Urabstimmung werden die Gewerkschaftsmitglieder befragt, ob sie bereit sind, mit einem Streik für ihre Forderungen einzutreten. Bei einer Zustimmung von mehr als 75 Prozent kann die Gewerkschaft einen Streik ausrufen.

Ob und wann es zu einem Arbeitskampf kommen wird, ist damit noch nicht entschieden. Dennoch ist die Möglichkeit eines Pilotenstreiks bei der Lufthansa eine reale Gefahr. Der letzte grosse Streik der Piloten bei der Kernmarke Lufthansa fand im Jahr 2022 statt und legte für einen Tag den Flugverkehr weitgehend lahm, was zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden für das Unternehmen und zu grossem Ärger bei den Reisenden führte. Ein erneuter Streik würde die angeschlagene Kernmarke der Lufthansa zusätzlich belasten.

Der Konflikt um die bAV fügt sich zudem in einen grösseren Streit ein, der die Lufthansa-Gruppe seit geraumer Zeit beschäftigt. Das Unternehmen hat die neuen Flugbetriebe City Airlines und Discover Airlines gegründet, um dort zu günstigeren Tarifbedingungen zu fliegen als bei der etablierten Lufthansa Classic und der Regionaltochter Lufthansa Cityline. Die Spartengewerkschaften VC und Ufo (für das Kabinenpersonal) sehen sich dadurch in ihrer Position geschwächt, da das Management versucht, Arbeitsplätze und Flugzeuge zu den neuen, kostengünstigeren Betrieben zu verlagern. Die VC fürchtet um die Sicherung der Arbeitsplätze und die tariflichen Errungenschaften ihrer Mitglieder.

Die Auseinandersetzung um die betriebliche Altersversorgung ist somit nicht nur ein isolierter Streitpunkt, sondern Teil einer umfassenden Konfrontation zwischen Management und Arbeitnehmern. Es geht um die Zukunftsstrategie der Lufthansa-Gruppe und die Verteilung des Gewinns in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten. Die Pilotengewerkschaft hat mit der Beantragung der Urabstimmung ein deutliches Zeichen gesetzt und gezeigt, dass sie bereit ist, für ihre Forderungen in den Arbeitskampf zu ziehen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Lösung noch ohne Streik gefunden werden kann oder ob die Passagiere sich erneut auf Flugausfälle einstellen müssen.

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