Die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) sieht sich mit einem gravierenden Fall von mutmaßlichem internen Betrug konfrontiert. Einem vorliegenden internen Rundschreiben zufolge hat die Airline bei internen Ermittlungen „schwerwiegende Verstöße“ beim Umgang mit vergünstigten Mitarbeitertickets aufgedeckt.
In einem besonders brisanten Fall soll ein Mitarbeiter sogenannte „PEP- und Staff-Travel-Tickets“ in großem Stil unrechtmäßig an Dritte weiterverkauft haben, was zur sofortigen fristlosen Entlassung des Betreffenden führte. Die AUA kündigt in dem Schreiben an, künftig konsequent gegen derartige Mißbräuche vorzugehen und verweist auf mögliche disziplinäre, zivilrechtliche und sogar strafrechtliche Konsequenzen, berichtete zunächst das Regionalmedium MeinBezirk.at.
Ausmaß und Details des mutmaßlichen Betrugsfalls
Die internen Ermittlungen bei Austrian Airlines konzentrieren sich auf den Mißbrauch von PEP– und Staff-Travel-Tickets, die Beschäftigten als attraktive Zusatzleistung angeboten werden. Diese Tickets sind kapazitätsabhängige Sonderkontingente, die nur unter bestimmten Bedingungen und ausschließlich für den privaten Gebrauch von Mitarbeitern und deren engsten Angehörigen genutzt werden dürfen. Der Weiterverkauf an Dritte ist strikt untersagt.
Ein vorliegendes internes Rundschreiben der AUA an die Belegschaft warnt vor einer Häufung „schwerwiegender Verstöße“ in diesem Zusammenhang. Dem Schreiben nach wurde in einem besonders „gravierenden Fall“ ein Mitarbeiter fristlos entlassen, weil er über einen längeren Zeitraum hinweg PEP-Tickets an Außenstehende verkauft haben soll. Wie aus weiteren Informationen hervorgeht, soll die betroffene Person bis zu 2.000 Euro pro Ticket verlangt haben. Es ist die Rede von über 1.000 mutmaßlichen Fällen allein im Jahr 2025. Die Ermittlungen sollen auch andere Mitarbeiter einbeziehen, die möglicherweise in den Betrug verwickelt sind. Die Fluggesellschaft selbst bestätigte auf Nachfrage, daß es „immer wieder in Einzelfällen“ zu mißbräuchlicher Verwendung der Tickets gekommen sei, wollte sich aber nicht weiter zu den Details äußern, da es sich um ein internes Thema handle.
Konsequente Maßnahmen und rechtliche Folgen
Die AUA macht in ihrem internen Schreiben deutlich, daß sie den Mißbrauch nicht als Kavaliersdelikt betrachtet. Die Airline droht mit strengen disziplinarischen Maßnahmen bis hin zur Entlassung. Zudem verweist sie auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen, da die missbräuchliche Verwendung von Tickets den Straftatbestand des Betruges erfüllen könnte. Auch Schadenersatzforderungen seien denkbar, um den entstandenen wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen zu kompensieren.
Die Airline hat angekündigt, die Vorgänge systematisch zu überprüfen, sowohl rückwirkend als auch zukünftig. In einer unüblichen Maßnahme appelliert die Unternehmensleitung an alle Mitarbeiter, die möglicherweise gegen die Richtlinien verstoßen haben, sich „proaktiv und vertraulich“ zu melden. Dies deutet darauf hin, daß die Fluggesellschaft eine umfassende Aufklärung der Vorfälle anstrebt und möglicherweise auf Selbstanzeige setzt, um das volle Ausmaß des Problems zu erfassen.
Der aktuelle Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2013. Damals berichtete der „Kurier“, daß sechs Mitarbeiter in den illegalen Weiterverkauf von vergünstigten Tickets verwickelt gewesen seien. Dabei handelte es sich überwiegend um Flüge nach Südosteuropa. In diesem Fall wurden rund 50 Tickets unrechtmäßig weitergegeben, was zur Entlassung von drei Angestellten und zur Freistellung von zwei weiteren führte. Das damalige Ausmaß war jedoch deutlich geringer als der nun aufgedeckte mutmaßliche Betrugsfall, der eine deutlich höhere Zahl von Transaktionen umfaßt und die Fluggesellschaft vor eine größere Herausforderung stellt.
Die Herausforderung der Mitarbeitervergünstigungen im Luftverkehr
Vergünstigte Tickets für Mitarbeiter sind eine seit langem etablierte Praxis in der Luftfahrtindustrie. Sie dienen als Anreiz, um loyale und engagierte Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten. Allerdings sind diese Benefits auch anfällig für Mißbrauch. Die Regeln für die Nutzung sind oft komplex und die Kapazitätsabhängigkeit der Tickets verlangt von den Reisenden Flexibilität. Der Verkauf von solchen Tickets auf dem Schwarzmarkt ist ein bekanntes Problem in der Branche.
Der aktuelle Fall bei der Austrian Airlines ist ein Beispiel dafür, wie sich dieser Mißbrauch zu einem erheblichen Problem für die Unternehmen entwickeln kann, da er nicht nur zu finanziellen Verlusten führt, sondern auch das Vertrauen in die internen Kontrollsysteme erschüttert. Die rigorose Vorgehensweise der AUA zeigt, daß die Airline entschlossen ist, die Integrität ihrer Mitarbeitervergünstigungen zu wahren und die notwendigen Schritte zur Aufklärung der Vorfälle zu unternehmen.
Der Mißbrauch von Mitarbeiter-Tickets ist in der Branche nicht auf die AUA beschränkt. Weltweit haben Fluggesellschaften mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die Konsequenzen für die Unternehmen sind nicht unerheblich, da die Tickets nicht nur einen direkten finanziellen Verlust darstellen, sondern auch die Gefahr bergen, daß Passagiere, die diese Tickets auf dem Schwarzmarkt erwerben, im Falle von Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb nicht die gewohnten Fluggast-Rechte geltend machen können.
Der Vorfall bei der AUA macht deutlich, daß trotz der fortschrittlichen internen Kontrollen der Fluggesellschaften immer wieder Lücken entstehen können, die von einzelnen Mitarbeitern ausgenutzt werden. Die Härte des nun angekündigten Vorgehens soll als klares Signal an die gesamte Belegschaft verstanden werden, daß die Richtlinien für Mitarbeitervergünstigungen strikt einzuhalten sind.