Die südostasiatischen Nachbarstaaten Vietnam, Laos und Kambodscha intensivieren ihre Zusammenarbeit im Tourismussektor, um das Potenzial der Mekong-Region grenzüberschreitend zu erschließen. Im Rahmen einer gemeinsamen Ministerkonferenz in Ho-Chi-Minh-Stadt verständigten sich die Vertretungen der drei Länder auf die Ausarbeitung aufeinander abgestimmter Reiseangebote.
Unter dem zentralen Titel „Eine Reise, drei Ziele“ sollen Kulturdenkmäler, Welterbestätten und regionale Küchen zu zusammenhängenden Routen verknüpft werden. Das Vorhaben zielt darauf ab, den inländischen sowie den internationalen Besucherstrom durch Erleichterungen im Personenverkehr, gemeinsame Werbeinitiativen und koordinierte Qualitätsstandards zu vergrößern. Für das Jahr 2026 streben die beteiligten Staaten eine Gesamtzahl von 35 Millionen internationalen Gästen an, was einem Zuwachs von etwa 12 Prozent gegenüber den für das Jahr 2025 projizierten 31,3 Millionen Besuchern entspricht.
Beschlüsse des ersten gemeinsamen Tourismusministertreffens
Am 26. August 2026 trat in Ho-Chi-Minh-Stadt erstmals die Ministerrunde für Tourismus der drei Staaten zusammen. Der stellvertretende vietnamesische Minister für Kultur, Sport und Tourismus, Ho An Phong, betonte im Anschluss an die Beratungen die Notwendigkeit institutionalisierter Kooperationsmechanismen. Ziel sei es, die drei Staaten im internationalen Wettbewerb als zusammenhängendes und qualitativ hochwertiges Reiseziel zu positionieren. Die Initiative soll bestehende administrative Hürden reduzieren und abgestimmte Netzwerke für Touristen schaffen.
Ein zentrales Element des verabschiedeten Aktionsplans für den Zeitraum von 2026 bis 2028 ist das Programm „Plus Eins Land“. Dieses Konzept sieht vor, dass Urlauber, die eines der drei Länder buchen, durch vereinfachte Grenzformalitäten und aufeinander abgestimmte Verkehrsanbindungen ermutigt werden, mindestens ein weiteres Nachbarland in ihre Reiseroute zu integrieren. Neben der gemeinsamen Erstellung digitaler Reiseführer zur regionalen Esskultur einigten sich die Delegationen auf die Ausrichtung eines jährlichen Kultur- und Tourismusfestivals sowie auf den Aufbau grenzüberschreitender Routen entlang des Mekongs.
Wirtschaftliche Bedeutung und Entwicklung der Besucherzahlen
Der Tourismussektor bildet für alle drei Volkswirtschaften einen wesentlichen Pfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung. Laut den vorgelegten Branchendaten verzeichneten Vietnam, Laos und Kambodscha im Jahr 2025 zusammen 31,3 Millionen internationale Ankünfte, was einem Anstieg von 10,2 Prozent gegenüber dem vorherigen Zeitraum entsprach. Der Binnenverkehr zwischen den drei Partnerstaaten machte dabei mit 3,2 Millionen Reisenden etwa zehn Prozent des gesamten internationalen Aufkommens in der Region aus. Die Gesamteinnahmen der drei Länder aus dem internationalen Reiseverkehr summierten sich auf schätzungsweise 45,6 Milliarden US-Dollar.
Die sechsteilige Prioritätenliste des Aktionsplans sieht neben der Produktentwicklung und Markenbildung auch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und privaten Reiseunternehmen vor. Zudem sollen Bildungs- und Kapazitätsaufbauprogramme für Beschäftigte im Gastgewerbe initiiert werden. Durch die Bündelung der Ressourcen erhoffen sich die Ministerien eine höhere Effizienz bei Marketingmaßnahmen auf internationalen Leitmessen im Vergleich zu Einzeldarstellungen der jeweiligen Länder.
Infrastruktur und die Rolle privater Reiseveranstalter
In der Praxis greift die staatliche Initiative auf Strukturen zurück, die von privaten Reiseveranstaltern bereits seit längerer Zeit genutzt werden. Mehrtägige Rundreisen durch Indochina, die Stationen wie die Ha-Long-Bucht und Hoi An in Vietnam, Luang Prabang in Laos sowie die Tempelanlagen von Angkor Wat in Kambodscha miteinander verbinden, gehören seit Jahren zum Standardangebot internationaler Reiseagenturen. Diese Routen dauern in der Regel zwischen 15 und 22 Tagen.
Bisher wurden derartige Angebote jedoch meist von einzelnen Reiseagenturen eigenständig organisiert, ohne dass administrative Abstimmungen zwischen den Transport- und Tourismusbehörden der drei Länder bestanden. Die mangelnde Harmonisierung von Visabestimmungen, Grenzübergangsprozessen und Transportgenehmigungen führte in der Vergangenheit häufig zu zeitlichen Verzögerungen bei grenzüberschreitenden Bus- und Schiffsreisen. Durch die behördliche Rahmenvereinbarung soll die Koordination der Verkehrsträger verbessert werden.
Regionale Initiativen und lokales Umfeld
Parallel zu den multilateralen Vereinbarungen verlaufen nationale und regionale Ausstellungs- und Entwicklungsprogramme. So finden im Rahmen des Nationalen Tourismusjahrs 2026 verschiedene Ausstellungen statt, darunter die Veranstaltung „Tourismus- und Kulturraum – Integration und Verbreitung“, bei der sich einzelne Provinzen wie Tay Ninh vom 5. bis 9. September 2026 mit regionalen Kulturprodukten präsentieren. Diese regionalen Initiativen dienen als Bausteine für das angestrebte Gesamtnetzwerk.
Ob die avisierten Zielmarken von 35 Millionen Besuchern im Jahr 2026 erreicht werden, hängt maßgeblich von der zügigen praktischen Umsetzung der Beschlüsse ab. Herausforderungen bestehen weiterhin in den unterschiedlichen Ausbauzuständen der Verkehrsinfrastruktur, den schwankenden Beförderungskapazitäten im Luft- und Landverkehr sowie in der administrativen Abwicklung an den Grenzübergängen. Die Ministerien kündigten an, in regelmäßigen Arbeitsgruppen die Fortschritte bei der Harmonisierung der Bestimmungen zu überprüfen.