Kostenfalle Bankomat: Abzocke im Urlaub umgehen

Bankomat (Foto: Jan Gruber).
Bankomat (Foto: Jan Gruber).

Kostenfalle Bankomat: Abzocke im Urlaub umgehen

Bankomat (Foto: Jan Gruber).
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Ganz ohne Bargeld geht es an den wenigsten Urlaubsorten. Immer wieder stößt man auf ein Geschäft oder eine Vermietung von Strandliegen, die nach dem Motto „Cash is King“ handelt. Der Bezug von Bargeld an Bankomaten kann in manchen Regionen ein ziemlich teures Unterfangen werden. Mit ein paar simplen „Ticks“ geht es aber auch wesentlich billiger oder sogar gratis.

Zunächst sollte man wissen, dass es bei der Nutzung von Bankomaten im Ausland gleich mehrere Kostenfallen gibt. Die mittlerweile durchaus bekannteste: Geldausgabeautomaten von Euronet und anderen Betreibern, die in Urlaubsregionen gefühlt an jeder Ecke stehen. Diese verlangen im Regelfall ein so genanntes direktes Kundenentgelt. Das bedeutet konkret, dass zusätzlich zum Abhebebetrag beispielsweise fünf Euro von Euronet in Rechnung gestellt und abgebucht werden.

Horrende „direkte Kundenentgelte“

In der Europäischen Union sind Betreiber von Geldausgabeautomaten verpflichtet auf eventuelle Entgelte hinzuweisen. Nicht in allen Ländern kommen die „teuren Bankomaten“ dem auch wirklich oder für den Kunden auf Anhieb verständlich nach. Sofern man nicht akut auf Bargeld angewiesen ist, sollte man den Vorgang abbrechen und einen Automaten, der sich an der Fassade oder im Foyer einer Bank befindet, nutzen. In den meisten Fällen erheben diese niedrigere Kundenentgelte und mit ein wenig Glück sogar überhaupt keines.

Bankomaten sind in Tourismusgegenden regelrechte Gelddruckmaschinen, denn die kartenausgebende Bank muss für die Nutzung ein fixes Entgelt an den Betreiber bezahlen. Davon bekommt der Kunde nichts mit. Doch das reicht vielen Bankomatenaufstellern nicht und ein zusätzliches Entgelt wird direkt dem Kunden abgeknöpft. Sollte die Hausbank (Kartenausgeber) ein Entgelt für die Nutzung von Bankomaten erheben, dann kommt das direkte Kundenentgelt on-top. Vereinfacht gesagt: Man bezahlt sogar doppelt für die Abhebung am Automaten.

Übrigens: Solche geldhungrigen Bankomaten findet man nicht nur im Ausland oder in Urlaubsregionen, sondern auch im Inland sprießen diese sprichwörtlich wie die Pilze aus dem Boden. Daher sollte man auch zu Hause lieber ein paar Meter weiter gehen oder fahren, wenn der Bankomat für seien „Dienstleistung“ ein direktes Kundenentgelt erheben will. In Österreich sind manche Kreditinstitute besonders dreist: Wohl aus optischen Gründen wird beim Einstecken einer österreichischen Karte keine Gebühr erhoben, bei „Ausländern“ aber schon. In einem solchen Fall sollte man unbedingt einen anderen Ausgabeautomaten suchen. Selbiges Phänomen ist in Malta selbst an Automaten einschlägiger Abzock-Aufsteller zu beobachten.

Abzocke mittels grottenschlechtem Wechselkurs

Eine zweite Masche ist in Nicht-Euro-Ländern anzutreffen: Der „freundliche“ Bankomat bietet die Umrechnung und Abbuchung in Euro an. Auf den ersten Blick sehr praktisch, doch auf diese Option sollte man unbedingt verzichten. Der Grund dafür ist simpel: Über grottenschlechte Wechselkurse wird ein Körbergeld generiert.

Die Belastung sollte daher immer in Landeswährung erfolgen und die Konvertierung nimmt dann die Hausbank vor. Diese gewährt in aller Regel einen besseren Kurs. Bloß nicht von regelrechter Angstmache verängstigen lassen: So teuer ist die Umrechnung durch die Hausbank gar nicht.

Bankomat in Israel (Foto: Jan Gruber).

Viele Banken erheben Gebühren im Ausland

Eine weitere Kostenfalle können die kartenausgebenden Banken auf Lager haben, denn viele erheben Entgelte für die Nutzung außerhalb der Euro-Zone. Oftmals werden diese als Auslandseinsatzentgelt oder Fremdwährungsentgelt bezeichnet. Die Mehrzahl der Banken erhebt bei jedem Zahlungsvorgang bzw. jeder Bargeldabhebung, die nicht in Euro erfolgt, eine Gebühr. Diese ist im Normalfall weit niedriger als jene, die direkt am Bankomaten vom Aufsteller über grottenschlechte Wechselkurse erhoben werden.

