Die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air treibt die vollständige Integration ihres bisherigen Konkurrenten Asiana Airlines voran. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, plant die Unternehmensführung für Juni 2026 eine Aktionärsversammlung, um den Erwerb der verbleibenden 36,1 % der Anteile an Asiana Airlines zu beschließen.
Derzeit hält Korean Air bereits eine Mehrheit von 63,9 %. Ziel dieser Maßnahme ist die Vereinfachung der Governance-Struktur und die Verschmelzung beider Unternehmen zu einer einzigen Fluggesellschaft. Der offizielle Start des integrierten Luftfahrtkonzerns ist für den 17. Dezember 2026 vorgesehen, wobei die Marke Asiana Airlines im Anschluss schrittweise vom Markt verschwinden wird.
Im Zuge der Fusion arbeitet Korean Air intensiv daran, die operativen Standards von Asiana an das eigene System anzupassen. Laut Vorstandschef Cho Won-tae betrifft dies insbesondere die Sicherheitsmanagementsysteme und den Flugbetrieb. Ein wesentlicher Aspekt der Integration ist die Harmonisierung der Lohnstrukturen: Die Mitarbeiter von Asiana Airlines sollen künftig nach den Standards von Korean Air vergütet werden, was einer durchschnittlichen Gehaltssteigerung von etwa 32 % entspricht. Während Korean Air im Jahr 2025 durchschnittlich 123 Millionen Won pro Mitarbeiter aufwendete, lagen die Kosten bei Asiana bei rund 92,6 Millionen Won. Diese Anpassung stellt für den Konzern eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung dar.
Trotz der Fortschritte bei der Zusammenführung befindet sich Asiana Airlines seit dem 25. März 2026 in einer Phase des Notfallmanagements. Hintergrund sind massiv gestiegene Kosten für Leasingraten, Wartung und Treibstoff, die überwiegend in US-Dollar beglichen werden müssen. Der schwache Wechselkurs des Won sowie geopolitische Spannungen im Nahen Osten verschärfen die wirtschaftliche Lage zusätzlich. CEO Song Bo-young bezeichnete das Jahr 2026 dennoch als entscheidenden Wendepunkt. Um die Profitabilität zu sichern, wurden bereits wichtige Meilensteine erreicht, darunter der Verkauf der Frachtsparte Asiana Cargo sowie der Umzug der Fluggesellschaft in das Terminal 2 des Flughafens Seoul-Incheon im Januar 2026.
Die Fusion wird auch durch interne Herausforderungen begleitet. Insbesondere das System der Dienstaltersregelung und die Einstufung der Piloten sorgen für Reibungen mit den Gewerkschaften. Korean Air plant jedoch, das Stellenklassifizierungssystem von Asiana vollständig an das eigene Modell anzupassen, um eine einheitliche Organisationsstruktur zu schaffen. Mit dem Zusammenschluss entsteht einer der weltweit größten Luftfahrtkonzerne, der seine Position im asiatischen Raum durch die Bündelung von Ressourcen und die Optimierung des Streckennetzes deutlich stärken will. Die Behörden in den USA und der EU hatten dem Vorhaben zuvor unter strengen Auflagen zugestimmt, um den Wettbewerb auf wichtigen Langstreckenrouten zu wahren.