Der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Walter Veit, hat den aktuellen Kurs der Gewerkschaft vida in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen scharf kritisiert. Veit wirft der Arbeitnehmervertretung vor, mit unrealistischen Forderungen und einer aggressiven Rhetorik die Gesprächsbasis zu zerstören.
Während die Betriebe selbst unter massivem Kostendruck stünden, agiere die Gewerkschaft öffentlich mit Diffamierungen, anstatt einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe zu suchen. Die Hotellerie sieht sich durch die pauschalen Vorwürfe ungerechtfertigt in ein negatives Licht gerückt, insbesondere da in den vergangenen Jahren bereits signifikante Verbesserungen bei den Entgelten und Arbeitsbedingungen umgesetzt wurden.
Rückblickend verweist die ÖHV auf die Lohnrunden der Jahre 2024 und 2025, in denen Erhöhungen deutlich über der Inflationsrate sowie massive Anpassungen bei den Lehrlingseinkommen realisiert wurden. Monatliche Steigerungen von durchschnittlich 330 Euro für Auszubildende und die Einbeziehung von Vordienstzeiten sowie Nachtarbeitszuschlägen in die Berechnungsgrundlagen seien Belege für das Engagement der Arbeitgeber. Zudem wurden zusätzliche freie Sonntage und neue Zulagensysteme geschaffen. Die Branche betont, dass diese dauerhaften Kostensteigerungen die Unternehmen jährlich belasten, während von Gewerkschaftsseite jegliche Anerkennung für diese Entwicklung fehle.
Ein weiterer Kritikpunkt der Arbeitgeberseite betrifft den Umgang mit dem neuen Tourismusfonds. Dieser wird jährlich mit 6,5 Millionen Euro aus Steuermitteln dotiert, um die Arbeitsbedingungen in der Branche gezielt zu fördern. Laut Veit seien trotz der verflossenen Zeit im ersten Halbjahr noch keine konkreten Beschlüsse zur Verwendung der Mittel durch die von der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer mitgesteuerten Gremien gefasst worden. Es drohe das Szenario, dass der Fonds bei Nichterreichen seiner Ziele aufgelöst wird und die Gelder ungenutzt verfallen. Die ÖHV fordert daher, die Energie statt in öffentliches „Branchenbashing“ lieber in die operative Arbeit dieses Fördermittels zu investieren.
Zusätzlich hebt die Hoteliervereinigung die zahlreichen Zusatzleistungen hervor, die über die rein monetäre Entlohnung hinausgehen. Programme wie freie Verpflegung und Unterkunft, Nutzung von Wellnessanlagen sowie Rabattsysteme für Hotelnächtigungen und Markenartikel seien Alleinstellungsmerkmale der Branche, die in dieser Form andernorts kaum existieren. Um die Zukunftsfähigkeit des Tourismusstandortes Österreich zu sichern, appelliert die ÖHV an die Gewerkschaft, zum Stil eines gemeinsamen Weges zurückzukehren. Nur durch Kooperation statt Konfrontation könne man dem Fachkräftemangel begegnen und die Qualität der Arbeitsplätze weiter steigern.