Manche Banken haben keine Fremdwährungsentgelte. Ob der Kartenausgeber welche erhebt oder nicht, kann nur eine Rückfrage beim Bankberater oder ein Blick ins Preisverzeichnis beantworten. Daher sollte man sich unbedingt vor der Reise entsprechend kundig machen. Manchmal kann es nützlich sein vorab eine Prepaid-Karte ohne Auslandsentgelte für die Reise zu organisieren. Mittlerweile gibt es im Bereich der Fintechs viele Anbieter.

Ebenfalls größte Vorsicht sollten Kunden deutscher Banken walten lassen, denn manche Institute erheben sogar innerhalb der Eurozone horrende Gebühren für Behebungen an Bankomaten. Fünf Euro und mehr sind keine Seltenheit. Dieses Entgelt verlangen solche Kreditinstitute übrigens auch im Inland, wenn man an Automaten anderer Banken abhebt. Österreichische Bankkunden sind von dieser Abzockfalle zumeist nicht betroffen, da es derartige Klauseln nur bei sehr wenigen Kreditinstituten gibt.

Debit- und Kreditkarten (Foto: Jan Gruber).

Credit oder Debit kann einen Unterschied machen

Doch welche Karte verwendet man zur Bargeldbehebung im Ausland? Bankomat- oder Kreditkarte? Diese Frage ist kompliziert zu beantworten. Noch vor wenigen Jahren haben so ziemlich alle Aussteller von Kreditkarten heftige Gebühren für den Bargeldbezug erhoben. Viele Issuer von Mastercard- und Visa-Karten, insbesondere aus dem Fintech-Bereich, erheben überhaupt kein Entgelt. Es gibt auch krasse Sonderfälle: Beispielsweise erhebt das Fintech N26 für Behebungen mit der Maestro-Karte immer – auch im Inland – eine Gebühr. Wird aber die Debit-Mastercard in den Automaten gesteckt, fällt – zumindest von der ausstellenden Bank her –kein oder ein wesentlich geringeres Entgelt an.

In manchen Ländern hat man auch keine Wahl, ob die Maestro-Karte oder die Mastercard/Visa-Card in den Automaten kommt, denn Maestro/Vpay werden gar nicht akzeptiert. Dies ist in vielen Staaten, die niemals die mittlerweile auslaufenden Marken Maestro oder Vpay hatten, sondern Visa Debit und Debit Mastercard, öfters der Fall.

Vor der Reise sollte man daher klären, ob die Bankomat- oder Kreditkarte niedrigere oder im Optimalfall überhaupt keine Gebühren für den Bargeldbezug und das Bezahlen am Point of Sale hat. Informationen dazu findet man im Preisverzeichnis der jeweiligen Bank. Bei Unklarheiten sollte man sich an den Bankberater oder den Kundendienst des Kreditinstituts wenden und das vor der Reise.

Noch vor wenigen Jahren war klar, dass wenn Vpay oder Maestro auf der Karte steht, dann ist es eine Bankomatkarte. Beispielsweise Visa oder Mastercard waren Kreditkarten oder so genannte Prepaid-Kreditkarten, zumindest in Österreich und Deutschland. Das hat sich aber geändert, denn immer mehr Banken in der D-A-CH-Region stellen von Maestro auf Debit Mastercard oder von Vpay auf Visa Debit um. Die Vorteile für die Kunden: Die neuen Karten werden fast auf der ganzen Welt akzeptiert und obendrein kann auch im Internet bezahlt werden.

Doch die Banken machen es ihren Kunden nicht gerade einfach, denn viele Kreditinstitut geben die neuen Debitkarten auch mit Hochprägung aus, so dass diese einer „echten“ Kreditkarte zum Verwechseln ähnlich sehen. Die EU hat sich da aber etwas einfallen lassen: Steht auf der Karte das Wort „Debit“, so handelt es sich um eine Debit-Karte, also eine Bankomatkarte. Ist „Credit“ zu lesen, so ist es eine Kreditkarte.

Der Unterschied zwischen Debit und Kredit ist im Regelfall folgender: Zahlungen oder Geldabhebungen mit Debitkarten (Bankomatkarten) werden sofort oder sehr zeitnah vom Bankkonto abgebucht. Bei Kreditkarten werden die Umsätze gesammelt und einmal pro Monat abgebucht oder sind vom Kunden selbst zu überweisen.

Es ist noch auf eine Besonderheit, die beispielsweise die niederländische Bank Bunq auf den Markt gebracht hat, hinzuweisen. Diese hat „Kreditkarten“ im Angebot, die das Wort Credit aufgedruckt haben und sich auch am Terminal als Kreditkarte outen. Allerdings sind es keine echten Kreditkarten, denn das Limit ist auf 0 Euro gesetzt. Kein Geld am Konto, heißt keine Zahlung. Faustregel: Bei einer richtigen Kreditkarte findet man den so genannten Kreditrahmen im Regelfall auf den monatlichen Rechnungen.

Überblick über die gängigen Karten-Marken

Bankomatkarte (Debit)Kreditkarte (Credit)
MaestroMastercard Credit
VpayVisa Credit
Debit MastercardAmerican Express
Visa DebitDiners Club
Girocard 

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Redakteur dieses Artikels:

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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